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4. Schulfeste und Schulreisen.
Das Maifest wurde am 17. Mai durch Ausflüge der einzelnen Klassen, das Sedanfest am 2. September durch ein Wettturnen mit Preisverteilung beim Forsthaus in gleicher Weise wie im Vorjahr begangen.
Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers wurde am 27. Januar in derselben Weise wie im vorigen Jahre gefeiert. Den Plan hatte diesmal Herr Oberlehrer Weiß entworfen.
Am 17. September fand zugleich mit der Abschiedsfeier für Herrn Geheimrat Reinhardt in unserer Aula eine andere Feier ganz besonderer Art statt. Einer freundlichen Gönnerin unserer Anstalt war es beim Auszug zum Sedan-Turnfest aufgefallen, daß uns ein würdiges Banner fehle, und auf ihre Anregung bildete sich ein Komité von Damen, um die Mittel zur Herstellung eines solchen Banners zu beschaffen. Die Beiträge gingen so zahlreich ein, daß auch noch andere Bedürfnisse der Schule befriedigt werden konnten. Der Entwurf des Banners wurde von Herrn Zeichenlehrer Thielmann hergestellt, die Ausführung übernahm die Fahnenstickerei W. Rupp. Auf freundliche Fürsprache von Frau Geheimrat Reinhardt spendete Friedrich Leo die kurze und vielsagende Inschrift:
Palladium matres Musae donamus alumnis.
Im Namen der Stifterinnen überreichte an jenem Tage Frau Justizrat Oswaldt das Banner Herrn Professor Römer, indem sie dabei die nachstehende Widmung verlas:
Als das Frankfurter städtische Gymnasium in zwei selbständige Anstalten geteilt wurde, blieb die alte Gymnasialfahne, von Frauenhänden einst gestiftet, im Besitz des Lessing-Gymnasiums. Das Goethe- Gymnasium hat eine Fahne seitdem entbehren müssen.
Wieder sind es Frauen, die Gattinnen der Lehrer, die Mütter der Schüler, die heute dem Goethe- Gymnasium eine Fahne überreichen dürfen.
Es hat eine solche bis heute entbehrt; hat es sie auch vermißt? Auch ohne Banner hat es den alten Wahlspruch:„Für das Leben, nicht für die Schule“ hochgehalten, haben Lehrer und Schüler auf dem Boden der guten alten Überlieferung fest zusammengestanden.
Und doch verlangt der Sinn des Menschen nach äußeren Symbolen, daß dem Auge sichtbar werde, was die Herzen erfüllt.
Verstärkt regt sich dieser Wunsch am heutigen Tage.
Wir haben soeben den Abschied von dem Manne gefeiert, der als der letzte Direktor dem alten Frankfurter Gymnasium, als der erste der neuen Anstalt vorgestanden hat. Da er scheidet, möge diese Fahne ein Zeichen des Geistes werden, dessen Träger er bisher gewesen ist.
Im Namen der Stifterinnen übergeben wir dem Goethe-Gymnasium diese Fahne.
Möge sie allezeit um sich scharen Männer, die ihr höchstes Ziel und ibre höchste Befriedigung darin finden, den Geist ihrer Schüler zu bilden und ihren Charakter zu stählen, und frohgemute Jünglinge und Knaben, die, was die Schule ihnen darbietet, offenen Auges und reinen Sinnes entgegennehmen, nicht für die Schule, sondern fürs Leben. Das walte Gott]
Frankfurt a. M., 17. September 1904.
Die Oberprima A unternahm am 22. September mit Herrn Oberlehrer Dr. Vilmar einen Ausflug nach Weimar, über den dieser Nachstehendes berichtet:
Freitag, den 23. begann die Besichtigung der denkwürdigen Stätten mit dem Besuch von Herders
Haus und der Kirche. Daran schloß sich die Durchwanderung der Dichterzimmer im Schloß, Spaziergang durch den Park und längeres Verweilen in Goethes Gartenhaus. Dann führte der Weg am Shakespeare- und Wieland-Denkmal vorbei zum Goethehaus, dem der Rest des Vormittags gewidmet war. Nach kurzer Mittagspause wurde die Wanderung fortgesetzt, die zunächst ins Museum zu Preller und Schwind und dann zu einer weihevollen Abendstunde auf dem Friedhofe, besonders am Sarge der Dioskuren führte. Trotz einbrechender Dämmerung wurde der Plan, nach Tiefurt zu wandern noch ausgeführt und manche wertvolle Einzelerinnerung dort sogar bei Lampenlicht besichtigt. Die Schatten der Nacht kauerten schon im Tiefurter Parke und schwebten von der Ilm zu den Höhen empor, als die Wanderschar begeistert von klassischen Erinnerungen nach Weimar zurückkehrte. Am nächsten Morgen ging es zunächst ins Schiller-


