Jahrgang 
1894
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47 vorbereiten müssen. Wir waren dadurch gezwungen, der Lösung einer Aufgabe näher zu treten, deren Erfüllung ja theoretisch schon lange gefordert wird, die aber praktisch noch kaum in Angriff genommen ist. Diese Aufgabe können wir am besten mit den Worten des Comenius bezeichnen(im 22. Kapitel der groſsen Unterrichtslehre):Die bereits gelernte Sprache mufs die Richtschnur bilden für die Festsetzung der Regeln einer neuen Sprache.

Ein Blick in die gebräuchlichen Schulgrammatiken des Lateinischen, Französischen und Deutschen zeigt, daſs die Satzlehren dieser Sprachen auf völlig verschiedenen Grund- lagen aufgebaut sind und in Anordnung und Erklärung der sprachlichen Thatsachen meist getrennte Wege gehen. Die lateinische Syntax folgt bis auf wenige Ausnahmen der ehr- würdigen Ordnung, die im wesentlichen sich seit dem griechischen Grammatiker Dionysius Thrax durch die lateinischen Grammatiker und das Mittelalter bis auf die Neuzeit vererbt hat. Sie behandeln zuerst die Kasus des Nomens und die Präpositionen, dann die Tempora und Modi des Verbums, den Infinitiv und das Partizipium, endlich die Konjunktionen. Es ist hier immer noch die alte Lehre von den sogenannten Redeteilen, die richtiger Wortarten heiſsen, wovon ausgegangen wird.

Daneben aber hat sich im Laufe der Zeit eine neue Satzlehre gebildet, die mit der ebengenannten Anordnung sich vielfach kreuzt. Sie handelt von Prädikat, Subjekt, Objekt, adverbialen Bestimmungen und Attributen; sie geht vom einfachen Satze aus, um dann den zusammengesetzten Satz darzustellen. Die deutsche Satzlehre hat sich zumeist diesem Gange angeschlossen.

Die französische Syntax folgt in der Regel dem System der altsprachigen Gram- matiken.

Will man nun den Versuch machen, zu dem wir uns durch den eigentümlichen Gang unseres Unterrichts mehr als andere Schulen veranlaſst sehen, die Satzlehren jener vier Sprachen, des Deutschen, Französischen, Lateinischen und Griechischen, auf gemein- samer Grundlage aufzubauen, so muſs man die gleiche Anordnung und den gleichen Gang überall einhalten. Dann allein kann das Ubereinstimmende und Abweichende in den ver- schiedenen Sprachen deutlich hervortreten; der Schüler kann diese Dinge leichter übersehen, und gelingt dieser Versuch, so wird wohl manche Mühe und Arbeit erspart werden.

So unternahm es denn der Unterzeichnete vor etwa Jahresfrist, einen Entwurf einer lateinischen Grammatik auf dieser neuen Grundlage auszuarbeiten. Die Anordnung gliedert sich folgendermaſsen:

1. Die Teile des einfachen Satzes.

Das Verbum finitum(worin sich Prädikat und Subjekt zusammenschlieſsen).

Die Ergänzungen des Subjekts und Prädikats.

Die übrigen Satzbestimmungen: Objekte, Adverbialia und Attribute(durch Kasus,

Präpositionen mit Kasus, Infinitive, Gerundien, Partizipien).

2. Die Arten des einfachen Satzes.

Die Behauptungssätze(reale, potentiale und irreale).

Die Fragesätze.

Die Begehrungssätze.