28 einst von Comenius und neuerdings von Josupeit, Waldeck und anderen. Für die Durchführung des Frafkfurter Lehrplans ist unseres Erachtens die einheitliche Gestaltung des Unterrichts in den Sprachen, den fremden Sprachen wie der Muttersprache, und insbesondere die gleichmäßige methodische Durcharbeitung der Satzlehreeineunerläßliche Vorbedingung. Wo diese Aufgabe erfüllt wird, da werden die Schüler erst den rechten Gewinn aus dem Unterrichte schöpfen: ein wohlbegründetes Verständnis für die Ausdrucksformen der Gedanken und einen tieferen Einblick in das wunderbare Gebäude der Sprache, der sie befähigt, sowohl schärfer zu urteilen über sprachliche Erscheinungen, als auch selbst sich genauer und besser auszudrücken.
Eine besondere Frage ist die des Übersetzens aus dem Deutschen in die fremden Sprachen(Hin- Übersetzen). Wir stehen auf dem Standpunkte, daß wir diese Übung für durchaus notwendig halten. Zwar wäre es verkehrt, mit dem Übersetzen aus der Muttersprache den Sprachunterricht zu beginnen und bei jeder eben erlernten Form und Satzerscheinung sofort die rückläufige Anwendung zu verlangen. Ebenso verwerflich ist es, absonderliche Wendungen der deutschen Sprache in die Übungsstücke zu bringen und die Schüler gewissermaßen abzurichten, bestimmte, nicht einmal gute, sondern gesuchte Redensarten in entsprechende der fremden Sprache zu verwandeln. Nicht minder ist die Häufung von Schwierigkeiten und sogenannten Fallen zu vermeiden. Aber solche Ausartungen des Hin-ibersetzens, die nicht selten vorgekommen sind, haben mit Unrecht und höchst bedauerlicher Weise die ganze Übung in Mißkredit gebracht, so daß jetzt auch einige besonnene Schulmänner von ihr abraten oder sie gar verwerfen. Gewiß ist es das allein Richtige, die Schüler zunächst in die fremde Sprache einzuführen und sie mit ihr vertraut zu machen. An und in der fremden Sprache müssen die Formen und Satzbildungen erkannt, begriffen und geübt werden. Es folgt dann das Vergleichen mit der Muttersprache, das durch das Her-Öbersetzen bethätigt wird. Endlich aber müssen auch die charakteristischen Erscheinungen der fremden Sprache, die Formen wie die Satzbildungen, durch Hin-übersetzen zu vollem Bewußtsein gebracht werden. Wer diese Übersetzungsübungen verwirft, der verkennt die Bedeutung, die der Sprachunterricht für unsere höheren Schulen hat. Es handelt sich hierbei nicht nur darum, eine fremde Sprache mehr oder minder gut sprechen und lesen zu lernen, sondern zugleich auch um die sprachlich-logische Schulung, die den Wert einer Anleitung zu wissenschaftlichem Denken und Arbeiten hat.
Allerdings kann nicht ernst genug davor gewarnt werden, daß man diese lbungen nicht in Dressur ausarten läßt. Es muß überall das Ziel vor Augen stehen, daß die Hauptgesetze der Sprache zur Dar- stellung, und daß das Regelmäßige und Bedeutsame zur Anwendung kommt. Das Sprachmaterial, mit dem der Schüler zu arbeiten hat, muß dem Kreise entnommen sein, mit dem er in der fremden Sprache selbst vertraut geworden ist. Schließlich ist das innere Verständnis des Baues der Sprache mehr wert, als Routine im ibersetzen.
Für unser Unterrichtswerk ist nun sowohl im Französischen(Banners Übersetzungsstoff), als auch im Griechischen(in dem Herwig'schen Lesebuch) Stoff für Übersetzungen aus der Mutttersprache gegeben, der sich im Sprachmaterial und in der Anordnung an den Lesestoff anlehnt und an den systematischen Gang, der dort eingehalten ist. Im Lateinischen aber fehlte bisher ein entsprechendes Übungsbuch, und wir mußten uns mit einem fremden, nicht zu unserem Systeme passenden behelfen. Nunmehr hat Herr Professor Wulff ein Übungs- buch zum Übersetzen aus dem Deutschen ins Lateinische, zunächst für Untertertia und Obertertia, entworfen, das sich eng an das lateinische Lesebuch und an unsere Satzlehre anschließt. Es ist aus dem Unterrichte der letzten Jahre erwachsen, und die Erfahrungen aller Beteiligten sind dabei verwertet worden. Wir sind sicher, das es erheblich zur Förderung unseres lateinischen Unterrichtes beitragen wird. Das Buch wird zu Ostern erscheinen.
In diesen Tagen werden wir mit dem obersten Jahreskursus, der Untersekunda, die erste Abschluß- prüfung abhalten. Zwar können wir über das Ergebnis hier noch nicht berichten, da die mündliche Prüfung erst in den letzten Tagen des Winterhalbjahres vorgenommen wird. Doch halten wir uns für berechtigt, schon jetzt auf Grund der schriftlichen Prüfungsleistungen auszusprechen, daß das Ergebnis ein über Erwarten günstiges ist. Seine Exzellenz der Herr Minister hat ausdrücklich bestimmt(S. S. 22), daß die Anforderungen nach den für die Untersekunda des Frankfurter Systems planmäßigen Lehraufgaben zu bemessen sind. Da in den fremden Sprachen die Zielforderungen für die Untersekunda nicht dieselben sein können, wie für die Klassen nach dem allgemeinen Lehrplan, so wurden nach dem Vorschlage des Lehrerkollegiums besondere Bestimmungen formuliert die die Genehmigung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums erhalten haben. Dieselben lauten:


