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und Naturwissenschaften. Vor der Königlichen Prüfungskommission der letztgenannten Universität bestand er im Janaar 1890 die Staatsprüfung. Zur Ableistung des Seminarjahres wurde er dem Königlichen Gymnasium zu Wiesbaden überwiesen. Im März 1891 erwarb er sich auf Grund seiner Dissertation„Die Erdbeben Kleinasiens in geschichtlicher Zeit“ die philosophische Doktorwürde. Im Schuljahre 1891/92 absolvierte er sein Probejahr am hiesigen städt. Gymnasium. Bis zu seiner definitiven Anstellung am Goethe-Gymnasium, die Ostern 1897 erfolgte, war er als wissenschaftlicher Hilfslehrer erst an der gemeinsamen Anstalt, dann am Goethe-Gymnasium thätig.“
Herr Dr. Ludwig Ziehen vollendete Michaelis 1897 sein Probejahr und ist seitdem als Hilfslehrer an unserer Anstalt beschäftigt. Zur selben Zeit trat Herr Oskar Bosing sein Probejahr an.
Eine einschneidende Anderung in unserem Lehrerkollegium wird mit dem Ablaufe des Schuljahres ein- treten: Der bisherige Oberlehrer am Goethe-Gymnasium, Herr Dr. Julius Ziehen, ist vom 1. April ab zum Direktor des Realgymnasiums Wöhlerschule ernannt(S. S. 23). So herzlich wir uns freuen, daß er in eine Stellung übergeht, in der sich ihm Gelegenheit bietet, die reichen Kräfte seines Geistes voll zu entfalten und seine Liebe zum Erzieher-Beruf und seine Neigung zur Jugend noch in höherem Maße als bisher zu bethätigen, so können wir ihn doch nur mit Wehmut scheiden sehen. Zwar das Band herzlicher Freundschaft, das alle Mit- glieder des Lehrerkollegiums, und nicht minder seine Schüler, mit ihm verbindet, wvird nicht zerrissen werden. Aber wir, seine Kollegen, werden die Anregung schmerzlich vermissen, die wir im täglichen Verkehr mit ihm fanden, und die auf die Gestaltung der Lehrmethode an unserer Anstalt einen so wesentlichen Einfluß ausgeübt hat, und seine bisherigen Schüler werden es erst lernen müssen, den Lehrer zu entbehren, an dem ihr Herz hing. Mögen alle die guten Wünsche in Erfüllung gehen, mit denen wir ihm das Geleit geben, und möge er in der neuen Stellung so viel treue Freundschaft und herzliche Neigung finden, als er in der alten zurückläßt!
An Stelle des Herrn Direktor Dr. Ziehen ist der bisherige Oberlehrer än der Adlerflychtschule, Herr Dr. Oskar Winneberger, an unsere Anstalt berufen worden(S. S. 23). Der treffliche Ruf, der unserem neuen Kollegen voraufgeht, verbürgt uns, daß er zum Segen unserer Schüler im Sinn und Geist der guten Traditionen unserer Anstalt mit uns wirken wird. über seine Lebensverhältnisse berichtet er Folgendes:
„Dr. Oskar Winneberger, am 20. Januar 1857 zu Marburg in Hessen geboren, ev. Konfession, absol- vierte nach vierjährigem Besuch Ostern 1875 das Gymnasium seiner Vaterstadt und widmete sich darauf ebendaselbst, in Straßburg und in Berlin dem Studium der neueren Sprachen. Nachdem er im Dezember 1880 das Examen pro facultate docendi bestanden hatte, ging er im folgenden Frühjahr zur weiteren Ausbildung ins Ausland und war als Erzieher ein Jahr in Paris und zwei Jahre in London thätig. Seit Ostern 1884 als wissenschaftlicher Hilfslehrer an der hiesigen Adlerflychtschule beschäftigt, leistete er hier zugleich sein pädagogisches Probejahr ab und erhielt Ostern 1887 seine definitive Anstellung. Auf Grund des in der Nationalbibliothek zu Paris, im Britischen Museum und im College of Arms zu London, sowie endlich in Cambridge gesammelten Handschriftenmaterials promovierte er bei der Philosophischen Fakultät zu Marburg und bestand im Juni 1888 sein Examen rigorosum.“
über die Besetzung einer weiteren ordentlichen Lehrerstelle, die infolge der Teilung der Untertertia (S. S. 23) neu geschaffen worden ist, kann erst im nächsten Programm berichtet werden, da die Verhandlungen noch nicht zum Abschluß gekommen sind.
Wir müssen an dieser Stelle noch die schmerzliche Pflicht erfüllen, über das Abscheiden unseres Professor emeritus Dr. Karl Israel-Holtzwart zu berichten. Die tückische Krankheit, die ihn zwang, Michaelis 1896 sein Amt niederzulegen(S. Progr. 1897 S. 39 u. 40), hat nach etwas mehr denn Jahresfrist seinem Leben das Ziel gesetzt. Er starb 18. November 1897, von seinen zahlreichen Freunden und früheren Schülern aufrichtig betrauert, Das Lehrerkollegium und ein größerer Teil der Schüler gab ihm im Verein mit dem Lessing-Gymnasium und der Musterschule das letzte Geleit. Der Chor unserer Anstalt, unter Leitung seines Dirigenten Herrn Schmidt sang am Grabe zum Beginn und zum Schluß der erhebenden Trauerfeier.
2. Besichtigungen und Prüfungen.
Am 20. Mai 1897 beehrten Seine Exzellenz der Herr Minister Dr. Bosse und Seine Exzellenz der Herr Oberpräsident Magdeburg die Anstalt mit ihrem Besuche. begleitet von dem Herrn Geheimen Oberregierungsrat und vortragenden Rate im Ministerium Dr. Köpke, dem Herrn Geheimen Regierungs- und Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer, sowie von dem Herrn Oberbürgermeister und den Vertretern der städtischen Schulbehörde. Die Herren wohnten dem Unterrichte in mehreren Klassen bei, besonders in den nach dem Frankfurter Lehrplane ein- gerichteten, und besichtigten die Einrichtungen und Räumlichkeiten des Schulhauses.


