Jahrgang 
1905
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Unterrichts- stunden und zeiten.

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Modell wird zunächst in einer freihändigen Bleistiftskizze dargestellt und mit den vom Schüler selbst am Modell ausgemessenen, zur Herstellung notwendigen Maßzen versehen. Sie soll nur die nötigen Risse ent- halten, während die genaue Konstruktion von etwa vorkommenden Schnitten und Drehungslinien, die Vornahme von Drehungen, die An- nahme neuer Prjektions-Ebenen, die parallel-perspektivische Darstellung, sowie die Abwicklung allein in die Reinzeichnung gehören. Jede fertige Freihandskizze muß so beschaffen sein, daß darnach die richtige Zeich- nung des Gegenstandes gefertigt werden kann, ohne daß weitere münd- liche Erklärungen nötig sind. Die Reinzeichnung geschieht ganz unab- hängig von dem darzustellenden Modell. Sie wird mit wenigen Ausnahmen nur in Blei ausgezogen und auch mit Blei- oder Buntstift schraffiert. Auf alle malerischen und plastischen Darstellungen kann verzichtet werden. Nicht auf das äußere Aussehen ist der Hauptwert zu legen, sondern auf die richtige Darstellung und die genaue Angabe aller für die Ausführung nötigen Maße.

In allen Klassen umfaßt der Unterricht 6 Stunden wöchentlich, die sich auf 3 Tage verteilen und je nach dem Bedürfnis der einzelnen Ge- werbe verteilt sind. Aus Handwerkerkreisen sind wiederholt Anträge gestellt worden, die Stunden auf 2 Tage der Woche zu verlegen, weil den Geschäften aus den teilweise weiten Schulwegen der Schüler große Zeitverluste und damit schwere Schädigungen erwüchsen. Zweifelsohne ist dieser Grund nicht ohne Berechtigung und daher nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Andererseits darf aber nicht übersehen werden, daß die Schule neben der unterrichtlichen eine wichtige erzieherische Aufgabe hat, der sie um so leichter gerecht werden kann, je häufiger sie ihre Schüler um sich zu versammeln vermag. Die Zusammenlegung der Stunden hat also Vorteile und Nachteile. Immerhin dürfte es sich empfehlen, damit einmal einen Versuch zu machen und die zweimalig 3 stündige Unterrichtszeit einzuführen. Es wird sich dann zeigen, ob ohne Schädigung der Schule die Geschäftsinteressen gewahrt werden können. Im allgemeinen richten sich die Wünsche auf die Vormittags- stunden. Im verflossenen Schuljahre wurden am Vormittag unterrichtet: Kaufleute, Schneider, Bäcker, Schreiner, Schlosser und Auslaufer. Be- sonders begehrt wurde der Vormittagsunterricht von den sogenannten Ungelernten, die in den Morgenstunden am leichtesten im Geschäft ent- behrt werden können. Seit der Einführung des Unterrichtes in den Vormittagsstunden für die Ungelernten sind die Schwierigkeiten, welche die Arbeitgeber den Auslaufern bereiteten, im Abnehmen begriffen. Die Schule selbst kann durch den Vormittagsunterricht nur gewinnen, da er ihr es ermöglicht, weitere Lehrer im Hauptamt zu beschäftigen. Auch hat sie es in dieser Zeit mit Schülern zu tun, die ohne Ermüdung