Jahrgang 
1906
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Die Städtischen obligatorischen Fortbildungsschulen haben ihr drittes Lebensjahr vollendet. Sie konnten zum erstenmal Schüler und Schülerinnen nach vollendeter Schulpflicht zur Entlassung bringen. Der jüngste Sproß an dem weitverzweigten Baum der Jugend- und Volks- bildung hat somit die ersten Früchte gezeitigt. Hoffentlich entsprechen sie den an sie gestellten Erwartungen und lohnen damit die bedeutenden Opfer und Kosten, die der jüngsten Bildungsanstalt von der Gesamtheit und dem einzelnen gebracht werden. Alle, die am Ausbau der Fort- bildungsschulen mitgeholfen haben, waren sich bewußzt, daß Gewerbe- treibende wie Kaufleute den neuen Anstalten wenig Liebe entgegen- bringen würden; sie zweifelten aber auch nicht daran, daß sich die Abneigung allmählich vermindern und schließlich in Zuneigung umschlagen werde. Das ist der Lauf der Dinge überall gewesen, wo Fortbildungs- schulen errichtet wurden. Zu unserer großen Freude sei es nun gesagt, daß Schwierigkeiten nicht in dem Maße hervorgetreten sind, wie sie nach den Erfahrungen in anderen Städten erwartet werden mußten. Es hatte dies seinen Grund in verschiedenen der Entwickelung der Schulen günstigen Umständen; vor allem lag es daran, daß die Eröffnung der Schulen nicht, wie beabsichtigt war, Ostern 1902, sondern Ostern 1903 erfolgen konnte, weil die staatliche Genehmigung erst im Sommer 1902 einging. Durch die Hinausschiebung des Eröffnungstermins konnten die erforderlichen Vorbereitungen für den äußeren Schulbetrieb in hinreichendem Maße getroffen werden. Es war möglich, Lehrer in auskömmlicher Weise zu beschaffen und zweckentsprechend für ihre Tätigkeit durch Teilnahme an Kursen etc. vorzubereiten. Den Lehrern konnten auch ausführlich ausgearbeitete und gedruckte Lehrpläne in die Hand gegeben werden, die ihnen das Ziel und den Weg klar vorzeichneten und sie dadurch bewahrten vor groben Irrtümern, qualvollem Probieren und mühevollem Umherirren.

Dank der Überweisung alter Schulgebäude lediglich für Fort- bildungsschulzwecke vermochte die Schulleitung eine große Zahl von Klassen in zentral gelegenen und eigens für die Fortbildungsschulen her- gerichteten Räumen unterzubringen. Es waren dies die alte Karmeliter- schule, das alte Gymnasium in der Predigerstraße und die alte Drei- königsschule in der Schulstraße. Wenn der Schulbetrieb in diesen Ge- bäuden auch unter den gleichen Mißständen zu leiden hatte, die die

Rückblick auf die abgelaufene dreijährige Periode.