34 von denen auch für den Organismus der Schule eine schädigende Einwirkung zu fürchten war. Schon im letzten Schuljahr machte die Raumfrage Schwierigkeiten; im nächsten Semester wäre es durchaus unmöglich gewesen, die Schüler in den vorhandenen Zimmern unterzubringen, wenn das Staatsgymnasium nicht die Abhülfe brächte. Die Eröffnung desselben würde uns aber wenig genutzt haben, wenn nicht sogleich eine größere Anzahl von Klassen dort eingerichtet worden wäre. Wir müssen es mit Dank anerkennen, daß die Königliche Staatsregiernng sich zu diesem Schritt bereit finden ließ.. Sie forderte selbstverständlich als Gegenleistung, daß eine mäßige Frequenz der errichteten Klassen ihr gewährleistet werde, und daß die städtischen Behörden sich verpflichteten, wenn durch den freiwilligen Übertritt die Zahl nicht erreicht werde, ÜUber- weisungen auch ohne die Willenserklärung der Eltern vorzunehmen. Wir wissen und haben es persönlich empfinden müssen, daßz dieser durch die Notwendigkeit unweigerlich geforderte Vertrag sehr verschiedene Beurteilungen gefunden hat. Auch gehen wir wohl nicht fehl, wenn wir es als einen Beweis des Vertrauens zu unserer Anstalt auffassen, daß viele Eltern und Schüler sich nur mit Widerstreben von der alten Schule haben trennen können. Uns selbst ist es schmerzlich genug, so viele Schüler, die zum Teil zu den besten ihrer Klasse gehören, und die alle durch ihre geistige Entwicklung eng mit unserer Anstalt verbunden sind, abgeben zu müssen. Aber da die Trennung notwendig ist, so müssen diese Rücksichten schweigen. Und wir denken, daß die Hände, denen wir unsere bisherigen Schüler übergeben, keine fremden sind, sondern daß ein Band der Freundschaft von Anfang an hinüber und herüber zwischen den beiden Schwesteranstalten bestehen und sich immer fester knüpfen wird. So werden wir auch künftighin das Fortschreiten unserer früheren Schüler mit Interesse verfolgen; wir hoffen, daß sie durch ihre Haltung, ihren Eifer und ihre Leistungen der alten Anstalt Ehre machen.
Im ganzen werden etwa 100 unserer jetzigen Schüler in das Staatsgymnasium übergehen. Die UÜberweisungen ohne Wiüllenserklärungen der Eltern beschränken sich auf die Quinta und Sexta, und sie betragen nicht mehr als 20. Sie würden freilich viel zahlreicher sein, wenn, wie ursprünglich beabsichtigt wurde, das Staatsgymnasium sofort eine getrennte Ober- und Unter- tertia und eine getrennte Ober- und Untersecunda errichtet hätte. Auch wäre nur in diesem Falle die Entlastung unseres Gymnasiums eine so durchgreifende gewesen, daß man wenigstens an eine zeitweise Reduktion unserer 18 Klassen hätte denken können. Indessen bei dem Wider- stand, den eine solche eingreifende Maßregel im Publikum fand, beschrünkte die städtische Schulbehörde die Üperweisungen auf das notwendigste. Das Staatsgymnasium wird deshalb fürs erste nur eine Gesamtsecunda und eine Gesamttertia haben. Bei uns aber werden die Klassen- bestände voraussichtlich nirgends unter die Normalzahlen gehen, vielmehr auch künftighin sich in mehreren Fällen den Maximalzahlen nähern und dieselben vielleicht überschreiten.
Welches Bedürfnis ein neues Gymnasium für Frankfurt war, hat sich bei den Neuan- meldungen in überraschender Weise gezeigt. In einer Denkschrift, welche der Unterzeichnete im Laufe des Sommers für die städtische Schulbehörde ausarbeitete, berechnete er die voraus- sichtlichen Gesamtanmeldungen für die peiden Sexten der Gymnasien zum Ostertermin nach den bisher vorliegenden Erfahrungen auf 60. Eine höhere Zahl glaubte er als außer dem Bereiche der Wahrscheinlichkeit liegend bezeichnen zu müssen. Diese Schätzung ist weit hinter der Wirk- lichkeit zurückgeblieben. Augenblicklich betragen die Neuanmeldungen für die Sexta des städtischen Gymnasiums 49, für die des Staatsgymnasiums 44, zusammen 93. Bisher über- schritten die Anmeldungen für die Ostersexta selten die Zahl 50: sie hielten sich offenbar nur


