1 oder Nicht-Perthes, sind Lebensfragen des städtischen Gymnasiums, deren Lösung m. E. im Laufe des nächsten Schuljahres vor Errichtung des Königlichen Gymnasiums erstrebt werden muß.
d) Mit Ostern 1886 tritt der Direktor in den von ihm erbetenen Ruhestand. Ich habe diesen Schritt lange überlegt und mich erst nach vielen inneren Kämpfen dazu entschlossen. Denn wie es überhaupt nicht leicht ist, einem liebgewordenen Lebensberuf für die Dauer zu ent- sagen, wenn man sich noch nicht völlig ohnmächtig fühlt, so ist dies doppelt bei mir und bei dieser Schule der Fall. Sie hat sich nicht durch mich aber doch unter meiner Leitung zu sehr grossem Umfang entwickelt, die Schülerzahl ist seit jenem Anfang im Jahre 1864 auf das Vierfache gestiegen; ich habe die größten staatlichen, räumlichen, sachlichen und Personen-Verände- rungen mit diesem Gymnasium durchlebt; wir sind durch die 22 jährige Freuden- und Leidens- geschichte gewissermaßen zusammengewachsen, so daß die Trennung nicht nur unsäglich schwer und schmerzlich, sondern fast widernatürlich erscheint. Aber die zunehmenden Beschwerden des Alters machten sich mir in den letzten Jahren so fühlbar, daß ich die Überzeugung gewann, es bedürfe jetzt einer jüngeren und frischeren Kraft, welche sowohl die große Menge der schwierigen und verwickelten Geschäfte, die dem hiesigen Gymnasialdirektor überhaupt obliegen, als auch die Entscheidung über die wichtigsten Fragen, welche in nächster Zeit bevorsteht, leichter, rascher und besser bewältigen könne als ich. Und wenn mir auch mancher freundliche Wunsch für mein ferneres Bleiben innerhalb und außerhalb des Kollegiums entgegenkam, so durfte das doch meinen Entschluß, den ich als eine Pflicht gegen die Schule empfand, nicht ändern. Zu meiner größten Freude kann ich hinzusetzen, daß die jüngere und frischere Kraft, nach der wir suchten, gefunden ist. Zu Ostern d. J. wird der uns wohlbekannte Herr Dr. Karl Reinhardt, früher vier Jahre lang Oberlehrer am hiesigen Gymnasium, jetzt seit zwei Jahren Gymnasialdirektor in Detmold, die Leitung der Anstalt übernehmen(siehe Abschnitt II, b, nr. 23). Ich erkenne es als eine besondere Gnade der Vorsehung gegen mich an, daß ich so die Arbeit meines Lebens nicht nur in eine geschickte und thatkräftige, sondern auch in eine in Frankfurt allgemein beliebte und anerkannte und mir und den übrigen Lehrern befreundete Hand niederlegen darfk.— Am Schlusse meiner amtlichen Laufbahn drängt es mich meinen iunigen Dank auszusprechen, zunächst gegen Gott für den Segen, den Er auf ihr hat ruhen lassen, dann auch gegen Menschen für alles Gute, das sie mir in meinem Amte erwiesen haben. lch danke den Hohen Behörden des Staats und der Stadt wegen ihrer aufmerksamen und wohl- wollenden Fürsorge für das Wohl dieser Schule und nenne hier insbesondere die jetzigen Haupt- vertreter dieser Behörden: den Herrn Geheimen Ober-Regierungsrat Dr. Stauder in Berlin, den Herrn Provinzial-Schulrath Dr. Lahmeyer in Kassel und den Herrn Bürgermeister Dr. Heusseustamm hieselbst als Solche, denen ich alles Gelingen der wichtigeren Schritte meiner Amtsführung schulde. Ich danke all den lieben und treuen Kollegen, sowohl den früheren, die teils noch hier oder auswärts leben, teils im Grabe schlummern, als auch denen, die mich noch jetzt umgeben, und sehe es als ein besonderes Glück an, daß es mir beschieden war, so lange mit so vielen edlen Männern zusammen zu wirken. Ich danke endlich auch meinen werthen Mitbürgern
und namentlich den Eltern unserer Zöglinge und meinen jetzt in angesehenen Stellungen befind- lichen früheren Schülern für die vielen Beweise des Vertrauens und der Anhänglichkeit, die ich von ihnen während dieser 22 Jahre empfangen habe. Und so möge denn Gottes Segen ferner- hin auf diesem berühmten mir so teuer gewordenen Gymnasium ruhen! Vivat, floreat, crescat. Ich will diese Optative näher auslegen. Vivat— es lebe, so lange deutsche höchste Bildung


