Jahrgang 
1903
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25.

Im Monat September wurde von Herrn Turninspektor Weidenbusch ein Schlagball-Wettspiel sämtlicher höherer städtischer Schulen veranstaltet, bei dem unsere Anstalt in beiden Abteilungen die ersten Preise erhielt.

Bei dem allgemeinen Wettspiel der höheren städtischen Schulen am 17. September auf dem Altaracker fielen 18 Preise auf unsere Anstalt, darunter der Ehrenpreis für die Abteilung der Schüler über 17 Jahre und der erste Preis für die Abteilung der Schüler unter 17 Jahre. Bei dem Stafettenwettlauf erhielten unsere Schüler den ersten Preis.

6. Durchführung des Frankfurter Lehrplans.

Die Verhandlungen der in Kassel am 18. und 19. November 1901 abgehaltenen Besprechung über den Unterricht in den Reformanstalten(s. Progr. von 1902 S. 25) sind nunmehr erschienen.*) Es ist hier von mehreren Seiten der Wunsch ausgesprochen(S. 86 f.), daß unser lateinisches Unterrichtswerk vervollständigt werde durch Ubungsbücher zum Ubersetzen ins Deutsche, die sich unserem System anschließen. Wie ein solches Buch für die Untertertia bereits geschaffen ist(s. Progr. v. 1898 S. 28 u. o. S. 21), so haben sich Herr Professor Dr. Wulff und Herr Oberlehrer Dr. Bruhn vereinigt, um weitere derartige Übungsbücher auszuarbeiten. Ostern 1903 wird das nächste erscheinen, das für die Obertertia der Gymnasien bezw. die Obertertia und Untersekunda der Real- gymnasien bestimmt ist. Es steht weiter in Aussicht ein Übungsbuch für die Sekunda der Gymnasien bezw. die Prima der Realgymnasien und ein letztes für die Prima der Gymnasien. Die Bedeutung und die Art dieser Übungen ist in jenen Verhandlungen S. 82 ff. und S. 100 eingehender dargelegt.

Im Griechischen wird der Versuch gemacht werden, nach einem kurzen propädeutischen Vorkursus schneller als bisher an einen Originalschriftsteller heraffzukommen. Herr Oberlehrer Dr. Bruhn arbeitet ein Hilfsbuch für den griechischen Unterricht aus, das Ostern d. J. herausgegeben wird. Dieses Werk, das in Übersetzungsstoff und Wortkunde eingeteilt ist, gibt zunächst eine auf etwa ein Vierteljahr berechnete Ein- führung in die wichtigsten Erscheinungen der Deklination und Konjugation, sowie die unentbehrlichsten Vor- kenntnisse der Syntax. Sodann beginnt die Lektüre von Xenophons Anabasis, die durch die Wortkunde unterstützt wird. Der Xenophontext selbst wird in dem Buche nicht abgedruckt, aber aus jedem Kapitel wird eine Anzahl von griechischen-Sätzen gegeben zur induktiven Ableitung weiterer Regeln der Formenlehre und Syntax. Lektüre und Grammatik werden also getrennt und gehen nebeneinander her, doch so, daß jene schneller voranschreitet, diese folgt und die Nachlese hält. Man hofft, die Lektüre von Buch I und II der Anabasis mit dem Schluß der Untersekunda zu beenden. Die grammatischen Übungen, die sich daran anschließen und die sich in das erste Halbjahr der Obersekunda fortsetzen, werden die Formen- und Satzlehre in der Hauptsache zum Abschluß bringen. Weitere Teile des Buches dienen der grammatischen Vertiefung in Obersekunda und Unterprima.

Wir hoffen auf diese Weise den griechischen Unterricht noch mehr als bisher dem Alter und der Fassungskraft der Schüler entsprechend gestalten zu können. Von bedeutender Seite**) ist uns nahe gelegt worden, mit Homer statt mit Xenophon den Anfang zu machen. Dieser Gedanke hat gewiß viel Verlockendes; wir haben ihn in die ernsteste Erwägung gezogen, uns aber doch nicht zu einem solchen Schritt entschließen können. Was den Inhalt betrifft, so kann ja kein Widerspruch und keine Frage sein: wir wären glücklich, wenn wir unsere Schüler sofort in die homerische Welt einführen könnten. Aber als Schulmeister müssen wir für unsere jugendlichen Adepten den Punkt des geringsten Widerstandes ausfindig machen, wir müssen sehen, wie wir unsere Schüler am leichtesten und sichersten in den Besitz des Rüstzeuges setzen, mit dem sie in die Sprache eindringen können. Die homerische Sprache trägt die Spuren ihrer Geschichte: sie ist aus verschiedenen Elementen entstanden und enthält die Niederschläge der sprachlichen Entwicklung mehrerer Jahrhunderte, sie hat auch die Willkür der Dichter erfahren. So herrscht in ihr eine Mannigfaltigkeit der Formen, die den An- fänger verwirren und ihm die Erkenntnis des Charakteristischen, Gleichbleibenden, Festen verdunkeln kann, während der Fortgeschrittene, der an der konsequenten Formengebung der attischen Schriftsprache eine feste Stütze und einen sicheren Maßstab zur Beurteilung gewonnen hat, sich bald auch in jener Mannigfaltigkeit zurecht

*) Reformschulen nach Frankfurter und Altonaer System. Herausg. von Liermann. Berlin, Weidmannsche

Buchhandlung 1903. **r) Von Wilamowitz-MoellendorffDer Unterricht im Griechischen in dem WerkReform des höheren

Schulwesens in Preußen, herausg. von Lexis. S. 169.