Jahrgang 
1905
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beschränken und nur das herausgreifen, was nicht besser an Ort und Stelle gesagt werden konnte. Eine allzu reichliche Darbietung von Gedächtnisstoff aus der Kunstgeschichte wäre hierbei sehr vom Übel ge- wesen. Es handelte sich vielmehr darum, die einzelnen Etappen der Entwicklung an prägnanten Beispielen zu zeigen und die Bekanntschaft mit einigen Künstlerindividualitäten anzubahnen. Dies durften jedoch, wenn Verwirrung vermieden werden sollte, nur wenige sein. Bei dieser Vorbereitung wurde ich von meinem Kollegen Herrn Dr. Preiser, aufs freundlichste unterstützt, indem er es übernahm, den Schülern in einer Reihe von Vorträgen die antike Plastik und die Topographie von Rom zu erläutern. Am meisten Zeit erforderte die Frührennaissance, die dem Primaner naturgemäß noch fast ganz fremd ist. Nach einem Uberblick über den gotischen Stil und seine eigenartige Ausbildung in Italien, besonders in den Florentiner Kirchenbauten, verweilten wir eingehender bei den Bauten des 15. Jahrhunderts und der Hochrenaissance, betrachteten dann die Plastik und deren Hauptvertreter: Andrea Pisano, Brunelleschi, Ghiberti, Donatello, Robbia, Verrocchio, Michelangelo, mit einem Ausblick auf die Barockkunst, deren genauere Durchnahme wir uns fürs erste versagen mußten. Auch bei der Malerei befaßten wir uns hauptsächlich mit dem Quattrocento, am eingehendsten mit Masaccio, Filippo Lippi, Angelico da Fiesole, Botticelli, Ghirlandajo, Perugino. Dann folgten Fra Bartolomeo, Andrea del Sarto und die großen Cinquecentisten. Die Vor- träge wurden durch eine große Anzahl von Bildern erläutert, die dann in der Klasse hängen blieben und nach 8 Tagen gewechselt wurden. Neben diesen gemeinsamen Kunstbetrachtungen, die wöchentlich an einem freien Nachmittag stattfanden, bereiteten sich die Schüler noch privatim durch Lektüre geeigneter Bücher vor, die unter den einzelnen zirkulierten. Baedeckers Mittelitalien mußte jeder besitzen.

Einige Tage vor der Abreise zahlte jeder Teilnehmer der Reise 250 Mark in die gemeinschaftliche Kasse, die von einem der Primaner verwaltet wurde? Von der Gesamtsumme wurden zunächst die Fahr- scheinhefte bezahlt, dann einige hundert Mark in italienisches Geld umgewechselt deutsches Geld nahmen wir nur wenig mit, der Rest wurde auf einer Bank deponiert, wofür wir Kreditbriefe auf Bankhäuser in Florenz und Rom erhielten. Nachdem noch den Schülern die nötigen Verhaltungsmaßregeln bezüglich des Anzugs, Gepäcks u. s. w. gegeben waren, rückte der Termin der Abreise heran.

Die Reise verlief in folgender Weise:

Dienstag, den 22, März 1904: Abreise von Frankfurt 2⁰⁸ nachmittags, Ankunft in Basel 8¹⁰°. Abendessen im Bahnhofsrestaurant. Abfahrt° nach Mailand.

Mittwoch, den 23. Märg: Ankunft in Mailand 7²⁰ vormittags. Frühstück am Bahnhof. Rundgang durch die Stadt, Dom, Brera. Mittagessen in der Trattoria Stella e Gallo in der Nähe der Galleria Vittorio Emanuele. 14⁰° Weiterfahrt nach Florenz. Ankunft daselbst 11 Uhr.

Donnerstag, den 24. März: Vormittag: S. Maria Novella, Dom, Baptisterium, Bargello, Spaziergang in der Stadt. Nachmittag: S. Maria del Carmine, S. Spirito, S. Miniato, Piazzale Michelangiolo, über den Ponte Vecchio zurück.

Freitag, den 25. März: Vormittag: S. Croce, Capella de' Pazzi, Palazzo Pitti, Loggia de' Lanzi. Nachmittag: Mediceergräber, Palazzo Ricardi, S. Lorenzo, Konzert in 8S. Annunziata(Verkündigungsfest).

Samstag, den 26. März: Or S. Michele, SS. Annunziata, Innocenti, S. Marco, Uffizien. Nachmittag: Ausflug nach Certosa di Val d'Ema, Rückfahrt auf Bauernwagen.

Sonntag, den 27. März: Vormittag frei zum Besuche der Sehenswürdigkeiten, die den einzelnen besonders an- zogen. Nachmittag: Ausflug nach Fiesole.

Montag, den 28. März: Vormittag 7 Uhr: Abfahrt nach Rom. Ankunft 1¹⁵. Mittagessen in der Pension. Nachmittag: Orientierungsfahrt durch die Stadt.

Dienstag, den 29. März: S. Pietro, Besteigung der Kuppel. Besichtigung der vatikanischen Antikensammlung unter der Führung des Herrn Dr. W. Amelung, am eingehendsten Braccio Nuovo und Belvedere. Nach- mittag: S. Paolo fuori, Monte Testaccio, Wanderung über den Aventin. Nach dem Abendessen Spaziergang zum Colosseum bei Mondschein.

Mittwoch, den 30. März: Vormittag: Pantheon, S. Maria sopra Minerva, Gesu, S. Maria in Cosmedin, Tempel am Tiber, Marcellustheater, Capitol, Conservatorenpalast, Capitolinisches Museum. Nachmittag: S. Pietro in Vincoli, Lamentationen im Lateran.

Donnerstag, den 31. März: S. Pietro(Hochamt, von Kardinal Rampolla celebriert), Vatikan, Stanzen und Pinakothek. Nachmittag: Via Appia, Katakomben, Grabmal der Caecilia Metella, Rückweg durch die Campagna nach Porta S. Giovanni.