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Bürgerschulen zur Aufgabe dieser Räume veranlaßten, so überwogen die Vorteile der Zentralisation doch die vorhandenen Übelstände, sodaß letztere gern in den Kauf genommen wurden. Es hat sich aus der Benutzung eigener Gebäude mit zwingender Gewalt die Überzeugung herausgebildet, daß der Besitz eigener und zweckentsprechend einge- richteter Schulgebäude in allen Schulbezirken als ein wesentlicher Fort- schritt in der Entwickelung des Fortbildungschulwesens mit allem Nach- druck angestrebt werden muß; denn durch die Verwendung dieser Gebäude war neben besserer Wahrung unterrichtlicher Interessen die Möglichkeit gegeben, verschiedene Schulzeiten einzuführen und damit für manche Geschäfte Störungen und Unbequemlichkeiten zu verhindern, die sich hätten ergeben müssen, wenn sie genötigt gewesen wären, zu gleicher Zeit sämtliche Lehrlinge zur Schule zu schicken.
Weil eigene Gebäude zur Verfügung standen, konnte auch von vornherein die Anstellung hauptamtlicher Lehrkräfte ins Auge gefaßt werden. Im Schuljahr 1904 wurden 4, im Berichtsjahr 4 Lehrer und 2 Rektoren in das Hauptamt berufen. Ein bedeutungsvoller Schritt vor- wärts war die Umwandlung der nebenamtlichen Leitung im II. und III. Schulbezirk in eine hauptamtliche durch Austellung zweier Rektoren.
Günstig beeinflußtt wurden die Fortbildungsschulen durch den Um- stand, daß man ihnen von vornherein den Charakter der Berufsschule gab und damit den veralteten Standpunkt verließ, die Fortbildungsschule als eine Wiederholungsschule zu betrachten. Die Lehrpläne lassen keinen Zweifel darüber, daß der Beruf des Schülers den leitenden Gesichtspunkt für die Klassenbildung und den ÜUnterricht abgibt, sodaß sich der gesamte Unterrichtsbetrieb auf dem Grund der lebendigsten Anschauung um das Berufs- und Lebensinteresse des Schülers dreht. Der Schüler bringt dem fachkundlichen Unterricht ein größeres Interesse entgegen, weil er sich in dem Beruf gefördert sieht, den er sich als Lebensaufgabe gesetzt hat, und der Meister kann sich der Ansicht nicht verschließen, daß die Arbeit in der Schule der praktischen Ausbildung und der Tätig- keit des Lehrlings im Geschäft förderlich ist und ihm selbst somit zu Gute kommt. Dem auf beruflicher Grundlage beruhenden Unterricht steht ein reicher Lehrmittelschatz zur Veranschaulichung des Unterrichts- stoffes und zur Unterstützung des gesprochenen Wortes zur Verfügung. Wir verdanken die recht umfangreiche Lehrmittelsammlung den reich- lichen Geldmitteln, die uns im Etat zu Gebote standen, und der geschenk- weisen Zuwendung aus Freundeskreisen in der heimischen und aus- wärtigen Industrie. Es ist uns fast ebensoviel geschenkt worden, als wir käuflich erworben haben Günstig gestaltete sich auch die Lehrerfrage. Es fehlte uns nicht an tüchtigen und zweckmäßig vorgebildeten Lehr- kräften, die auch entsprechend den an sie nach Vorbildung und Tüchtig-


