c) Rechnen und Geometrie.
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Der Rechenunterricht wird in gleicher Weise wie der Deutsch- unterricht der beruflichen Bildung dienstbar gemacht. Das geschieht durch den engsten Anschluß an die Berufs- oder Geschäftskunde. Es genügt nicht, daß die Aufgaben gelegentlich auf das Berufliche Bezug nehmen oder einzelne Verhältnisse aus dem Beruf behandeln; das Lehr- geschäft des Schülers muß vielmehr fortdauernd und ausschließlich die Fundgrube für das technische und geschäftliche Rechnen bilden. Damit ist schon gesagt, daß wir auf die systematische Behandlung der einzelnen Rechenoporationen und Rechnungsarten verzichten. Das ganze gewerbliche Leben vom ersten Tage der Lehrzeit bis ins reife Alter des selbständigen Meisters bietet reichen Stoff zu rechnerischer Ausbeute, und gerade die wertvollsten Gebiete bleiben unberücksichtigt, wenn man sich von der systematischen Anordnung bestimmen läßt. Wenn aber die Vorgänge, die dem Handwerker und Gewerbetreibenden in den verschiedenen Stadien seines Werdegangs entgegentreten, im Unterricht nach der rechnerischen Seite beleuchtet und die hier in Betracht kommenden Erwägungen und Ermittlungen in entsprechender Weise angestellt werden, dann öffnen sich dem jungen Menschen die Augen für Verhältnisse, denen er bisher verständnislos gegenüberstand. Er begreift den Zusammenhang von Handgriffen und bis dahin nur mechanisch befolgten Regeln und beginnt seine Arbeit zu durchdenken. Wenn sich hierbei ein Mangel an Rechen- fertigkeit bei ihm herausstellt, so wird er es sich gern angelegen sein lassen, diesen durch erneute Übung zu beseitigen. In den Vorklassen muß selbstverständlich an dem systematischen Aufbau des Rechenstoffes festgehalten werden. Um die in der Volksschule nicht vollständig erreichte oder teilweise wieder verloren gegangene Rechenfertigkeit zu fördern und zu befestigen, stellen wir in allen Klassen und in jeder Rechenstunde ca. 15 Minuten lang schriftlich und mündlich sogenannte „grundlegende UÜbungen“ an. Sie erstreckten sich im Berichtsjahr auf die Grundrechnungsarten mit ganzen und gebrochenen Zahlen in der Anwendung der bekanntesten Münzen, Maße und Gewichte und auf die Prozentrechnung. Die Beispiele waren der Geschäftspraxis entlehnt. Auf die Form der Lösung wurde weniger Wert gelegt als auf Schnellig- keit und Sicherheit in der Ausrechnung. Bei dem am Schlusse des Schuljahrs angestellten Probearbeiten aus dem Gebiet der grundlegenden Übungen ergab sich ein recht erfreuliches Resultat. In den gewerblichen Klassen und in den Klassen für Ungelernte— zusammen 112 Klassen— lösten alle 5 Aufgaben im Durchschnitt 72,4% der Schüler; in den 44 kaufmännischen Klassen war das Ergebnis noch etwas günstiger; es lösten alle 6 Aufgaben im Durchschnitt 76,5% der Schüler. Die I. Qualitätsklassen in beiden Abteilungen erreichten im Durch- schnitt 95%.


