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diese Anordnung auch nicht im allgemeinen Interesse liegen, da dem Handel und Gewerbe nur kenntnisreiche und geschickte Arbeitskräfte nützlich sein können. Es kommt aber bei dieser Frage noch ein weiterer Umstand in Betracht. Wir machen vielfach die Erfahrung, daß Lehrmeister und Arbeitgeber aus leicht erklärlichen Gründen junge Leute aus der Umgegend von Frankfurt in Lehr- und Arbeitsstellen nehmen. Die einheimischen jungen Leute müssen den auswärtigen gegenüber zurückstehen und dann zusehen, wie diese zu Brot und Arbeit kommen, während sie stellenlos herumlaufen. Die Zahl der davon Be- troffenen dürfte nicht gering sein. In Rücksicht auf die heimische Jugend erscheint die Ausdehnung des Schulzwangs auch auf die auswärts wohnenden, aber in Frankfurt in Stellung befindlichen gewerblichen Arbeiter durchaus wünschenswert. Nach den neuesten gerichtlichen Entscheidungen kann dieser Zwang ausgesprochen werden.
Der Erfolg unserer Arbeit hängt zum weitaus größten Teile von dem guten Schulbesuch ab. Das verflossene Schuljahr zeigte in dieser Beziehung einen kleinen Fortschritt zum Besseren gegen das Vorjahr. Viele Prinzipale hielten ihre jugendlichen Arbeiter zum pünktlichen und regelmäßigen Schulbesuch an; einige namhafte Firmen machten sogar den Verbleib der Schüler in ihren Arbeitsstätten von der Erfüllung dieser Forderung abhängig. Trotzdem sind wir noch lange nicht an dem Ziel unserer Wünsche angelangt. Die wenigsten Versäumnisse weisen die kaufmännischen Klassen auf, die meisten die Klassen un- gelernter Berufe. Die Durchschnittsziffer der Versäumnisse(einschließ- lich Krankheit) beträgt 6,29%R. Je besser die Qualität der Schüler in den Klassen, desto niedriger ist die Versäumnisziffer. In den besseren kauf- männischen Klassen ist die Durchschnittsziffer nicht ganz 3 v. Hdt. Von den Handwerkerklassen haben die Maler und Weißßbinder, die Tapezierer und Dekorateure, sowie die Spengler und Installateure die meisten Ver-
säumnisse. Die Versäumnisse verteilen sich nicht etwa gleichmäßig auf
alle Meister, sondern es sind einzelne, die immer wieder Gründe zu finden wissen, ihre Lehrlinge dem Schulunterricht zu entziehen. Mit dieser Erscheinung zeigt sich zugleich eine andere, daß nämlich diese Meister auch minderwertiges Lehrlingsmaterial besitzen. Diese Tat- sache legt den Schluß nahe, daß die betreffenden Lehrherren sich ihrer Pflicht gegen die Lehrlinge nicht in dem erforderlichen Maße bewußzt sind. Sie sehen in dem Lehrling eine billige Arbeitskraft und nicht ein junges Glied ihres Standes. Damit schädigen sie nicht allein den angehenden jungen Handwerker, sondern auch den ganzen Stand und das Handwerk, indem sie verhindern, daß nur tüchtige und schaffensfreudige Glieder allen Berufen zugeführt werden, die den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung zu tragen
Schulbesuch.


