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Wirklich fruchtbar iſt nur der Cag, den wir mit heiterem und lebensfröhlichem Sinn und mit reinem Gewiſſen beginnen, von Hoffnungen und Lebenswärme bewegt, ohne Grämlichkeit und Ängſtlichkeit. Alles Erlebte, zumal das Neue, was jeder Tag bringt, hat, wenn wir nur darauf zu achten wiſſen, etwas Feſtliches an ſich, trotz des Ernſtes, der nun einmal überall um uns herum lauert.„Wie viele Menſchen“— ſo klagt mit Recht ein neuerer Dichter—„tragen ein Lächeln an ſich, das nur zur hälfte Lebensfreudigkeit iſt, zur anderen Hälfte nur eine Anſtandsmaske, die ſie über ihre Sorgen breiten!“— Horaz zeigte ſich uns als ein Meiſter der Lebenskunſt, der ars fruendi, ja, es ſtreift an das heran, was wir humor nennen, wenn er ſagt, der Weiſe ſolle die Bitterniſſe des Lebens mit gelaſſenem Lächeln hinnehmen(amara lento temperet risu). Wir haben auch bei Goethe immer nach dem Sinn und Uern der Lebensanſchauung, nach der wechſelſeitigen Durchdringung von Recht und HPflicht, von Gaben und Aufgaben gefragt, wenn wir „CTaſſo“ oder„Die Zueignung“,„Das Göttliche“ oder„Die Grenzen der Menſchheit“ u. a. laſen. Es lag mir daran, aus Einzelſteinen ein ganzes Bauwerk von Ideen auf feſtem Grunde aufzuführen. Denn ich meinte, Sie hätten vielleicht mehr als manche andere Schülergeneration ein Anrecht auf einen philoſophiſchen Einſchlag im Unterricht. Wir laſen bei Cicero, Pythagoras habe dem Cyrannen von Phlius gegenüber den Begriff„Philoſoph“ erläutert, indem er das menſchliche Leben verglich mit einer Feſtverſammlung aus Anlaß der Spiele z. B. in Olympia: Zu ihr kommen die einen, um zu kaufen und zu verkaufen, aus Gewinnluſt, die anderen, um den Ruhmeskranz zu erringen, eine dritte Art Menſchen findet ſich nur ein, um zu ſchauen und allen Dingen auf den Grund zu gehen, ohne Rückſicht auf Erwerb, und das übertreffe alle übrigen Beſchäftigungen, und das ſei der edle Beruf der Philoſophen, die Betrachtung und Erkenntnis der Weltzuſammen⸗ hänge.—„Zum Sehen geboren, Zum Schauen beſtellt— Ihr glücklichen Augen, Was je ihr geſehn, Es ſei, wie es wolle, Es war doch ſo ſchön!“ ſingt der Türmer im„HFauſt“.— Es iſt ein tiefer Gedanke: Wir kommen ins Leben wie zu einem Feſt! Und da möchte ich Ihnen das Wort desſelben ſchon vorhin zitierten Dichters(Max Dauthendey) zurufen, das ohne Uenntnis jenes Ver⸗ gleiches des Pythagoras eine ganz ähnliche Auffaſſung wiedergibt, mit merkbarer Vertiefung: „Das Leben iſt ein weiſes Feſt. Du ſollſt es klug zu feiern lernen, du ſollſt es aufmerkſam feſt⸗ lich erleben lernen; du wirſt an dem Feſt beſchaulich und tätig, Freude aufnehmend und Freude ſpendend, gern teilnehmen; du wirſt verſtehen lernen, daß das weltfeſt ſo mächtig iſt, daß es in ſeinem Wechſel von Freude und Leid ein Spiel von Erſcheinungen bedeutet und daß es deine größten Schmerzen immer in tiefſte Freuden verwandeln kann.— Siehe, oft iſt das Leben wie eine Schlacht, in der du fallen mußt, um in einer anderen Geſtalt wieder aufſpringen zu können, um weiter kämpfen zu können. Denn auch eine Schlacht iſt ein Feſt!“
Fügen wir im Sinne unſeres Gedankenganges hinzu: Es iſt ein Feſt im Kampfe von Pflichten und Rechten, im Siege des„Du ſollſt!“ über die Neigung und Leidenſchaft, es iſt ein Feſt, wenn du den göttlichen Willen in deinen Willen aufnimmſt.
In der Zeit des ſinkenden Altertums ward die Philoſophie mehr und mehr Moral⸗ wiſſenſchaft. Was uns heutigen die Religion iſt oder ſein ſollte, das war den Menſchen zur Heit Ciceros und Horaz' und der Kaiſer teils der Hedouismus eines Ariſtipp und Epikur, teils der Stoizismus. Jener verkündete das Recht auf Genuß, dieſer die ſtarre Pflicht der Tugend.
Wir ſahen, daß die vielverläſterte Lehre Spikurs nicht auf zügelloſe Luſt hinzielt; Horaz nennt ſich wohl ſcherzhaft ein feiſtes„Schweinchen aus dem Stalle Spikurs“, doch er wird nicht müde, die Herrſchaft über ſich ſelbſt auch im Genuß, die goldene Mitte zwiſchen den Extremen, das leichte Gekräuſel der Seelenregung im Gegenſatze zu dem Sturme der Leidenſchaften zu preiſen,


