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Dr. Römer, Oberlehrer Dr. Wünnenberg, Oberlehrer Dr. Prigge und Thielmann eine Fußwanderung durch den Odenwald. Der Marsch ging von der Station Wiebelsbach der Odenwaldbahn über Zipfen und die Spreng nach Erbach und am zweiten Tage durch prächtige Waldungen über Bullau, Schloß Leiningen und Ernstthal nach der Bahnstation Kailbach. Die Schüler hatten an den Ruheorten für mancherlei erfreuliche Darbietungen eigener Erfindung gesorgt, und das Wetter begünstigte das Unternehmen. So verlief die Fahrt aufs beste und diente allen Teilnehmern zur Erfrischung und zur Befestigung freundschaftlichen Einvernehmens.— Die übrigen Klassen führten am 2. September Ausflüge in die nähere Umgebung aus.
Bei dem Preis-Wettturnen sämtlicher höherer städtischer Schulen am 11. September erhielten 16 Schüler unserer Anstalt Preise, darunter die drei ersten der älteren Abteilung, die auf die Schüler Werner Schimmel- pfeng Iz a, Wilhelm Ceelen Li und Karl Steitz Ii, fielen. Im Staffettenlauf kam unsere Schule an die zweite Stelle.
Am 27. September fand in unserem Schulhofe ein Wettturnen besonders an Geräten statt; der erste Preis fiel an die Schüler Wilhelm Goebel Lea und Eduard Lampe IIra, der zweite an Hugo Keßler IIz a.
Am 31. Oktober und 2. November veranstalteten die Schüler der oberen Klassen eine musikalisch- theatralische Aufführung in der Aula des Gymnasiums. Die Antigone des Sophokles kam nach der Über- setzung von Wilhelm Jordan ziemlich unverkürzt zur Darstellung. Wir hatten die große Freude und Genugthuung, den dreiundachtzigjährigen Dichter, der bereits vor vierzig Jahren unsere Litteratur mit der trefflichen Ubersetzung des Sophokles bereichert hat, bei der ersten Aufführung am 31. Oktober unter uns zu sehen; die darstellenden Schüler ließen es sich nicht nehmen, ihm ihre Huldigung darzubringen. Herr Professor Karl Hermann hatte die jugendlichen Schauspieler mit ebenso eindringendem Verständnis wie unermüdlichem Eifer einstudiert; ihm wie Herrn Dr. Vilmar, der ihn hierbei unterstützte, sprechen wir auch an dieser Stelle den herzlichsten Dank der Anstalt aus, desgleichen dem Herrn Kollegen Schmidtader die Chöre in der Tonsetzung von Mendelssohn mit dem Gymnasialchor eingeübt hatte und zu stimmungsvoller Wirkung brachte. Ein kleines Orchester, aus Schülern zusammengesotzt, spielte als Einleitung das Vorspiel zu Faust von Gounod und nach einem von einem Schüler verfaßten Prolog das Alegretto aus der siebten Symphonie von Beethoven. Herr Oberlehrer Dr. Winneberger hatte die Leitung dieses musikalischen Teiles in seine sichere Hand genommen, wofür wir ihm noch ganz besonders unseren Dank darbringen. Die ganze Aufführung hinterließ bei allen Hörern einen höchst erfreulichen Eindruck und legte Zeugnis davon ab, daß unsere Schüler mit Liebe und Begeisterung sich den Wirkungen hingeben, die von den großen Schöpfungen der Griechen ausgehen. Von den Darstellern dürfen wir wohl die hauptsächlichen nennen: Hans Laßbiegler L(Kreon), August Sänger Ir(Antigone), Wilhelm Prinz E(Ismene), Wilhelm Steitz Ie b (Tiresias), Ernst Bamberger Iza(Wächter), Karl Beiling Iza(Bote), Wilhelm Ceelen Ii(Haemon), Julius Lehmann Iz a(Eurydike), die beiden Chorführer Edgar Hayward—i und Ludwig Jaffé II.
Am Geburtstage Seiner Majestät des Kaisers und Königs, den 27. Januar, hielt Herr Oberlehrer Dr. Winneberger die Festrede über die Spuren des Deutschtums im Elsaß.
5. Die Durchführung des Frankfurter Lehrplans.
Über die Reifeprüfung des laufenden Schuljahres ist oben berichtet worden; ihr glücklicher Ausfall bestärkt die Beteiligten in der üiberzeugung, daß der Erfolg des vorigen Jahres nicht besonderer Kraftanstrengung und persönlichen Eigenschaften, sei es der Lehrer, sei es der Schüler, zu verdanken war, sondern daß die Organisation die Gewähr dauernden Gelingens in sich trägt.
Am 18. und 19. November traten die Leiter der Schulen nach dem Frankfurter und Altonaer Lehrplane in Cassel zu einer Besprechung technischer Fragen des Unterrichts zusammen. Seine Exzellenz der Herr Ober- präsident Staatsminister Graf von Zedlitz-Trützschler wohnte den Verhandlungen bei und ferner im Auftrage Seiner Exzellenz des Herrn Ministers die Herren Ministerialräte Geheimer Oberregierungsrat Gruhl und Geheimer Regierungsrat Dr. Matthias sowie der Direktor des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums in Cassel, Herr Ober- und Geheimer Regierungsrat D. Dr. Lahmeyer. Die Zahl der vertretenen Schulen betrug 30; an der Versammlung beteiligte sich außerdem eine erhebliche Zahl von hervorragenden Schulmännern und Verwaltungs- beamten, die sich über den Gang der neuen Schulbewegung unterrichten wollten. Die Absicht der Besprechung, einen Austausch der bisher an den Anstalten mit gemeinsamem Unterbau gemachten Erfahrungen herbeizuführen und sich über die weitere Ausgestaltung dieser Schulform zu verständigen, wurde vollständig erreicht. Die Verhandlungen, die von dem Geiste ernster Arbeit und freundschaftlichen Entgegenkommens getragen waren, werden im Druck erscheinen. Wie dies bei einer so neuen Einrichtung selbstverständlich ist, wurden manche Wünsche
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