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Die Ministerialverfügung über die Abgrenzung der Lehrpensa(siehe Verfügungen Nr. 3.) wurde in mehreren Fachkonferenzen beraten. Infolge derselben wurde ein detaillierter Lehrplan- über den französischen Unterricht von Herrn Pelissier ausgearbeitet(Juli 1883). Für das Griechische beabsichtigten wir Ostern 1884 den 2. Teil der Formenlehre(für Obertertia bestimmt) in derselben Art durch das Programm in die Hände unsrer Schüler gelangen zu lassen, wie wir dies Ostern 1883 mit dem 1. Teil gethan hatten(siehe vorjähriges Programm S. 4). Da indes unsre Patronatsbehörde dies ablehnte(Verfügung des Kuratoriums vom 30. Mai 1883), musste ein anderer Weg eingeschlagen werden. Wir beschlossen also, ein vollständiges Schulkompendium der griechischen Grammatik, dessen Bearbeitung die Herren Dr. Römer und Dr. Reuß übernahmen, herauszugeben, zunächst für unsre Schüler bestimmt Dies wird bald nach Ostern d. J. im Teubner’'schen Verlag erscheinen; für den Anfang des Obertertia-Kursus können wir uns noch mit dem im vorjährigen Programm veröffentlichten ersten Teil der Formen- lehre helfen. Das Turnen wurde während dieses Schuljahres mehr als je zuvor gefördert, auch durch vielfache Anregungen seitens der Königlichen Behörden(siehe Verfügungen Nr. 6, 13, 19, 25, 28). Da die UÜbungen im Freien während des Sommers wenig oder garnicht auf dem Turnplatz betrieben werden konnten, welcher wegen Errichtung des neuen Hauses großen- teils zu Bauzwecken in Anspruch genommen wurde, fanden desto mehr Turn fahrten statt, unter andern auch eine zweitägige, bei der es hauptsächlich darauf abgesehen war, die Schüler an größere Entbehrungen zu gewöhnen. Insbesondere aber kamen die Turnspiele hinzu. Im Frühjahr 1883 mietete die Stadt unweit der Westbahnhöfe einen ungefähr 6 Morgen großen Spielplatz, auf dem von den Gymnasiasten unter Leitung des Herrn Weidenbusch regel- mälzsig am Samstag-Nachmittag von 5— 7 Uhr(gegen Ende des Semesters von 4— 6 Uhr) die deutschen Ball- und Laufspiele betrieben wurden. Obwohl die Beteiligung freiwillig war, wurden diese Stunden doch an jedem Spieltag durchschnittlich von 117 Schülern(ungefähr einem Fünftel aller) besucht. Die Benutzung dieses Spielplatzes seitens des Gymnasiums ist auch für den nächsten Sommer in Aussicht genommen. Die städtische Schulbehörde hat die Absicht, die bisher nur provisorisch und versuchsweise getroffene Einrichtung zu einer definitiven für alle Schulen umzuwandeln und will zu diesem Zwecke eine namhafte Summe(3000 M.) zur Verfügung stellen lassen. Seitens des Herrn Turninspektors Danneberg und des Direktors sind durch Bericht vom 27. Januar 1884 beim Königlichen Provinzial-Schulkollegium Vorschläge für eine zukünftige Ausdehnung der Turnspiele eingereicht.— Gegen Ende des Schuljahres gab der Antrag der hiesigen Schul-Dirigenten, einen gemeinschaftlichen detaillierten Vorschulen-Lehrplan fest- zustellen, dem Direktor Gelegenheit, sich über dessen Beziehungen zu dem Eintritt in unsre Sexta auszusprechen, und es werden wohl die Aufnahme-Bedingungen für dieselbe einige Modifi- kationen erfahren.
In betreff der Ferien-Ordnung, über welche am 8. Dec. 1883 Bericht erfordert wurde(siehe Verfügungen Nr. 18), fand eine Meinungsverschiedenheit im Lehrerkollegium statt. Die Minorität(11 Lehrer) sprach sich im wesentlichen für Wiedereinführung der alten Ordnung aus: 4wöchentliche Sommerferien mit dem Anfang am letzten Montag im Juni oder ersten Montag im Juli; 2wöchentliche Herbstferien, doch stets in solcher Lage, daß das Ende der Sommerferien von dem Anfang der Herbstferien durch eine 8 wöchentliche Unter- richtszeit getrennt sei. Die Majorität(14 Lehrer) dagegen erklärte sich für Zusammen- legung der Sommer- und Herbstferien auf 5 ½ Wochen und Verlängerung der Pfingstferien


