Jahrgang 
1905
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Das verflossene Schuljahr stellte in mancher Beziehung dem Lehrerkollegium schwere Aufgaben. Wohl hatte das Kuratorium die Aushülfs-Oberlehrer Dr. Pfeffer und Dr. Wirtz der Anstalt überwiesen, aber eine volle Lehrerstelle, die, obwohl bewilligt, nicht bis zum Beginn des neuen Schuljahres hatte besetzt werden können, mußte vom Kollegium aus versehen werden; dabei waren die Herren Oberlehrer Dr. Drüner und Dr. Hahn zu einer militärischen Übung einberufen worden. Dazu kamen Erkrankungen, die sich zeitweise so häuften, daß an einzelnen Tagen drei Mitglieder des Lehrerkollegiums gleichzeitig vertreten werden mußten. Besonders schmerzlich war es uns, daß Herr Oberlehrer Dr. Merian-Genast fast das ganze dritte und vierte Quartal von seiner Unterrichtstätigkeit durch ein Nervenleiden fern gehalten wurde; doch dürfen wir hoffen, daß der verehrte Kollege zum Beginn des neuen Schuljahres mit frischen Kräften seine Arbeit wird wieder aufnehmen können. Bei all diesen Vertretungen fand das Kollegium die willigsten und freundlichsten Helfer an den Mitgliedern des Pädagogischen Seminars, denen von dieser Stelle ein herzlicher Dank dafür ausgesprochen sei.

Mit Beginn des Wintersemesters trat Herr Oberlehrer Dr. Weber sein Amt als etatsmäßiger Ober- lehrer am Goethe-Gymnasium an. Über seinen Lebensgang berichtet er folgendes:

Heinrich Otto Weber wurde 1873 in Kassel geboren; er besuchte dort das Friedrichsgymnasium, das er Ostern 1891 mit dem Zeugnis der Reife verließ, und studierte in Marburg und München Philologie und Theologie. Er promovierte 1895 in Marburg und bestand daselbst 1896 die Staatsprüfung. Nachdem er die beiden Ausbildungsjahre in Kassel und Marburg abgeleistet und sich ein halbes Jahr zu Studienzwecken in Paris aufgehalten hatte, war er vom Herbst 1899 bis Ostern 1901 als Hülfslehrer, von Ostern 1901 bis Ostern 1904 als Oberlehrer am Johanneum in Lüneburg tätig. Nachdem er dann noch ein halbes Jahr als Oberlehrer am Städtischen Progymnasium zu Köln-Elberfeld gewirkt hatte, wurde er am 1. Oktober 1904 als Oberlehrer an das Goethe-Gymnasium zu Frankfurt berufen. Wissenschaftliche Arbeiten: De Senecae philosophi dicendi genere Bioneo(Diss. Marb. 1895). Diecomédie rosse in Frankreich.(Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen Bd. CV 1901),

2. Das Königliche Pädagogische Seminar.

Dem Pädagogischen Seminar gehörten im Berichtsjahre als Mitglieder an die Herren: Otto Förster, Karl Hitzeroth, Ernst Humpf, Dr. Karl Kappus, Otto Kühlewein, Dr. August Uhrig, Dr. Franz Paehler, Albert Engel. Als ständige Lehrer waren außer dem Direktor die Herren Oberlehrer Weiß und Dr. Weismantel tätig. Herr Geh. und Ober-Regierungsrat Dr. Paehler unterzog am 1. Juli 1904 und am 24. Februar 1905 das Seminar einer eingehenden Revision.

3. Revisionen und Prüfungen.

Am 2. Mai besuchte Herr Wirkl. Geh. Regierungsrat Dr. Köpke die Anstalt und wohnte mehreren Unterrichtsstunden bei.

Bei Gelegenheit der ersten Seminar-Revision wohnte Herr Geh. und Ober-Regierungsrat Dr. Paehler zugleich einigen Unterrichtsstunden bei.

Am 29. und 30. November besuchte eine Abordnung der Kgl. Bayrischen Unterrichtsverwaltung das Goethe-Gymnasium und wohnte einer größeren Anzahl von Unterrichtsstunden bei. Es waren Herr Ministerialrat Schätz aus München und die Herren Rektoren Oberstudienrat Dr. Wecklein vom Max-Gymnasium in München, Dr. von Orterer vom Luitpold-Gymnasium in München, Dietsch vom Realgymnasium in München und Krück vom Realgymnasium in Würzburg. Mit diesen Herren zusammen besuchten die Anstalt im Auftrage der dies- seitigen Unterrichtsverwaltung Herr Geh. Regierungsrat Dr. Reinhardt und Herr Direktor Prof. Dr. Jansen gegenwärtig gleichfalls vortragender Rat im Kultusministerium.

Die schriftliche Reifeprüfung fiel in die Tage vom 16. 21. Februar, die mündliche wurde am 13. und 14. März unter dem Vorsitze des Herrn Geh. und Ober-Regierungsrates Dr. Paehler, am 15. und 16. März unter dem Vorsitze des Direktors abgehalten. Als Vertreter des Kuratoriums wohnte Herr Stadtrat Grimm der Prüfung bei. Die 34 Schüler der Oberprima die sich zur Prüfung gemeldet hatten, wurden sämtlich für reif erklärt, darunter 13 unter Befreiung von der mündlichen Prüfung.