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Am 17. und 18. August besuchte Herr Ministerial-Direktor Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat Dr. Althoff den Unterricht in einer Reihe von Klassen und zog eingehende Erkundigungen nach den bisherigen Ergebnissen des Frankfurter Lehrplanes ein. Ihn begleiteten die Herren Geheimrat Dr. Albrecht aus Straßburg, Geheimrat Gymnasial-Direktor Dr. Uhlig aus Heidelberg und Geheimrat Professor Dr. Lexis aus Göttingen.
Von anderen Schulmännern, die unsere Schule besuchten, heben wir hervor: Herrn Direktor Dr. Bartels aus Schöneberg bei Berlin, Herrn Direktor Prof. Lambeck aus Barmen, Herrn Direktor Dr. Treutlein aus Karlsruhe, Herrn Oberlehrer Dr. Bartels aus Hannover(Leibniz-Schule), Herrn Oberlehrer Dr. Schürmann aus Lippstadt. Diese Herren sind sämtlich an Anstalten thätig, an denen der sogenannte Frankfurter Lehrplan eingeführt ist.
Am 3. und 4. November unterzog Herr Geheime Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer die Klassen IIz a, IIe b und IIE einer eingehenden Revision, nachdem er am 29. Oktober in jeder der genannten Klassen eine lateinische Klausurarbeit hatte schreiben lassen.
Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich, Ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Margarethe und Seine Hoheit Prinz Friedrich Karl von Hessen besichtigten am 27. November die Räumlichkeiten der Anstalt unter Führung des Direktors und des Herrn Prof. Gillhausen.
Die schriftliche Reifeprüfung des Michaelis-Termins fand in den Tagen vom 9. bis 14. August 1897, die mündliche Prüfung am 9. September unter dem Vorsitze des Direktors statt. Als Vertreter des Kuratoriums wohnte Herr Stadtrat Grimm der Prüfung bei. Von den 30 Schülern, die sich gemeldet hatten, wurden 16 von der mündlichen Prüfung befreit, 27 bestanden die Prüfung, dreien konnte die Reife nicht zugesprochen werden. Die letzteren haben die schriftliche Prüfung in den Tagen vom 14. bis 18. Februar, die mündliche am 21. Mär⸗z nunmehr mit Erfolg abgelegt.
Die schriftliche Abschlußprüfung des Michaelis-Termins fand in den Tagen vom 8. bis 14. September 1897 statt, die mündliche am 22. September; von den 24 Schülern. die zugelassen waren, wurde 22 Schülern die Reife der Versetzung nach Obersekunda zuerkannt.—
Die schriftliche Abschlußprüfung des Ostertermins(Untersekunda a u. b nach dem Frankfurter Lehrplan) fand in den Tagen vom 18. Februar bis 3. März statt. Tiber das Ergebnis kann erst im nächsten Programm berichtet werden(S. S. 28).
3. Schulfeste, Ausflüge, Vorträge.
Noch vor dem Schlusse des vorigen Schuljahres, am 7. und 8. April 1897, wurde in unserer Aula von den Schülern der Quarta unter Leitung ihres Klassenlehrers, Herrn Oberlehrer Dr. Schwemer, Molières Bourgeois gentilhomme in verkürzter Form, nach der Redaktion in Banners Lesebuch, III. Teil, in französischer Sprache aufgeführt. Wenn es sich hierbei auch zunächst um eine Übung der Schüler handelte, so bot die Aufführung doch auch den Zuschauern, den Schülern der Anstalt(am 7. April) und den Eltern und Freunden der Schule(am 8. April) eine nicht geringe Ergötzung. Der tiefere Sinn des Werkes mag ja für Quartaner noch nicht klar liegen; aber es ist die Gnadengabe des Genies, zugleich dem gereiften Alter und der naiven Jugend das Angemessene zu bieten, beiden gleich fasslich und verständlich zu sein. Die jugendlichen Schauspieler erledigten sich ihrer Aufgabe zu allgemeiner Zufriedenheit.
Am 24. Mai wurde das Maifest durch Ausflüge der einzelnen Klassen mit ihren Klassenlehrern gefeiert.
Am 27. und 28. August unternahmen 65 Schüler der Prima und Sekunda, die an den Turnspielen oder den Ruderübungen regelmäßig teilgenommen hatten, eine zweitägige Turnfahrt in den Odenwald. Die Leitung hatten der Direktor und die Herren Oberl. Dr. Schwemer, Oberl. Zint, Schmidt und Thielmann übernommen. Der Marsch ging am ersten Tage von Reinheim über die Burg Rodenstein und Reichelsheim nach Erbach, am zweiten von dort über Schloß Eulbach nach Amorbach, von wo am Abend die Rückfahrt nach Frankfurt mit der Bahn erfolgte. Wenn auch das Wetter am Morgen des ersten Tages sich trübselig genug anließ, so wichen die Regenwolken doch gegen Mittag dem freundlichsten Sonnenschein, der uns dann an beiden Tagen treu blieb. Die Wanderung durch die herrlichen Wälder brachte reiche Erfrischung und Erquickung; sie wird allen Beteiligten in guter Erinnerung bleiben. Kein Unfall und kein übermut trübte die erfreuliche Stimmung; wir müssen ins- besondere die gastliche Aufnahme in dem freundlichen Erbach dankbar rühmen.
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