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schaftlicher Hülfslehrer weiter gewirkt. Nach einer 10 ½ jährigen Tätigkeit an dem Realgymnasium Muster- schule kehrte er Herbst 1889 wieder an unsere Anstalt zurück. Schon im Jahre 1884 veröffentlichte er im Pro- gramm der Musterschule eine Abhandlung über den lateinischen Unterricht in Quarta im Zusammenhang mit den Perthesschen Reformvorschlägen, und im Jahre 1888 gab er mit Herrn Prof. Karl Jahr in Berlin ein Ubungsbuch zum Übersetzen aus dem Deutschen ins Lateinische im Anschluß an die Perthesschen Lehrbücher heraus, Arbeiten, die ihn als besonnenen und umsichtigen Methodiker des Sprachunterrichts in weiteren Kreisen bekannt machten. Diese Eigenschaften bewährte er in hervorragendem Maße, als er die Aufgabe übernahm, für den lateinischen Unterricht nach dem Frankfurter Lehrplan neue Lehrmittel auszuarbeiten. Er lehnte sich hierbei zwar an Perthes an, schuf aber ein neues, durchaus selbständiges Werk, in dem sich die auf gründlichster Gedankenarbeit beruhenden theoretischen Erwägungen aufs Glücklichste mit dem sicheren Takt für das jedesmal Erreichbare und Ersprieß- liche vereinigten. Es wird wohl wenige Lehrbücher geben, in denen der Grundsatz der immanenten Repetition, des steten Heranziehens der früher verarbeiteten Stoffe bei der Darbietung des Neuen und die regelmäßige syste- matische Zusammenfassung des vereinzelt erworbenen Wissens zur Sicherung weiteren Fortschreitens konsequenter durchgeführt ist. Diesen Arbeiten ist es ganz besonders zu danken, daß der lateinische Unterricht mit dem späteren Beginn in Untertertia pädagogische Vorzüge entwickelt und Erfolge erreicht hat, die nachgerade von allen, mögen sie nun Gegner oder Freunde dieses Lehrganges sein, anerkannt werden. Noch neuerdings hat er seine Erfahrungen und seine Ansichten über diese Dinge dargelegt in der Broschüre:„Der lateinische Anfangs- Unterricht im Frankfurter Lehrplan.“
Nicht minder hat Wulff durch seine unmittelbare Lehrtätigkeit, die sich auf die beiden alten Sprachen und das Deutsche erstreckte, unserer Anstalt die bedeutendsten Dienste geleistet, obwohl er schon seit Anfang des Jahres 1891 an einer tückischen Krankheit litt, die ihn wiederholt schwer heimsuchte und dem Tode nahe- brachte. Die Kraft seines Willens und eine auf tiefer religiöser Überzeugung ruhende Freudigkeit des Wesens ließ ihn auch nach schweren Katastrophen immer wieder zu frischer Arbeitslust und kräftigem Tatendrang er- stehen. Im letzten Schuljahre übernahm er, unter Entbindung von einer größeren Zahl von Lehrstunden, die besondere Leitung des mit unserer Anstalt verbundenen pädagogischen Seminars, und er hatte eben begonnen, mit gewohnter Frische sich in diese ihn lockende Aufgabe zu vertiefen, als ihn ein neuer Angriff der Krankheit packte, der er im Alter von 49 ½ Jahren am 3. Oktober erlag.
Was er seinen Kollegen und seinen Schülern gewesen ist, dürfen wir wohl mit den Worten des Nach- rufes aussprechen, der ihm im Namen der Anstalt gewidmet wurde:
„Wir trauern um einen Mitarbeiter, der die ganze Kraft seines treuen und starken Herzens dem Leben unserer Schule zuwandte, der seinen Beruf mit einer heiligen Begeisterung und einem brennenden Eifer erfaßte, wie sie selten gefunden werden. Wir trauern um den bedeutenden Schulmann und Gelehrten, der in der methodischen Vorbereitung wie in der praktischen Durchführung der besonderen Aufgaben, die unserer Anstalt gestellt sind, in erster Linie und mit hervorragendem Erfolge gewirkt hat; wie die L.ücke, die sein allzufrühes Hinscheiden hier zurück- läßt, nicht auszufüllen ist, so sichert ihm das, was er geleistet hat, weit über die Grenzen unserer Schulgemeinde hinaus einen dauernden Namen. Wir betrauern endlich in ihm den lieben Freund. den Menschen reinen Herzens, in dem ein kindliches Gemüt und eine jugendfrische, erquickende Begeisterungsfähigkeit sich mit tiefem Ernste zu anmutigem Bunde vereinte. Sein Andenken wird in den Herzen seiner Preunde, seiner Schüler und seiner Kollegen unauslöschlich bleiben!“
Herr Oberlehrer Noll war während des ganzen Schuljahres um zwölf Unterrichtsstunden wöchentlich erleichtert, um an den Arbeiten des romanischen Seminars der Akademie für Handels- und Sozialwissenschaften unter Leitung des Herrn Prof. Dr. Morf teil zu nehmen.— Herr Oberlehrer Dr. Bölte erhielt für den Winter 1903/1904 einen halbjährigen Urlaub zu einer wissenschaftlichen Reise nach Griechenland und Kleinasien. Zu militärischen Dienstleistungen waren die Herren Oberlehrer Dr. Prigge und Dr. Vilmar einberufen.
Die Vertretungen, die durch die Beurlanbungen sowie durch die Erkrankung und den Tod des Herrn Prof. Wulff notwendig wurden, übernahmen der Aushilfs-Oberlehrer Herr Dr. Preiser und der canqd. prob. Herr Dr. Dreyer, der im Jahre vorher Mitglied unseres Seminars gewesen war; auch einige der Herren Seminar- kandidaten wurden zu bedeutenderen Vertretungen herangezogen.


