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Durch längere Erkrankungen waren im Winterhalbjahr die Herren Prof. Hauschild und Oberlehrer Dr. Prigge in der Ausübung ihrer Berufstätigkeit gehemmt. Der erstgenannte mußte infolge eines Armbruches nnd eines langwierigen gichtischen Leidens von Anfang Januar bis fast zum Schlusse des Winterhalbjahres der Schule fern bleiben. Die Vertretung geschah zum größeren Teil durch das Lehrerkollegium, zum Teil auch durch die Mitglieder des Seminars.
Herr Dr. Dreyer wird mit dem Ablauf dieses Schuljahres aus unserer Anstalt ausscheiden, um zu seiner weiteren Ausbildung einen Aufenthalt im Ausland zu nehmen.
Der Kaplan Herr Josef Raab, der seit Januar 1896 den katholischen Religionsunterricht an unserer Anstalt erteilt hat, verließ uns im Herbst 1903, um einer Berufung als Oberlehrer an das Gymnasium in Fulda Folge zu leisten. An seine Stelle ist Herr Rektor Gander getreten.
An Stelle des Herrn Prof. Wulff ist vom 1. April 1904 ab Herr Oberlehrer Dr. Preiser zum etats- mäßigen Oberlehrer am Goethe-Gymnasium ernannt worden. Über seinen Lebensgang berichtet er Folgendes:
„Richard Preiser, geb. 6. September 1871 zu Lentkirch in Württemberg, besuchte die Lateinschule zu Biberach a. d. Riß, dann je zwei Jahre die evangel.-theol. Seminare(Obergymnasien) Maulbronn und Blaubeuren und studierte von Oktober 1889 an in Tübingen klassische Philologie, Deutsch und Geschichte. Oktober 1893 bestand er zu Stuttgart den ersten, ein Jahr später den zweiten Teil der Professoratsprüfung und promovierte im Juli 1895. Ostern 1896 wurde er Hilfslehrer am Fürstl. Gymnasium zu Gera und dort nach einem Jahre zum Oberlehrer ernannt. Herbst 1902 wurde er als Aushilfsoberlehrer nach Frankfurt a. M. berufen und war bis Ostern 1903 an der Musterschule und am Goethegymnasium, von da an nur noch an diesem tätig. Veröffentlicht hat er 1901 eine Programmarbeit:„Zum Torso von Belvedere“ und 1902 die Abhandlung:„Mensch und Tier in der Sprache des Gewerbes.“
Seine Exzellenz der Herr Minister übertrug durch Erlass vom 17. April 1903 dem Direktor die Stelle eines sachverständigen Beirates für Reformschulen, nachdem die städtische Schulbehörde sich mit der Übernahme dieses Nebenamtes einverstanden erklärt hatte. Die wohlwollende Absicht des Kuratoriums, den Direktor in der Leitung des Seminars dadurch zu erleichtern, daß der Professor Wulff um die Hälfte seiner pflichtmäßigen Unterrichtsstunden entlastet wurde, konnte aus den oben dargelegten Gründen nur für kurze Zeit wirksam werden. Während der Dienstreisen, die der Direktor in Ausübung seines Amtes auszuführen hatte, übernahm der erste Ober- lehrer Herr Prof. Dr. Römer seine Vertretung.
2. Das Königliche Pädagogische Seminar.
Dem Pädagogischen Seminar gehörten im Berichtsjahre als Mitglieder an die Herren: Karl Bell- gard, Konrad Dörbecker, Wolfgang Jäckel, Walter Kürschner, Dr. Johannes Moeller, Georg Reutlinger, Friedrich Wille. Als Lehrer waren außer dem Direktor die Herren Oberlehrer Prof. Dr. Wulff, Dr. Banner, Weiß und Dr. Weismantel tätig. Herr Geheimer Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Paehler unterzog am 3. Februar das Seminar einer eingehendeu Revision.
3. Todesfälle früherer Schüler.
Am 30. Juni 1903 starb der frühere Schüler Rudolf Emanuel, der unsere Anstalt von Sexta bis zum Abschluß der Untersekunda besucht hatte und Ostern 1903 abgegangen war. Er gehörte stets zu den besten Schülern seiner Klasse und war bei seinen Lehrern und Mitschülern gleich beliebt. Neigung und Begabung für die Musik hatten ihn veranlaßt, die Schule zu verlassen, um sich ganz dieser Kunst zu widmen. An der Trauer der Eltern nahm die Schule herzlichen Anteil.
Höchst schmerzlich ist es uns, noch von dem Tode eines anderen früheren Schülers berichten zu müssen: Charles Lilienfeld, der zu den Abiturienten der ersten Reformklasse gehörte(s. Programm 1901, S. 26), starb am 30. Dezember 1903. Als Schüler hatte er sich durch sein tüchtiges Streben und sein ernstes und zugleich liebenswürdiges Wesen die Anerkennung aller seiner Lehrer und die Neigung seiner Mitschüler erworben, und die Hoffnungen, die die Schule und die Eltern bei seinem Abgang auf ihn setzten, schienen sich in erfreulicher Weise zu erfüllen. Schon hatte er die medizinische Vorprüfung rühmlich bestanden, da erlag der kräftige, gesunde Jüngling einem Typhnusanfall. Wir teilen den Schmerz der Eltern um den hoffnungsvollen Sohn.
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