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Herr Oberlehrer Dr. Wünnenberg hat das Orchester, das sich so schön eingespielt hatte, zusammenge- halten uud sich bereit erklärt, auch fernerhin regelmäßige Übungen mit ihm zu veranstalten; so dürfen wir hoffen, daß hieraus eine dauernde Einrichtung wird, die den Schülern Anregung zur künstlerischen Ausbildung bietet
Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde am 27. Januar gefeiert; die Lieder und Gedichte wie auch die Rede eines Unterprimaners stellten nach einem von Herrn Oberlehrer Dr. Vilmar entworfenen Plane die deutschen Einheitsbestrebungen des 19. Jahrhunderts: Hoffnungen, Kämpfe und Gelingen dar. Das nene Orchester unterstützte höchst förderlich die allgemeinen Gesänge und trug auch einige selbständige Musikstücke vor
6. Durchführung des Frankfurter Lehrplanes.
Die Hoffnung, die wir auf den von Herrn Oberlehrer Dr. Bruhn vorgeschlagenen Lehrgang für den griechischen Unterricht und das von ihm ausgearbeitete Lehrbuch gesetzt und die wir im Programm des vorigen Jahres ausgesprochen haben(S. 25), hat sich in erfreulicher Weise erfüllt. Allerdings mußte der Vorkursus auf etwa vier Monate ausgedehnt werden. Von Anfang September an aber ist in beiden Untersekunden mit der Ein- übung der regelmäßigen und unregelmäßigen Formenlehre und der Einführung in die Hauptregeln der Syntax die Lektüre der Anabasis des Xenophon mit solchem Erfolge verbunden worden, daß jetzt am Schlusse des Jahres die zwei ersten Bücher dieser Schrift und auch noch einige der wichtigeren Teile der folgenden Bücher gelesen sind. In Obersekunda kann nunmehr der Unterricht sofort zu Homer übergehen. Die grammatischen Übungen in der attischen Sprache werden daneben fortgesetzt. Auf diesem Gebiete wird nach dem ersten Halbjahr der Ober- sekunda ein erster Abschluß erreicht. Es sei übrigens hier ausdrücklich noch einmal hervorgehoben, daß in der Untersekunda nicht etwa am Schriftsteller selbst die grammatischen Ubungen vorgenommen werden; Lektüre und grammatische Unterweisung gehen getrennt neben einander her, in der Weise, daß jene schneller voran- schreitet, diese langsamer nachfolgt und die an der lebendigen Sprache beobachteten Erscheinungen zusammen- faßt und allmählich systematisch ordnet und einübt. Das Lehrbuch gibt für diesen Gang des Unterrichts die Anleitung und sichere Unterlage.
Im vergangenen Schuljahr sind die eingehenden Leprpläne für Deutsch, Französisch, Lateinisch, Griechisch und Geschichte ausgearbeitet und gedruckt worden. Die Lehrpläne für Naturkunde, Erdkunde und Mathematik werden voraussichtlich noch vor Ablauf des Jahres fertiggestellt. Es wird beabsichtigt, diese zunächst als Manuskript gedruckten Pläne noch eine Zeit lang im Gebrauch zu beobachten und dann sie in Buchform erscheinen zu lassen und allgemein zugänglich zu machen. Nur aus reiflicher Erfahrung und nach stets erneuter Erprobung kann auf diesem Gebiete etwas Brauchbares geleistet werden. Denn es handelt sich hier nicht darum, auseinander- zusetzen, wie man die Sache etwa machen könnte, und wie man in einer glücklichen Stunde sie auch vielleicht, dann und wann einmal macht. obwohl solche Darlegungen gewiß mancherlei Anregungen geben können, vielmehr sollen diese Speziallehrpläne den Niederschlag der Wirklichkeit geben, sie sollen im tagtäglichen Gebrauche zur Richtschnur dienen und sich überall als durchführbar bewähren.
Da auch in diesem Jahre die Anmeldung zur Sexta die für die Aufnahme festgesetzte Maximalzahl er- heblich überschritt, so haben die städtischen Behörden die Teilung der untersten Klasse beschlossen und die nõtigen Mittel bewilligt. Der Erweiterungsbau(s. Progr. von 1903 S. 26) ist in Angriff genommen und wird hoffentlich im Herbste beziehbar sein.
. Den Bericht über die Erlebnisse unserer Schule können wir nicht schließen ohne dankbar des früheren Oberpräsidenten unserer Provinz, Sr. Exzellenz des Herrn Staatsministers Grafen Zedlitz, zu ge— denken. Er hat seiner Anteilnahme an den Fragen des Unterrichts und seinem persönlichen Wohlwollen für die Männer, die in diesem Beruf arbeiten, zu wiederholten Malen in einer Weise Ausdruck gegeben, die Begeisterung erweckte und ihm die Herzen gewann. Wie er seiner Zeit den Anstoß gegeben hat zur Einführung und Erprobung des Lehrganges des Gymnasiums, der den gemeinsamen Unterbau der drei höheren Schulen voraussetzt, so verfolgte er die Fortschritte dieses Versuches mit wohltüendem und ermutigendem Interesse. So wird mit den übrigen Schulen der Provinz dies Gymnasium ihm ganz besonders ein treues Andenken bewahren.


