Jahrgang 
1886
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denen Schulen) ins Gymnasium übergetreten, nur einer aus Privatunterricht. Ein Drittel dieser 153 Schüler(51, fast die ganze Oster-Sexta) hatte damals erst reichlich 14 Tage das Gymnasium besucht, die übrigen 1½³, 1, 1 ½, höchstens(die wenigen Rückversetzten ausgenommen) 2 ½ Jahre, so daß sie jedenfalls längere Zeit(mindestens drei Jahre) in der Vorschule der fremden Lehranstalt zugebracht hatten und weder ihre Kurzsichtigkeit der Überbürdung durch das Gym- nasium als Schuld noch ihre Nicht-Kurzsichtigkeit den Lichtverhältnissen desselben als Verdienst zugeschrieben werden kann. Ebenso sind in den Mittel- und Oberklassen viele Schüler, die aus fremden Lehranstalten oder aus einem Jahre lang dauernden, die Augen vielleicht übermäßig anstrengenden Privatunterricht zu uns übergegangen sind, so dabs sich auch hier, wenn man nicht zwischen den einzelnen genau unterscheidet, aus einer gleichmäßigen Berechnung aller wenig oder nichts zu Gunsten oder Ungunsten des Gymnasiums schließen läßt. Durch die Unter- suchung des Herrn Prof. Schmidt-Rimpler konnte also wohl und das ist mit großer Umsicht geschehen der Umfang und der Höhengrad der augenblicklich im Gymnasium vorhandenen Schüler-Kurasichtigkeit konstatiert werden, aber sie ist noch weit davon entfernt, die Ursachen derselben zu ermitteln. Dazu müßfte eine Menge anderer Faktoren herbeigezogen werden, die zu berechnen schwer, ja, wie ich glaube, fast unmöglich ist. Gewißz kann jene Untersuchung als eine gute Grundlage für ihre späteren Wiederholungen dienen; sie wird aber dann erst recht verwickelt. Denn da bei uns jährlich über 100 Schüler abgehen und ebensoviele oder mehr neu- hinzutreten, so würde z. B. nach 3 Jahren die Hälfte des 1885 geprüften Schüler-Bestandes verschwunden sein und einer anderen von aufßen hinzugekommenen nicht-untersuchten Hälfte platz gemacht haben. Auch die gebliebene Hälfte wird, inzwischen von Klasse zu Klasse auf- steigend, unter verschiedenen Lichtverhältnissen in der Schule gearbeitet haben. Es wird gar vieles berücksichtigt werden müssen, wenn zuverlässige Resultate gewonnen werden sollen.

So viel zur Abwehr kurzsichtiger Angriffe, welche unsre Schule bei dieser Gelegenheit hat erfahren müssen. Man hat die statistischen Resultate des Herrn Prof. S. R.(unter Weg- lassung seiner Ergebnisse über die Erblichkeit) dazu ausgebeutet, zu beweisen, daß das Gym- nasium jetzt noch mehr als früher*) seine Zöglinge mit Haus-Aufgaben überbürde. Ich kann ver- sichern, daß auf das Maß der von der Schule aufgegebenen häuslichen Arbeit stets aufs Genauste geachtet ist, auch lange vor der sehr dankenswerthen Ministerial-Verfügung vom 10. Nov. 1884. In jedem Semester wird das Arbeitsmaß für jede Klasse und für jedes Fach in eigens dazn angesetzten Conferenzen(zuletzt 3. 4. 5. Dez. 1885) eingehend besprochen und wo sich eine Überschreitung oder eine Ungleichheit zwischen den Wochentagen zeigt, dieselbe beseitigt. Mehr können wir nicht dafür thun. Manchem zürtlichen Vater möchte es wohl erwünscht sein, wenn der liebe Sohn etwas weniger zu thun hätte. Aber zu Hesiods Zeit war nicht die Arbeit, sondern die Scheu vor der Arbeit eine Schande und hatten die Götter vor der Mannestüchtigkeit den Schweiß gesetzt. So wird es auch wohl heute noch bleiben müssen, wenn die deutsche Bildung

*) Die Vergleichung zwischen der Augenuntersuchung des Jahres 1871, die einen etwas geringeren Bruch- theil von Kurzsichtigen ergab(siehe Osterprogramm 1872, Seite 102 f.), ist nicht zutreffend, da damals weder die Erblichkeit berücksichtigt wurde, noch die sehr geringen Grade von Myopie mitgerechnet sind. Diese abgezogen, ergiebt sich vielmehr ein Fortschritt zum Besseren, den wir vermutlich den viel günstigeren hygienischen Verhältnissen des jetzigen Lokals verdanken. Wenn man mit statistischen Angaben nicht sehr genau und sehr gewissenhaft umgeht, kann man Alles damit beweisen was man will. Die Statistik ist nicht die Wissenschaft, sondern nur eine ihrer niedrigsten Dienerinnen, die, wenn sie nicht zu den größten Irrtümern verleiten soll, beständig unter Controle zu halten ist, da sie sich zu Allem brauchen läßt.