Jahrgang 
1886
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haben, da sie während der Schulzeit vorgenommen werden mußten, dem Gymnasium einen Ver- lust von ungefähr 40 Lektionen bereitet und außerdem den diese Untersuchung vorbereitenden und unterstützenden Lehrern(Oberlehrer Prof. Dr. Noll, Oberlehrer Dr. Schütz, Dr. Bopp. Dr. Schindler) sehr viele Zeit gekostet. Wie gern würde man das eine wie das andere her- gegeben haben und ferner hergeben, wenn ein praktischer Nutzen, eine Verminderung der Schüler-Kurzsichtigkeit dabei heraus käme. Aber, wenn es einem Laien erlaubt ist in eine medizinisch-hygienische Frage hineinzureden, ich habe sowohl großes Bedenken gegen die Anwendbarkeit der statistischen Methode bei dieser Untersuchung, als an der Möglichkeit, in- folge derselben die Ursachen der Schüler-Kurzsichtigkeit zu erkennen, meine bescheidenen Zweifel. Auch die mit großem Scharfsinn und mit umsichtigster Sorgfalt ausgeführte Darlegung der Resultate, die Herr Prof. S. R. in Gräfes Archiv für Ophthalmologie veröffentlicht hat, geht nur mit großer Zaghaftigkeit auf die Ursachen der Schüler-Kurzsichtigkeit und auf die Mittel zur Abhilfe ein. Wie sehr auch diese Vorsicht zu loben ist, wir fragen: woher stammt überhaupt das Recht, vorauszusetzen, daf die Haupt-Ursache in der Schule liegt? Es ist mit Dank anzuerkennen, daß die Erblichkeit der Anlage zur Kurzsichtigkeit(die gerade bei den Frankfurter Gymnasiasten sehr häufig zu sein scheint) von dem untersuchenden Arzte berücksichtigt ist: aber sind nicht alle häuslichen und individuell-psychologischen Ursachen, welche bei der Kurzsichtigkeit vielleicht mitthätig oder allein veranlassend eingewirkt haben, außeer acht gelassen? Beispiele: einer(und solche besuchen vorzugsweise die Gymnasien) hat vielleicht jahre lang die Lesewut gehabt, hat sie noch, liest bei Tag und bei Nacht, im Licht und in der Dämmerung. Ein aanderer hat zu Hause ein besonders dunkles Zimmer, schlechte Beleuchtung bei seinen Studien. Ein dritter hat die üble Gewohnheit, tief in die Dämmerung hinein zu lesen oder zu schreiben. Ein vierter überbürdet sich selbst aus blindem Eifer oder aus Ehrgeiz mit einer Masse von Arbeit ohne irgendwelche Anforderung der Schule. Ein fünfter ist mit Privat-Unterricht überladen. Ein sechster verdirbt sich die Augen bei dem übertriebenen Lesen von Musik-Noten, Klavierspiel etc. Ein siebenter ist nebenher ein passionier- ter Zeichner. Ein achter verfertigt mit Leidenschaft die künstlichsten Tabellen, Karten mit. Diamantschrift und dergl. Ein neunter(und solche sind leider jetzt sehr häufig in den Gym- nasien) ist überhaupt unfähig für den Gymnasial-Unterricht und braucht zu seinen Schulauf- gaben das doppelte und dreifache Maß der bei mittlerer Begabung erforderlichen Zeit. All diese Dinge ich könnte die eklatantsten Belege anführen kommen in der Knabenwelt vor, die genannten Liebhabereien vornehmlich in der begabteren, welche sich vorzugsweise den Gymnasien zuwendet. Wie will die Statistik diese Ursachen der Kurzsichtigkeit in Prozentsätzen aus- drücken? wie ist überhaupt ihre Existenz zu konstatieren? Gesetzt nun, die Erblichkeit oder eine der erkennbareu häuslichen und psychologischen Veranlassungen machte bei 6 der kurzo sichtigen Schüler die Ursache aus, so wäre auch damit noch nicht bewiesen, daß an dem feh- lenden Fünftel die Überbürdung seitens der Schule Schuld sei. Denn es wird doch wohl bei jedem körperlichen Fehler so sein, daß ein Teil der vorkommenden Fälle ohne erkennbare Ursachen eintritt. Und was in specie unsere Schüler»etrifft, so sind die in der Schule liegen- den Ursachen der Kurzsichtigkeit um so dunkler, als fast kein einziger derselben von Anfang eines Schulbesuchs an dem städtischen Gymnasium angehört hat, da dieses keine eigene Norschule besitzat. Unter den 153 von Herrn Prof. Schmidt-Rimpler untersuchten Sextanern und Quintanern waren 152 aus fremden Schulen(und zwar aus fünfunddreißig verschie-