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haus und von da ins Goethe-Schiller-Archiv. Nur kurze Zeit konnte der Fülle der dort aufsteigenden Gesichte gewidmet sein— dann galt es von Weimar zu scheiden, da die Wartburg noch als Ziel bevor- stand. Trotz schlechtem Wetter stiegen wir nach kurzer Besichtigung von Lutherhaus und Denkmal in Eisenach rasch empor zur Königin der thüringischen Berge, und mochten auch die Nebelschwaden, die durch die Tiefen der Täler zogen und um die Wipfel altehrwürdiger Bäume kreisten, alle Aussicht ver- hindern, uns schienen sie die Geister der dort webenden mittelalterlichen Romantik zu sein, die mit Elisabeth- und Sängerstreiterinnerungen ebenso die Herzen gefangen nahmen wie die klassische Klarheit des Tages in Weimar dort einen stimmungsvollen Hintergrund abgegeben hatte. Und als durch die Nebel den sehnsüchtig Ausschauenden einmal ein Sonnenstrahl sich zeigte, der sich hindurch und hinauf- zuringen schien, bewiesen da die Schüler unserer Anstalt mit dem einen Wort: Luther, daß sie von dem Geiste unseres Patengenius doch einen Hauch verspürt hatten.— Schnell ging es heim; es blieb die Erinnerung an wirklich wundervolle Stunden und die Möglichkeit, oft nur mit leiser Andeutung für das Verständnis des Schönen zu wirken, wo sonst eine ausführliche Erklärung nötig gewesen würe.
Noch Größeres war während der Osterferien 1904 unternommen worden: eine Schülerfahrt der Oberprima B.
nach Rom. Der Führer, Herr Oberlehrer Dr. Hahn, berichtet über die Reise und deren Vorbereitung Folgendes:
Der Plan, in den Osterferien mit den Schülern der Oberprima B eine Reise nach Italien zu machen,
entstand im Oktober 1903 gelegentlich eines kulturhistorischen Exkurses im Anschluß an die griechische
Lektüre. Herr Geheimrat Reinhardt hatte gegen die Ausführung dieses Planes nichts einzuwenden,
förderte vielmehr von Anfang an die Sache durch seinen Rat und mancherlei wertvolle Anregung. Viele
nützliche Winke, besonders hinsichtlich der äußeren Einrichtung der Reise, Verhandlungen mit Behörden,
Hotels, Kosten etc. verdanke ich auch dem Programm des Prinz-Heinrich-Gymnasiums zu Berlin von
Ostern 1900, in dem eine mit den Primanern des genannten Gymnasiums im Jahre vorher unternommene „Schülerreise nach Rom“ eingehend beschrieben ist.
Im Dezember ließ ich mir von den Schülern, die an der Fahrt teilnehmen wollten, eine schriftliche Einverständniserklärung ihrer Eltern geben. Auf diese Weise meldeten sich 15 von den 18 Schülern der Klasse; aus finanziellen Gründen brauchte keiner sich auszuschließen. Außer den Primanern nahm noch der Zeichenlehrer unserer Anstalt, Herr Thielmann, an der Fahrt teil, wodurch sich die Arbeit der Reiseleitung für mich wesentlich verringerte.
Nachdem noch auf eine Anfrage des Direktors hin die vorgesetzte Behörde ihre Einwilligung ge- geben hatte, konnte die genauere Ausarbeitung des Reiseplanes in Angriff genommen werden. Wir ent- schlossen uns, außer Rom auch einige Tage für Florenz zu verwenden, zumal wir dort auch von einem mir befreundeten Kunsthistoriker eine vorzügliche Führung erhoffen durften. Mailand sollte nur flüchtig auf der Hinreise, Genua auf der Rückreise kurz berührt werden; wir wollten uns nicht zersplittern.
Im Januar begannen die Verhandlungen mit den Behörden. Durch die Vermittlung der Königl. Preußischen Gesandtschaft beim Heiligen Stuhl erbielten wir einen Permesso für die Sammlungen im Vatikan und Lateran. Freien Eintritt für sämtliche Königliche Sammlungen Italiens gewährte uns, ohne daß wir die Vermittlung der deutschen Botschaft in Anspruch zu nehmen brauchten, das italienische Unterrichtsministerium. In besonders liebenswürdiger Weise kam uns die Kgl. Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M. entgegen, die nicht nur für die ihr unterstehenden Strecken uns bereitwillig weitgehende Ermäßigungen zusicherte, sondern auch die Verhandlungen mit den anderen deutschen, sowie den aus- ländischen Direktionen selbst übernahm. Nach Beendigung dieser Verhandlungen wurden für uns„Sonder- fahrscheinhefte für die Schülerfahrt Frankfurt a. M.—- Rom und zurück“ hergestellt. Der Preis betrug 95 M. III. Klasse auf den deutschen, II. Klasse auf den ausländischen Strecken. Das Billett war auch für Schnellzüge gültig, außer den Gotthardexpreß- und den italienischen Durchgangszügen.
Die Unterkunftsfrage bot keine Schwierigkeiten, da ich für Florenz und Rom dort ansässige frühere Schüler unseres Gymnasiums bitten konnte, uns Quartier zu machen, was diese auch in liebenswürdigster und dankenswertester Weise übernahmen. Wir wohnten in Florenz bei Nardini, Piazza del Duomo 7, Preis 6 Lire für volle Pension einschließlich Wein, in Rom in der Pension Spillmann, Via Mario de'Fiori 21, Preis 7 ½ Lire, ebenfalls alles einbegriffen.
Schwieriger als die erwähnten Verhandlungen war die Aufgabe, die Schüler für das Verständnis dessen, was sie sehen sollten, vorzubereiten. Da nur wenige Monate zur Verfügung waren, hieß es, sich


