Jahrgang 
1905
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Gelegenheit, auch Spanisch oder Italienisch zu erlernen, ebenso durch Uebungen im Laboratorium die naturwissenschaftlichen Kenntnisse zu vertiefen, was besonders denjenigen Schülern willkommen sein dürfte, die dereinst in industrielle Unternehmungen eintreten.

Der deutsche, der französische und der englische Unterricht ziehen neben Werken von klassischliterarischem Werte Fachschriften in den Kreis der Lektüre und suchen an ihnen die mündliche wie schriftliche Beherrschung der Sprache sowohl zu allgemeinen wie zu beruflichen Zwecken zu fördern. Der geschichtliche Unterricht betrachtet die Entwicklung der modernen Staaten seit dem Ausgange des Mittelalters sowohl unter dem Gesichtspunkte der politischen Gestaltung wie des Handels und der Industrie; der geographische leitet aus den physikalischen, geologischen, klimatischen und hydrographischen Verhältnissen die Produktion der Länder ab und entrollt ein Bild von ihrem Handel und ihrem Anteil an der Weltwirtschaft. Die Naturwissenschaften legen zuerst die physikalischen und chemischen Gesetze dar, veran- schaulichen darauf deren Anwendung in der Industrie und schließen mit einer Besprechung der teils auf chemischem, teils auf mechanischem Wege gewonnenen Waren. Von den kaufmännischen Fächern setzt sogleich das Rechnen intensiv ein und wird in derselben Weise durch beide Klassen fortgeführt, während für die übrigen zunächst im ersten Semester die allgemeine Handelslehre durch einen Ueberblick über den Handelsbetrieb und seine Ein- richtungen die Grundlage des Verständnisses schafft, auf der dann in dem zweiten, dritten und vierten Halbjahre die Fächer Buchhaltung, Korrespondenz, Wechsel- und Handelsrecht, Volkswirtschaftslehre die Spezialkenntnisse vermitteln. Ueber diesen weitgehenden Zielen wird aber auch das Einfachste und doch Wichtige, die Ausbildung der Handschrift sowie die Aneignung der Kurzschrift, nicht vergessen.

Den Abschluß des zweijährigen Fachstudiums bildet eine Prüfung, durch deren Bestehen die Schüler ein Reifezeugnis erwerben, gleichsam eine Bescheinigung darüber, daß sie sich mit Erfolg für ihren Beruf die weitgehendste Vorbildung angeeignet haben, nicht etwa eine Urkunde, die sie als fertige Kaufleute erklärt. Denn so intensiv auch die Aus- bildung ist, welche die höhere Handelsschule gewähren will, so muß doch betont werden, daß sie ihre Vollendung nurin der Praxis findet, die zu den theoretischen Kenntnissen die Uebung gesellt und durch die großen und kleinen geschäftlichen Erfahrungen den kühnen Unternehmersinn wie diekühlwägendeVorsicht entwickelt. Aber eine mehrjährige Lehrzeit als Lehrling bedarf der Absolvent der höheren Handelsschule nicht, für ihn genügt eine kurze Uebergangszeit, um die Kenntnisse der Schule in Praxis umzusetzen.

4. Die einjährige Handelsschule für Mädchen.

Die Abteilung bezweckt, jungen Mädchen, die sich auf den kaufmännischen Beruf vorbereiten oder zum Abschlußz ihrer Bildung die Kenntnis der kaufmännischen Disziplinen erstreben, eine in ihren Zielen beschränkte, aber immerhin doch über die der kaufmännischen Fortbildungsschule hinausgehende theoretische fachliche Ausbildung zu ver- mitteln. Dies läßt sich nur bei geeigneter Vorbildung der Schülerinnen und entsprechender Gestaltung des Lehrplans erreichen. Die Teilnahme an dem Kurse ist daher auf solche Mädchen beschränkt, die entweder die Mittelschule mit Erfolg besucht oder in einer neun- stufigen höheren Mädchenschule die Reife für die I. Klasse erreicht haben. Der Lehrplan scheidet alles minder Wichtige aus und weist jedem Fache so viele Unterrichtsstunden zu, daßz der Lehrstoff von allen hinreichend befähigten Schülcrinnen erarbeitet werden kann. Unterrichtsgegenstände sind: deutsche Sprache und Korrespondenz, französiche Sprache und Korrespondenz, englische Sprache und Korrespondenz, kaufmännisches Rechnen, Buchhaltung, Wechsel- und Handelslehre, Stenographie und flandelsgeographie. Maschinenschreiben wird als Wahlfach inzbesonderen Kursen gelehrt.