Jahrgang 
1903
Einzelbild herunterladen

24

2. Das Königliche Pädagogische Seminedg.

Dem Pädagogischen Seminar gehörten im Berichtsjahre als Mitglieder an die Herren: Dr. Paul Dreyer, Dr. Alfred Kirchhoff, Dr. Victor Müller, Dr. Georg Pfeffer, Wilhelm Reime und Dr. Otto Rohte. Ein siebter Kandidat, Herr Dr. Hermann Bartmann, verließ im Laufe des Schuljahrs das Seminar um sich einem anderen Berufe zuzuwenden. Als Lehrer waren außer dem Direktor die Herren Oberlehrer Dr. Schwemer und Dr. Mann tätig; von den übrigen Mitgliedern des Kollegiums beteiligten sich an den Arbeiten des Seminars die Herren Professor Hauschild, Professor Dr. Wulff, Professor Dr. Wirth, Ober- lehrer Dr. Weismantel, Dr. Prigge, Dr. Pappritz, Dr. Hahn.

Herr Gebeimer Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Paehler unterzog am 10. Februar das Seminar einer eingehenden Revision.

3. Todesfälle.

Am 3. Juli starb Herr Professor Waldemar Gillhausen. Ü'ber sein Ausscheiden aus der Lehr- tätigkeit an unserer Anstalt ist im Programm von 1900 S. 21 f. berichtet worden. Das Lehrerkollegium und die Schüler der oberen Klassen gaben ihm das letzte Geleit. Wir wiederholen die Worte des Nachrufs, den wir dem unvergeßlichen Freunde widmen durften: Von Ostern 1876 bis Herbst 1899 hat Gillhausen am städtischen Gymnasium und dann, nach der Teilung der Anstalt, am Goethe-Gymnasium gewirkt. Er war ein Lehrer von einzigen Gaben. Die Kraft des Wollens, die in ihm selbst lebte, die feurige Begeisterung, die ihn erfüllte für alles Schöne und Erhabene, für alles groß und eigenartig Gedachte und Empfundene, übertrug er auf seine Schüler; sie spürten den Hauch seines Geistes und stählten ihre jugendlichen Kräfte im Zusammenwirken mit einem Manne, der unerschütterliche Charakterfestigkeit mit liebevollem Eingehen auf die Eigenart jedes seiner Schutzbefohlenen verband. Ein schweres, höchst schmerzhaftes Leiden trug er durch lange Jahre in Geduld und eiserner Pflichterfüllung, bis seine Kräfte zusammenbrachen. Seine hingebende Liebe zum Lehrerberufe wirkte auf alle Mitglieder des Kollegiums vorbildlich; unser Dank folgt ihm nach, wir werden sein Andenken in unver- brüchlicher Treue bewahren.

Am 10. April verlor die Anstalt einen lieben, trefflichen Schüler, Richard Rosenthal. Er war 8 Jahre unserer Obhut anvertraut und eben in die Oberprima eingetreten mit den schönsten Hoffnungen auf einen erfreulichen Abschluß seiner Gymnasialzeit, als ihn eine akute Krankheit aus der Fülle der Kraft und Gesundheit hinwegraffte. Seine Lehrer und Mitschüler geleiteten ihn zur letzten Ruhestätte. Mit den Eltern, die in ihm ihren einzigen Sohn betrauern, fühlen wir uns in herzlicher Teilnahme verbunden.

4. Revisionen und Prüfungen.

Am 28. November revidierte Herr Geheimer Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Paehler die Anstalt.

Die schriftliche Reifeprüfung des Ostertermins fand in den Tagen vom 16. bis 20. Februar statt; die mündliche Prüfung wurde am 26. und 27. März unter dem Vorsitz des Herrn Geheimen Regierungs- und Provin- zial-Schulrats Dr. Paehler und am 28. März unter dem Vorsitz des Direktors abgehalten. Als Vertreter des Kuratoriums wohnte Herr Ober-Konsistorialrat D. Dr. Ehlers der Prüfung bei. Von den 31 Schülern der Ober- prima trat einer vor der mündlichen Prüfung zurück; die übrigen 30 erhielten das Zeugnis der Reife; 10 wurden von der mündlichen Prüfung befreit. Nach der neuen Prüfungsordnung, über die im Programm des vorigen Jahres S. 21 berichtet und die in diesem Jahre zum ersten Male zur Anwendung gekommen ist, sind die Abiturienten in der Regel zur mündlichen Prüfung heranzuziehen; die Befreiung von diesem Teile der Prüfung gilt wieder als eine Auszeichnung.

5. Schulfeste.

Das Maifest wurde am 27. Mai durch Ausflüge der einzelnen Klassen begangen. Am 1. und 2. September unternahmen die Schüler der oberen Klassen unter Leitung des Direktors und der Herren Oberlehrer Dr. Bölte und Dr. Vilmar und des Herrn Thielmann eine zweitägige Turnfahrt in den östlichen Taunus und Wester- wald, Die Fußwanderung begann in Butzbach und endete am ersten Tag in Braunfels, am zweiten in Herborn; sie war vom schönsten Wetter begünstigt und führte fast unausgesetzt durch prächtige Waldungen. Die übrigen Klassen feierten den 2. September durch Klassenausflüge.