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nicht zu Grunde gehen soll. In diesem Sinne ist auch an eine Verkürzung der Gymunasial- Laufbahn nicht zu denken; man könnte sie eher(wie es hier früher war) um ein Jahr verlängern, um die Austrengung der einzelnen Jahre zu mindern.
5. Ausserordentliche Ereignisse.
Leider habe ich auch von zwei Todesfällen zu berichten, die unser Gymnasium besonders
schmerzlich berührt haben. Am 3. August 1885 starb unser lieber früherer Kollege Herr Oberlehrer Dr. Theodor
Jekel und wurde am 6. August zur Ruhe bestattet. Als ich im vorjährigen Osterprogramm (Seite 70) bei Gelegenheit seines Austritts aus dem Amte ihm einige Worte der Anerkennung
widmete und vor allen Dingen Genesung wünschte, dachte ich nicht, daß unser Wunsch und unsre Hoffnung— denn wir hörten anfangs, er habe sich erholt— so wenig in Erfüllung gehen sollten. Die Trauer um den geliebten Mann, der so vielen jüngeren Frankfurtern als freund- licher Führer durch die ersten Gymnasialjahre genützt hat, war groß und allgemein. Zahllose Kränze bedeckten den Sarg; sämtliche Lehrer und Schüler des Gymnasiums begleiteten ihn. Am Grabe sprach Herr Pfarrer Battenberg(auch ein früherer Amtsgenosse) und im Namen des Kollegiums Herr Professor Dr. Riese. Man möchte so sterben wie er, ohne Makel und von Allen beklagt.
Kaum 14 Tage später, am 16. August 1885 starb der Oberprimaner und Abiturient, Hermann Altbürger. Von treustem Fleifz, von großer Liebenswürdigkeit des Charakters und qer Sitten, ein frommes Gemüt(er wollte Theologie studieren), seit Jahren stets der Erste oder Zweite in seiner Klasse, die Freude und Hoffnung seiner Eltern, war er früher nie krank ge- wesen und mußte nun einem plötzlich sich entwickelnden Körperleiden mit 19 Jahren erliegen, während seine nächsten Kameraden Tags darauf in die schriftliche Entlassungs-Prüfung eintraten. Am 19. August folgten seinem Sarge die Schüler der 4 Primen und alle Lehrer, die den Ver- storbenen gekannt und unterrichtet hatten, außer dem Direktor, der krank war. Am Grabe sprachen Herr Pfarrer von Seydewitz und Herr Hauschild.
Zuletzt sei eines der edelsten und geistig bedeutendsten Männer Frankfurts, dessen Tod mir soeben(während ich dies schreibe) gemeldet wird, an dieser Stelle gedacht, weil er auch in hohem Grade der Wohltbäter aller unsrer städtischen Schulen gewesen ist. Der Herr Geheime Sanitätsrat Dr. Johann Georg Varrentrapp, der berühmte Arzt und Hygieniker, starb am 15. März 1886 im Alter von 77 Jahren. Er trat im Herbst 1816 mit 7 ½ Jahren in die Sexta unsres Gymnasiums ein, war ein sehr guter Schüler desselben(wie die noch vor- handenen Censuren bezeugen) und verlieks die Anstalt im Herbst 1826. Seiner warmen und mächtigen Fürsprache, seiner rastlosen Thatkraft insonderheit verdanken wir all die vortreff- lichen, segensreichen hygienischen Einrichtungen unsrer Schulen. Wo kommen solche Muster echter Bürgertugend wieder? Hoffen wir, daß sie auch aus den jüngeren Zöglingen dieser Lehr- anstalt erstehen. Aber nicht alle sind der Art. Möchte doch mancher thörichte Jüngling, der auf der Schule nie seine Pflicht thut und sich einbildet, er könne auch ohne das noch ein großer Mann werden, an diesem Beispiel die Wahrheit erkennen, daß weitaus die meisten bedeutenden Männer schon auf der Schule durch hingebenden Fleiß und Eifer hervorragten. Es ließen sich
lie ersten Namen uusrer Zeit als Belege dafür anführen.
Gymnasium 1886.


