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von den ersten Stücken, einen anziehenden und dem Standpunkte der Klasse entsprechenden Stoff. Zum größten Teil sind es Partien aus Herodot und aus Pausanias' Erzählung der messenischen Kriege, in passender Weise umgearbeitet. So schließen sich denn diese Lehrbücher nach Methode und Anlage in glücklichster Weise an die früher von den Schülern durchgearbeiteten französischen und lateinischen Lehrbücher an; wir empfinden es als einen großen Vorteil, daß so in sämtlichen Sprachen derselbe Lehrgang befolgt wird.
Im Lateinischen entsprach die Lektüre im wesentlichen dem, was in einer Untersekunda nach dem allgemeinen Lehrplan geleistet wird. Es wurden drei Reden Ciceros, das ganze bellum Iugurthinum(114 Kap.), etwa 600 Verse aus Ovid und außerdem etwa die Hälfte des 7. Buches von Cäsars bellum Gallicum gelesen. Im unvorbereiteten Übersetzen wurden die Schüler viel geübt. Mündliches freies Nacherzählen und Besprechung des Gelesenen in lateinischer Sprache wurde nicht vernachlässigt. Auch im Übersetzen aus dem Deutschen ins La- teinische glauben wir allmählich die Leistungen der Untersekunda nach dem allgemeinen Lehrplan erreicht zu haben. Die Satzlehre wurde zum Abschluß gebracht. Ganz besonderes Gewicht wurde auf das innere Ver- ständnis des Aufbaues der Satzlehre gelegt und auf die Vergleichung der Ausdrucksformen des Lateinischen mit dem Deutschen, dem Französischen und zum Teil auch schon mit dem Griechischen.
Im Französischen, das von Untertertia ab mit wöchentlich nur 2 Stunden betrieben wird, ist nichts desto weniger ein steter Fortschritt zu bemerken, denn der intensive Unterricht in den übrigen Sprachen kommt doch auch dieser Sprache mittelbar zu gute. In den Stunden wird fast nur Französisch gesprochen; die Schüler haben die in den unteren Klassen erworbene Gewandtheit des mündlichen Ausdruckes nicht verloren. Auch das unvorbereitete Lesen eines Schriftstellers macht kaum irgend welche Schwierigkeiten. Wenn auch die schriftlichen Arbeiten naturgemäß nicht frei sind von Fehlern, vornehmlich orthographischer Art, so zeigen doch die Schüler im allgemeinen auch auf diesem Gebiete eine recht befriedigende Sicherheit und Gewandtheit in der Form des Ausdruckes.
An dieser Stelle glauben wir betonen zu müssen, daß erfreuliche Ergebnisse im fremdsprachigen Unterricht sich nur dann erreichen und festhalten lassen, wenn er nach einheitlicher Methode geordnet ist. Hierzu ist einmal notwendig, daß die Lehrbücher der verschiedenen Sprachen denselben Lehrgang befolgen. Es ist nicht angängig, daß man etwa das lateinische Lehrbuch ganz unabhängig von dem französischen oder griechischen wählt. Bei solch eklektischem Verfahren entsteht ein unnötiger und schädlicher Kräfteverbrauch. Vor allem aber muß die Satzlehre für alle Sprachen, die erlernt werden, in ihren Grundzügen dieselbe sein. Die Erkenntnis wird sich wohl bald allgemein Bahn brechen, daß die deutsche Satzlehre die Grundlage für die Satzlehren der fremden Sprachen werden muß. Für den Aufbau der Syntax muß ein möglichst einfaches, leicht begreifliches, logisch durchsichtiges und einwandfreies System gewählt werden. Nach den Grundsätzen, die in dem Programm von 1894 dargelegt worden sind, sind bis jetzt für das Französische und für das Lateinische solche übereinstimmenden Satzlehren ausgearbeitet worden; die griechische ist fast zum Drucke fertig und wird demnächst erscheinen. Was uns aber besonders not thut, ist ein Lehrbuch, in dem die deutsche Satz- lehre systematisch so dargestellt wird, wie die Fremdsprachen sie voraussetzen. Wir sind diesem Ziele nunmehr nahe gekommen, und wir hoffen, daß das Buch im Laufe des kommenden Schuljahres von unserem Mitarbeiter Herrn Dr. Prigge fertig gestellt und veröffentlicht wird. Es wird eine methodische Darstellung der Satzlehre enthalten; derselben werden übungsstücke für Sexta, Quinta und Quarta, vielleicht auch für weitere Klassen, voran- gehen, die allmählich, unter Verweisung auf die Paragraphen der Satzlehre, in das System einführen. So wird diese Arbeit, die bisher von den Lehrern der unteren Klassen in freier Weise und mit gröberer Schwierigkeit, geschieht, bedeutend erleichtert und einheitlicher gestaltet werden(S. Ubersicht über die Lehraufgaben, S. 18, 17 und 16). Die systematische deutsche Satzlehre selbst aber wird die Schüler bis in die oberen Klassen begleiten. Wenn dies Werk vollendet ist, kann aus den fremdsprachigen Satzlehren alles verschwinden, was allgemeine grammatische Belehrung ist.
Wir können zugestehen, daß die Ausarbeitungen, die bisher vorliegen, die französische und lateinische Satzlehre, verbesserungsfähig sind; den Grundgedanken aber, von dem wir ausgehen, wird niemand mißbilligen, der Einsicht hat in das Werk der Lehre und Erziehung. Ja wir möchten unsere Amtsgenossen an anderen Anstalten auffordern, mit uns in Wettbewerb zu treten und andere derartige einheitliche Unterrichtswerke für den gesamten Sprachunterricht zu schaffen. Man möge aber aufhören, lateinische, griechische, französische, englische Unter- richtsbücher und Grammatiken unabhängig von einander zu verfassen, als ob die eine Sprache die andere nichts anginge. Wer die eine Seite des Hauses baut, muß sich mit den Werkmeistern verabreden und verbünden, die die anderen bauen sollen, damit es ein einheitliches Gebäude werde. Diese Forderung ist bereits mehrfah erhoben worden,
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