Schulnachrichten.
Wir haben zuvörderst den städtischen Behörden für mehrere Beweise ihres Wohl- wollens und ihrer Sorge für das Gedeihen des Gymnasiums unsren Dank abzustatten. Durch Magistratsbeschluß vom 16. März 1883 wurde der im vorjährigen Programm Seite 52 f. als beabsichtigt erwähnte Erweiterungsbau genehmigt. Er begann bald darauf und ist seit- dem so weit gefördert worden, daß wir darauf rechnen können ihn im Herbst 1884 in Be- nutzung zu nehmen. Hoffentlich werden Aula und Turnhalle, welche diesmal verweigert wurden, spüter hinzugefügt werden. Für jetzt freuen wir uns äber das, was uns durch den Neubau gewährt wird: genügende Räume für das 18 klassige Gymnasium bei Durchführung des Systems der 2sitzigen Subsellien; ein eigenes Lehrzimmer für den naturwissenschaftlichen Unterricht mit anstoßendem Kabinet für die Sammlungen; ein geräumigeres Bibliothekzimmer, welches so eingerichtet wird, daß es auch als Prüfungszimmer benutzt werden kann; ein Singzimmer in passenderer Lage; endlich Trennung von dem Wagen- und Küferlärm der Junghofstraßze, viel- leicht auch— wir wissen dies noch nicht gewitß— ausreichender Schutz gegen den viel- beklagten, sehr erheblich den Unterricht störenden Lärm der benachbarten Schlosserei. So großen Vorteilen gegenüber erscheint zwar der Nachteil, daß durch den Erweiterungsbau der Schulhof verengt wird, gering. Immerhin aber bleibt es ein Nachteil, der sich in einen erheplichen Vorteil verwandelt hätte, wenn, wie der Direktor befürwortete, der ganze Bau auf dem Sipf'schen Grundstücke errichtet wäre, wodurch dann zugleich die definitive Beseitigung der Schlosserplage und die Erweiterung des für fast 600 Knaben und Jünglinge nur mätßiig aus- reichenden Spiel- und Turnplatzes gewonnen wäre. Aber freilich hätte dies die Kosten des Baues auf ungefähr das Doppelte gesteigert.— In betreff jenes Schlosserlürms wurde durch Magistratsbeschluß vom 5. Juni 1883 die Einleitung eines Rechtsstreites verfügt und die Führung desselben dem Herrn Dr. jur. A. von Harnier übertragen. Der Ausgang dieses Prozesses ist noch ungewiß, da noch nicht feststeht, ob durch Aufführung des neuen Gebäudes der Lärm so weit ermätßsigt wird, daß die Klage dadurch gegenstandslos wird.— Die Trennung der Ober- prima im Herbst 1884(siehe vorjähriges Programm, Seite 51 ff.) wurde am 7. Dezember 1883 vom Hochlöblichen Magistrat beschlossen.— Die Mitbenutzung des Konferenz-Zimmers seitens der Armenpfleger wurde durch Verfügung des Curatoriums vom 13. Juni 1883 dem Gymnasium abgenommen.— Endlich haben wir auch noch die außerordentliche Geldbewilligung für einen neuen Wandkartenschrank mit Dank zu erwähnen.
Am 22. Mai 1883 inspizierte Herr Provinzial-Schulrat Dr. Lahmeyer das Gymnasium. Wir freuen uns, in ihm einen ebenso gütigen als einsichtigen Vorgesetzten kennen gelernt zu haben.


