Jahrgang 
1884
Einzelbild herunterladen

4

Während des Jahres 1883 fanden nur geringe Störungen des Unterrichts durch Er- krankung von Lehrern statt. Für drei Oberklassen(Ober-Prima, Unter-Prima, Obersekunda A) wurden mit Genehmigung der vorgesetzten Behörden die Sommerferien um 14 Tage ver- längert. Der Grund hiefür lag einesteils darin, daß dem Direktor von seiten des Arztes eine Erholungspause von sechs Wochen verordnet war, andernteils darin, daß um dieselbe Zeit die beiden Oberlehrer Herr Gillhausen und Herr Dr. Reinhardt durch ihre militärischen Verpflichtungen in Anspruch genommen waren, so daß zugleich die Hauptlehrer der drei genannten Klassen fehlten. Im Anfang des Jahres 1884 erkrankten zwei Lehrer ernstlich: Herr Oberl. Prof. Dr. Fischer und Herr Oberl. Dr. Jekel, doch hatten wir die Freude, beide noch im Laufe des Vierteljahrs imstande zu sehen, den größeren Teil ihrer Lektionen wieder zu übernehmen. Als Stellvertreter fungierten, außzer Mitgliedern des Kollegiums. die Probekandidaten Dr. Schwemer und Dr. von Oven; auch hatte der hiesige Pfarrer Herr Bayrhoffer die Güte einige Religionsstunden zu übernehmen.

Der Bestand des Kollegiums wurde dadurch verändert, daß Mich. 1883 an die Stelle des Herrn Dr. Rosenstiel der cand. theol. Herr Heinrich Bernhard und(infolge der Trennung der Unterprima) Herr Dr. Max Banner als wissenschaftliche Hilfslehrer hinzutraten. Mit An- fang des nächsten Schuljahrs wird uns ein sehr lieber Kollege und in jeder Hinsicht ausgezeichneter Lehrer. Herr Oberl. Dr. Reinhardt verlassen, da er als Direktor an das Fürstlich Lippe'sche Gymnasium Leopoldinum in Detmold berufen ist. An seine Stelle wird Herr Oberlehrer Dr. Baier treten, bisher Oberl. am städtischen Gymnasium in Elberfeld. Im August 1883 wurde Herr Caumont zum etatmätßigen Oberlehrer ernannt und Herrn Dr. Trommershausen der Oberlehrer-Titel erteilt. Im September 1883 wurde den beiden Oberlehrern Herrn Dr. Noll und Herrn Gillhausen das Prädikat» Professor« verliehen. Die beiden wissenschaftlichen Hilfslehrer Herr Dr. Wirth und Herr Dr. Bopp wurden vom 1. April 1883 an zu ordentlichen Lehrern des Gymnasiums ernannt. Diese geben über ihre Lebensumstände folgende Auskunft:

Gottfried Wirth, geboren dahier am 12. Januar 1855, evangelischer Konfession, Sohn des hiesigen Lehrers an der St. Katharinenschule Anton Wirth, besuchte erst die ehemalige Höhere Bürgerschule, dann das Gymnasium dahier, das er Ostern 1875 mit dem Zeugnis der Reife verließ In Straßburg und Leipzig studierte er klassische Philologie und erwarb sich 1879 die philosophische Doktorwürde. Von Herbst 1879 Ostern 1880 ward er aushilfsweise am hiesigen Gymnasium verwendet, woselbst er auch sein Probejahr absolvierte, nachdemn er Juni 1880 in Leipzig das Examen pro facultate docendi bestanden. Von Ostern 1881 an war er z. T. als Hilfslehrer an derselben Anstalt beschäftigt, bis er O. 1883 definitiv angestellt wurde.

Karl Bopp, geboren dahier am 29. Juni 1856, evangelischer Konfession, Sohn des verstorbenen Kaufmanns Johann Philipp Bopp, besuchte die Höhere Bürgerschule, dann das Gymnasium dahier, wurde Ostern 1876 mit dem Zeugnis der Reife entlassen, vezog die Universität Göttingen und studierte daselbst bis Herbst 1879 Mathematik und Philologie. Im Juni 1879 wurde er auf Grund seiner Dissertation»Uber das kürzeste Verbindungssystem zwischen 4 Punkten« promoviert; von Herbst 1879 bis Juli 1880 vertrat er den damals erkrankten Herrn Raabe, Lehrer der Mathematik am hiesigen Gymnasium, bestand im Juli 1880 das Examen pro facultate docendi, absolvierte bis Ostern 1881 am hiesigen Gymnasium sein Probejahr, war seit dieser Zeit mit Unterbrechungen Vertretungs- und aushilfsweise an dieser Anstalt beschäftigt und wurde Ostern 1883 am hiesigen Gymnasium definitiv angestellt.