Jahrgang 
1914
Einzelbild herunterladen

11

Am 17. April fuhren die drei oberen Klaſſen, einer Weiſung Sr. Majeſtät des Kaiſers folgend, unter Leitung des Direktors und Herrn Prof. Primer nach der Saalburg, um die auf Befehl Sr. Majeſtät dort nach römiſchem Muſter veranſtalteten Schanzarbeiten zu beſichtigen; leider war die Witterung in hohem Maße ungünſtig. Vom 6. bis 8. Mai wurde auf Allerhöchſten Befehl der Unterricht aus⸗ geſetzt, damit die Schüler dem Geſang⸗Wettſtreit beiwohnen konnten.

Am 16. Juni fand die Feier des 25jährigen Jubiläums Sr. Majeſtät des Kaiſers um 9 Uhr in der Aula ſtatt, mit Deklamationen und Muſikvorträgen; die Feſtrede hielt Herr Prof. Dr. Peters, in der er den Kaiſer beſonders als Friedensfürſten eindrucksvoll würdigte und feierte. Der Direktor verteilte die Prämien; dieſe erhielten: Hellmut Laaß(VI), Karl Brogſitter(V), Joſ. Pflumm(IV), Otto Brien(UIII), Hans Joachim v. d. Eſch(O III), Karl Gruber(UII), Friedrich Cullmann(0 II), Herm. Stiefel(U I), Emil Fritſch(0 I).

Am 1. September verſammelte ſich die Schule in der 6. Stunde in der Aula; der Direktor hielt eine Anſprache, in der er auf den 100. Todestag Theodor Körners(26. Auguſt), auf Goethes Geburtstag(28. Auguſt), ſeine Stellung zu den Freiheitskriegen, und auf den Sieg bei Sedan(1. und 2. September 1870) hinwies; der Chor trug dasGebet vor der Schlacht und Lützows wilde ver⸗ wegene Jagd vor, und der GeſangDeutſchland, Deutſchland über alles beſchloß die Feier.

Am 4. September beſuchte Herr Geh. Regierungs⸗ und Provinzial⸗Schulrat Dr. Kaiſer die Anſtalt und wohnte dem Unterricht in ſämtlichen Klaſſen bei. Im Herbſt trat Dr. Menz aus und ging ans Realgymnaſium in Wiesbaden über; Kandidat Wiſſeler wurde bis Oſtern beurlaubt, um eine Wiſſenſchaftliche Hilfslehrerſtelle in Delmenhorſt zu verwalten. Für ihn trat Kandidat Wenderoth ¹) ein.

Am 15. Oktober veranſtaltete der Direktor für den Verein der ehemaligen Kaiſer⸗Friedrichs⸗ Gymaſiaſten und der Viktoriaſchule, ſowie für Lehrer und Schüler der Anſtalt und deren Eltern einen Storm⸗Abend, in dem er von den Jahrhundertfeiern ausging, Schlaglichter auf die große Bewegung von 186470 und deren Ausgangspunkt in Schleswig⸗Holſtein warf, um dann Theodor Storm ebenſo als Patrioten und feſſelnde Perſönlichkeit wie als Dichter zu ſchildern, auf Grund perſönlicher Erinnerungen und mancher Proben aus ſeinen Gedichten. Auch hier leiſteten der Chor unter Leitung des Geſanglehrers Döpfer und einzelne Schüler wirkſame Beihilfe; Herr Döpfer hatte auch einige Lieder Storms ſelbſt vertont, und eine Kompoſition hatte ein Oberſekundaner beigeſteuert.

Am 18. Oktober fand um 9 Uhr in der Aula die Jahrhundertfeier der Schlacht bei Leipzig ſtatt; Oberl. Dr. Manger hielt eine markige Feſtrede; Lieder von Körner und Arndt wurden vorge⸗ tragen; Prämien erhielten: Ernſt Kreger(VI), Hans Rabe(V), Herm. Sonntag(IV), Alfred Spahr⸗ mann(IIII), Herm. Dienſtbach(U II), Max Gottſcho(U I), Wilh. Eilbott(OI). Am 7. November hielt Herr Pfarrer Lic. Anz Berlin) in der Aula für unſere Schüler, die Niederdeutſche Geſellſchaft und den Allgemeinen Deutſchen Sprachverein einen feſſelnden Vortrag über die gefährdete deutſche Mutterſprache in den Schutzgebieten. Am 10. November wies der Direktor in einer beſonderen Andacht für die Evangeliſchen auf Luthers Bedeutung hin und kennzeichnete in der 6. Stunde vor den Schülern der Primen und Sekunden Schiller als Erzieher der deutſchen Jugend. Am 20. Dezember fand am Schulſchluß eine Weihnachtsfeier mit Geſängen und Deklamationen ſtatt. Am 27. Januar 1914 hielt bei der Kaiſersgeburtstagsfeier Prof. Wedemann die Feſtrede, in der er die Notwendigkeit und Nützlichkeit freundſchaftlicher Beziehungen zwiſchen Deutſchland und England in anregendſter Weiſe nachwies. Am 5. März fand unter Vorſitz des Herrn Geh. Regierungs⸗ und Provinzial⸗Schulrats Dr. Kaiſer, am 6. März unter Vorſitz des Direktors die mündliche Reifeprüfung ſtatt. Sämtliche 16 Abiturienten wurden für reif erklärt, fünf unter Befreiung vom Mündlichen. Am 18. März fand die Feier der Entlaſſung der Abiturienten ſtatt. Unter dieſen richtete Willi Eilbott Worte des Dankes und des Lebewohls an die Schule; der Unterprimaner Max Gottſcho ſprach im Namen der bisherigen Kameraden den Abiturienten die beſten Wünſche aus. Der Chor erfreute durch Geſangsvorträge. Am Schluſſe nahm der Direktor das Wort zu folgender Anſprache:

¹) Guſtav Wenderoth wurde geboren am 21. Dezember 1885 in Arnsberg i. W., beſuchte das Gymnaſium in Höxter a. d. Weſer, beſtand die Reifeprüfung Oſtern 1906; Studium: Klaſſiſche Philologie und Germaniſtik in Göttingen bis 1911, Staatsexamen 30. Juni 1911, Seminarjahr am Wöhler⸗Realgymnaſium Probejahr am Leſſing⸗Gymnaſium in Frankfurt a. M.