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4. Revisionen und Prüfungen.
Am 20. November beehrte Se. Exzellenz der Herr Oberpräsident von Windheim die Anstalt mit einem Besuche und wohnte dem Unterricht in mehreren Klassen bei; in seiner Begleitung war der Herr Oberbürger- meister Dr. Adickes und der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Stadtrat Grimm.
Am 10. Februar revidierte der bischöfliche Generalvikar und Hausprälat Sr. Heiligkeit, Herr Domdekan Hilpisch, den katholischen Religionsunterricht.
Die schriftliche Reifeprüfung fiel in die Tage vom 11. bis 16. Februar, die mündliche wurde am 7. Mär⸗ unter dem Vorsitze des Herrn Geheimen Regierungs- und Provinzial-Schulrates Dr. Paehler, am 8. und 9. Mär⸗ unter dem Vorsitze des Direktors abgehalten. Als Vertreter des Kuratoriums wohnte Herr Justizrat Dr. Friedle ben der Prüfung bei. Von den 28 Schülern der Oberprima, die sich zur Prüfung gemeldet hatten, trat einer vor der mündlichen Prüfung zurüek, einem konnte die Reife noch nicht zugesprochen werden, 26 Schüler bestanden die Prüfung, darunter 9 unter Befreiung von der mündlichen Prüfung.
5. Schulfeste.
Das Maifest wurde am 26. Mai durch Ausflüge der einzelnen Klassen bei günstigster Witterung begangen.
Bei dem Empfang Sr. Majestät des Kaisers und Ihrer Majestät der Kaiserin zum Sängerwettstreit am 3 Juni 1903 nahmen die Schüler der Anstalt an dem Fackelzug und der Spalierbildung teil.
Da der Direktor sich Anfang September auf einer Dienstreise befand, wurde das Sedanfest mit Ge- nehmigung der vorgesetzten Behörde in diesem Jahre am Montag, dem 7. September in der altgewohnten Weise gefeiert: Unter Vorantritt eines Trommler- und Pfeiferkorps, das durch die Bemühung des Herrn Oberlehrers Dr. Vilmar aus Schülern der mittleren Klassen im Laufe des Jahres gebildet und schon recht gut eingeschult war, zog die Anstalt um 7 Uhr in den Stadtwald zum Forsthause, wo ein Wetturnen mit Preisverteilung statifand. Aus den oberen Klassen waren je eine Abteilung für Geräteturnen und für volkstümliche iibungen gebildet; die Klassen von Untersekunda abwärts bildeten, und zwar je zwei Parallelklassen zusammen, besondere Abteilungen, für die je eine libung am Gerät und zwei volkstümliche Üpungen bestimmt waren. Die Eltern der Schüler waren, wie früher, in erfreulicher Zahl zu diesem Schulfeste gekommen, das durch freundliche Witterung begünstigt war.
Am Nachmittage desselben Tages machten sich diejenigen Schüler der Oberklassen, die sich regelmäßig an den Turnspielen beteiligt hatten, unter Leitung des Direktors und der Herren Oberlehrer Dr. Wünnenberg, Dr. Vilmar und Dr. Preiser zu einer 1 ½ tägigen Turnfahrt auf. die von Cronberg nach Schmitten und von da am folgenden Tage nach Niederselters und Limburg a. d. Lahn führte; die Schüler der übrigen Klassen unter- nahmen am 2. September eine eintägige Turnfahrt in die nähere Umgebung.
Auch in diesem Jahre wurde von Herrn Turninspektor Weidenbusch zur Belebung des Schlagball- spiels ein Wettspiel sämtlicher höherer stäßdtischer Schulen in zwei Abteilungen, einer älteren und einer jüngeren, veranstalelt; in der ersteren blieben die Schüler des Goethe-Gymnasiums Sieger. Bei dem Wetturnen in volks- tümlichen iibungen auf dem Altaracker, am 16. September, fielen 12 pPreise an unsere Anstalt; im Stafetten- Wettlauf erhielten unsere Schüler den ersten Preis..
Am 16. und 18. Januar veranstalteten unsere Schüler eine musikalisch-theatralische Aufführung zum Besten des Vereins für Ferienkolonien armer kränklicher Schulkinder. Unter Leitung des Herrn Oberlehrers Dr. Wünnenberg trug ein Orchester von 31 Schülern die Ouvertüre zur Rosamunde von Schubert, das Märchen von C. Kamzak und die Cavatine von J. Raff vor. Außerdem wurde das Trio von Beethoven, Op. I, Satz 1 für Klavier, Violine und Cello von Schülern gespielt. Nach dem Prolog:„Une soirée perdue“ par Alfred de Musset wurde sodann Le Bourgeois Gentilhomme von Molière durch die Quartaner in französischer Sprache aufgeführt. Der Klassenlehrer Herr Oberlehrer Dr. Banner hatte die Einübung der jugendlichen Schauspieler übernommen. Ihre Königliche Hoheit die Landgräfin von Hessen, Seine Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen und Ihre Königliche Hoheit Prinzessin Friedrich Karl von Hessen beehrten die Aufführung mit ihrer Gegenwart. Die Leistungen der Schüler fanden sehr freundliche Aufnahme und Anerkennung. Den beiden Herren Kollegen, die sich mit solcher Aufopferung um das Zustandekommen der erfolgreichen Feier bemüht haben, sprecheu wir auch an dieser Stelle den herzlichsten Dank aus Wir konnten 900 Mk. dem Verein für Ferienkolonien übergeben und durften nach Begleichung aller Kosten noch eine Summe zurücklegen, die als Grundstock zur Anschaffung eines Orgel-Harmoniums für unsere Schule dienen soll.


