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Am 18. Dezember 1924, 6 Uhr abends, verſammelte der ſtrahlende Chriſtbaum Schüler, Ange⸗ hötige und Lehrer zu einer ſtimmungsvollen Weihnachtsfeier um ſich, deren Mittelpunkt die Aufführung eines vom Studienrat Dr. Herdt eingeübten ſchleſiſchen Herodesſpieles war. Chorlieder wechſelten mit Sprechvorträgen, auch wirkte das Schulorcheſter wieder mit.
Am 28. Februar 1925 veranſtalteten wir nach der 4. Stunde eine würdige Gedenkfeier für die Opfer des Weltkrieges. Studienrat Nießner hielt die Anſprache, die von Muſik⸗ und Sprechvorträgen eindrucksvoll umrahmt war. Die Gedenktafel unſerer Gefallenen hatten wir mit reichem Kranz⸗ und Blu⸗ menſchmuck verſehen laſſen.
Am 4. März 1925 fiel aus Anlaß des Ablebens des Reichspräſidenten Ebert der Unterricht aus. Um g Uhr vormittags fand eine von der vorgeſetzten Behörde angeordnete Trauerfeier ſtatt, für die Stu⸗ dienrat Dr. Huth die Anſprache übernahm. Die Einleitung der Feier bildeten ein Orgelvorſpiel, ein Chor⸗ lied und ein Violinvortrag aus dem„Septett“ von Beethoven, den Schluß machten ein Einzelgeſang und ein Klaviervortrag aus der 35. Symphonie von Beethoven.
Am 21. März 1925, abends 7 Uhr, fand bei vollem Hauſe und einer aufs höchſte Wohlwollen geſtimmten Zuhörerſchaft ein Schülerkonzertabend ſtatt, deſſen Beſchreibung und Würdigung der Bericht⸗ erſtatter der Abwechſlung halber einmal der„Frankfurter Zeitung“ überlaſſen möchte:
„In der ſchönen, mit Steinhauſens großen Fresken geſchmückten Aula des ſtaatlichen Kaiſer⸗ Friedrichs⸗Gymnaſiums gab es am Samstag Abend ein wohlgelungenes Schülerkonzert. Schuberts Marche Heroique, vom Schulorcheſter friſch und ſauber geſpielt, leitete den Abend ein. Chöre, Soli, Kla⸗ viervorträge, Darbietungen des Bläſerchors und zum Schluß wieder ein Vortrag des Geſamtorcheſters,„Hei⸗ delberger Studentenmarſch“, der wohl den zwei Tage vorher zu muli gewordenen Abiturienten als Wegegeleit geſpielt wurde, füllten den Abend angemeſſen aus. Dabei durften ſich alle Altersſtufen von der Sexta bis zur Prima in den Chören und im Orcheſter wie als Soliſten betätigen, und wenn bei den Reiferen die Leiſtung ſelbſt, ſo wurde bei den Kleinen und Kleinſten vor allem auch die muntere Be⸗ herztheit und Tapferkeit, mit der ſie als Soliſten ohne Lampenfieber vor die zahlreiche Hörerſchaft hin⸗ traten und der Frau Muſika ihren Zoll entrichteten, nach Gebühr mit reichem Beifall belohnt, der aber ebenſoſehr auch dem muſikaliſchen Leiter Oberſchullehrer E. Döpfer galt. Man ſah es allen den Mit⸗ wirkenden, wie auch den Hörern an, wie ſehr dieſe muſikaliſche Geſelligkeit ein Feſt für die Schule war.
Die Muſen kamen einmal mit weniger ernſtem Geſicht als ſonſt im Lehrbetrieb üblich iſt, und es iſt
mit Freuden zu begrüßen, wenn unſere Schulen ſich bemühen, die unvermeidliche Einſeitigkeit des ſtrengen Lernbetriebes durch Weckung und Pflege der jenſeits dieſer Sphäre liegenden Fähigkeiten auszugleichen. Die Bemühungen des Schulleiters, Herrn Trantow, um den Ausbau eines guten Schulorcheſters, dem wohl der Ertrag des Abends zugute kommen dürfte, ſowie der Anſchaffung von guten Inſtru⸗ menten und Muſikalien verdienen daher ernſte Förderung und beſten Erfolg.“
Am 27. März 1925 12 ½ Uhr erfolgte die feierliche Entlaſſung der diesjährigen Abiturienten, zu der ſich Lehrer, Schüler, ehemalige Schüler und die Angehörigen der Abiturienten zuſammenfanden. Ernſte Muſikvorträge halfen die Feier wirkungsvoll geſtalten. Im Namen der zurückbleibenden Schüler ſprach der Unterprimaner Walther zu den Abiturienten, der Abiturient Göbel erwiderte und ſprach im Namen ſeiner Kameraden den der Schule geſchuldeten Dank aus. Zum Schluſſe verabſchiedete der Di⸗ rektor die Abiturienten in einer längeren Anſprache, in der er ihren bisherigen Lebensgang als Schüler an den Bildern einer Binnenſeefahrt beleuchtete und ihnen für die bevorſtehende ſchwierigere Meerfahrt wegweiſende Mahnungen ans Herz legte. Unter Aushändigung der Reifezeugniſſe und der vom Verein ehemaliger Kaiſer⸗Friedrichs⸗Gymnaſiaſten einſt geſtifteten Gedenkblätter entließ der Direktor die Abiturienten ſodann mit Handſchlag aus dem Verbande der Schule.
Nach Beendigung der Feier ſpielte das Schulorcheſter noch auf beſonderen Wunſch der Abiturienten den„Heidelberger Studentenmarſch“. Am Abend desſelben Tages wurde bei„Großmann“ munter kom⸗ merſiert und am 4. April 1925 in der Loge„Einigkeit“ bei einem Tänzchen noch einmal ausgiebig Abſchied genommen. Einige Lehrer und die neugewordenen Unter⸗ und Oberprimaner ließen es ſich nicht nehmen, dieſem Abſchiede beizuwohnen.
Das Schuljahr ſchloß am 4. April 1925 nach der dritten Stunde.


