Jahrgang 
1890
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III. Chronik des Gymnasiums.

Das neue Schuljahr wurde Montag den 29. April nachmittags 5 Uhr, nachdem morgens die Aufnahmeprüfung stattgefunden hatte, mit einer Andacht eröffnet. Hierauf wurden die wichtigsten Bestimmungen der Schulordnung verlesen und die aufgenommenen Schüler auf dieselben verpflichtet.

Durch die Errichtung von drei neuen Klassen war zu Ostern auch die Berufung von ebensoviel Lehrern notwendig geworden. Es waren dies der Gymnasialoberlehrer Dr. Georg Wolff, der wissenschaftliche Hülfslehrer Justus Noll und der Schulamtskandidat Alexander Sauer als kommissarischer Vorschullehrer. Ueber deren seitherigen Lebensgang mögen ihre eigenen Aufzeichnungen zur Kenntnis dienen.

Georg Wolff, geb. am 28. August 1845 zu Neuenhain(Kreis Ziegenhain), evang. Konf., Sohn des Domänenpächters Wolff, besuchte von Ostern 1858 bis Ostern 1865 das Gymnasium zu Fulda, studierte darauf in München und Marburg Philologie und Geschichte und bestand am 9. Nov. 1869 das Examen pro facultate docendi. Am 4. Jan. 1870 begann er am Kgl. Gymnasium zu Hanau die Ableistung seines Probejahrs und wurde an derselben Anstalt zunächst als Hülfslehrer und am 19. Juni 1872 als ordentlicher Lehrer angestellt. Am 5. März 1872 war ihm von der philosophischen Fakultät der Universität Marburg die Doktorwürde verliehen worden. Nachdem er zu Michaelis 1882 zum etatsmäßigen Oberlehrer ernannt war, blieb er am Gymnasiùum zu Hanau, pis ihm zu Ostern 1889 die erste Oberlehrerstelle am Kgl. Kaiser-Friedrichs-Gymnasium zu Frankfurt a. M. über- tragen wurde. Außer zahlreichen Aufsätzen und Rezensionen in wissenschaftlichen Zeitschriften sind von ihm folgende grössere Arbeiten im Druck erschienen: 1. Kritische Beiträge zur Geschichte Karls des Grossen; Inaugural-Dissertation(Marburg 1872). 2. Der Ursprung des Gerichts und der Burg Schwarzenfels(Hanau 1876). 3. Römische Wasserleitungen in der Umgebung von Hanau(Hanau 1880). 4. Das Römerkastell und das Mithras- heiligtum von Grosskrotzenburg am Main. Mit 4 lith. Tateln und 3 Holzschnitten(Cassel 1882). 5.(Gemeinsam mit Major O. Dahm): Der römische Grenzwall bei Hanau und die Kastelle zu Rückingen und Marköbel. Mit 4 lith. Tafeln(Hanau 1885).

Justus Friedr. Wilh. Noll, evang. Konf., wurde als Sohn des Gutsbesitzers Karl Noll am 24. Februar 1857 auf Hof Guttels bei Rotenburg a. Fulda geboren. Von seinem neunten Jahre an besuchte er die höhere Bürgerschule genannter Stadt und trat im Herbst 1871 in das Gymnasium in Hersfeld ein. Hier be- stand er die Reifeprüfung Ostern 1878, studierte dann in Marburg Deutsch, Geschichte und Geographie und alte Sprachen, genigte vom Herbst 1882 seiner militärischen Dienstpflicht, bestand während dieser Zeit im Juni 1883 das Examen pro fac. doc. und wurde im Herbst desselben Jahres dem Gymnasium in Marburg zur Ableistung des päd. Probejahres überwiesen. Bald nach Beendigung desselben nahm er eine Hauslehrerstelle in Frankfurt a. M. an, aus der er zu Ostern 1886 schied, um sich in Hersfeld als unbesoldeter Hilfslehrer beschäftigen zu lassen. Von hier kam er zu Ostern 1889 als wissenschaftlicher Hilfslehrer an das hiesige Kaiser-Friedrichs-Gymnasium.

Alexander Sauer, geb. am 10. Februar 1868 zu Frankfurt a. M., ref. Konf., trat nach neunjährigem Besuch der Weißfrauenschule zu Frankfurt a. M. in die Präparandenanstalt zu Usingen i. T. ein. Von 1885 bis 1888 besuchte er darauf das dortige Lehrerseminar und wurde nach bestandener Entlassungsprüfung während des Sommerhalbjahres 1888 vertretungsweise als technischer und Elementarlehrer am Gymnasium zu Weilburg beschäftigt. Vom 1. Oktober 1888 bis 1. April 1889 war er als Lehrer an der Marktschule zu Wiesbaden thätig, und übernahm darnach seine jetzige Stelle.