Jahrgang 
1888
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26. deshalb in diesen Grenzen. weil unsere Anstalt keine größere Schülerzahl aufnehmen konnte. Das weitergehende Bedürfnis zeigt sich, sobald die Möglichkeit geboten ist, dasselbe zu befriedigen. Auch darf man wohl dies plötzliche Anwachsen der Gymnasialschüler nicht ungesund nennen. Es ist vielmehr erstaunlich, daß eine Stadt von der Größe Frankfurts mit einer so volkreichen nächsten Umgebung solange mit einem einzigen Gymnasium hat auskommen können, während Städte von ähnlicher Größe, wie Köln und Königsberg, vier Schulen dieser Gattung besitzen. Um die Erscheinung zu erklären, muß man bedenken, daß manche Eltern sowohl hier in der Stadt, wie besonders in der Umgebung ihre Söhne auf auswärtige Gymnasien geschickt haben. Auch ist die günstige und kräftige Entwicklung des hiesigen Realschulwesens gebührend hervorzuheben und nicht am wenigsten die hier herrschende gesunde Sitte, daß dem Gymnasium nur solche Schüler zugeführt werden, die bestimmt sind, die Schule bis zur Entlassungsprüfung durchzumachen; weshalb auch der Procentsatz der mit dem Zeugnis zum einjährigen Militär- dienst Abgehenden äußerst gering bei uns ist und sich auf das in den natürlichen Verhältnissen liegende Maß beschränkt. Wir wünschen und hoffen, daß diese Gewohnheit auch künftig bestehen bleibe; denn eine Gymnasialbildung, die mit Untersecunda ihren Abschluß findet, kann nicht als eine zweckentsprechende Vorbereitung für einen praktischen Beruf angesehen werden.

Aber auch unter dieser Voraussetzung läßt sich schon jetzt mit Sicherheit erkennen, daß unser Gymnasium in seinem dermaligen Umfang von 18 Klassen bestehen bleiben muß. Ja. wenn wir auf die wachsende Bevölkerung der Stadt und auf die centrale örtliche Lage unserer Schule blicken, so kommt uns die Furcht, daß wir trotz der Doppelcöten bald wieder mit Überfüllung werden zu kämpfen haben.

Da also nunmehr der Gedanke, daß ein Teil unserer Klassen eingehen könnte, ausge- schlossen erscheint, so geben wir uns der Hoffnung hin, daß die städtischen Behörden, deren stete Fürsorge für das Gedeihen unserer Schule wir dankbar empfinden, auch die Mittel be- willigen werden, um die jetzigen provisorischen Zustände in endgültige zu verwandeln und unserer Anstalt die Stetigkeit der Entwickelung zu sichern, ohne die sie nicht auf der Höhe

ihrer Aufgabe bleiben kann.

5. Ausserordeniliche Ereignisse.

Während des Druckes dieses Programmns, am Freitag, den 9. März, vormittags ¼½ 10 Uhr, durcheilte unsere Stadt die Trauerkunde, welche unser Vaterland erschütterte, die Nachricht von dem Ableben unseres vielgeliebten Kaisers Wilhelm. Der Unterricht wurde im Gymnasium alsbald abgebrochen und eine Trauerfeierlichkeit im großen Saale des Saalbaus veranstaltet. Wir denken, daß dieser Tag sich dem Gedächtnis unserer Schüler unauslöschlich einprägen wird. Möge die hehre Gestalt dieses großen Königs und Kaisers stets vor ihren Augen schweben als das Bild der männlichen und deutschen Tugenden, denen sie nachzueifern sich bemühen sollen: der Treue bis zum kleinsten in eiserner Pflichterfüllung, der schlichten Demut bei gewaltigsten Erfolgen, der Geradheit und unentwegten Entschlossenheit, der ruhigen Verachtung aller Gefahren, die dieser wahrhaftige Volksheld im Kriege wie im Frieden bewiesen. Und wenn dermaleinst an das heranwachsende Geschlecht die Pflicht herantreten sollte, das Werk Kaiser Wilhelms zu verteidigen, so möge sich zeigen, daß wir nicht auf den Lorbeeren des großen Kaisers geruht, sondern seinen Geist, den Geist der Arbeit und des Fortschreitens in uns aufgenommen haben.