Jahrgang 
1905
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füllt hat und imstande ist, an dem weitergebenden ÜUnterricht in der untersten Befähigungsstufe seiner Berufsklasse mit Erfolg teilzunehmen. Bei ca. 50% der Schüler der Vorklassen war die Versetzung möglich.

Unsre Lehrpläne lassen keinen Zweifel darüber, daß sich der ganze Unterrichtsbetrieb auf dem Grund der lebendigsten Anschauung um das Berufs- und Lebensinteresse des Schülers dreht. Demazufolge tritt in der gewerblichen Abteilung die Berufskunde in den Mittelpunkt des Unterrichts, während Deutsch, Rechnen, Zeichnen u. s. w. zu dem Hauptfach die Stellung von Hülfsfächern einnehmen. Die Berufskunde soll alle diejenigen Kennt- nisse vermitteln, die der Lehrling, der Geselle, der Meister zu einer erfolgreichen Betätigung in seinem Wirkungskreis, sowie auch namentlich zur Erfüllung seiner sozialen Pflichten in Gemeinde und Staat nötig gebraucht. Sie umfaßt demnach Lehrstoffe aus der Technologie, der Naturgeschichte, der Physik und Chemie, der Geschichte und Geographie, der Gesetzeskunde und Volkswirtschaftslehre, jedoch nur solche und insoweit, als sie zum Verständnis des gewerblichen, bürgerlichen und nationalen Lebens erforderlich sind. Sie sollen so angeordnet werden, daß sie kein zusammenhangloses Allerlei, sondern ein durch wirkliche Verhältnisse fest gegründetes Gedankengebäude bilden. Wenn wir in unsern Fortbildungsschulen fachgewerblichen Unterricht petreiben, so soll damit nicht gemeint sein, daß das Gewerbe oder das Handwerk in der Schule gelernt werden könnte oder sollte. Die praktischen Handgriffe eignet sich der Lehrling in der Werkstatt an, die theoretische Belehrung dazu gibt ihm die Schule. Der Werkstatt und dem Geschäft gebührt die technische, der Schule die geistige Ausbildung. In diesem Unterricht kommt auch die allgemeine Bildung nicht zu kurz, die es darauf abzielt, nicht nur geschickte, kenntnisreiche und selbständig urteilende, sondern auch sittlich tüchtige Arbeiter, gebildete und werktätige Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft, tüchtige Bürger des Staates, kurz edle Menschen zu bilden und zu erziehen. Die Parole für unsere Fortbildungs- schulen lautet demnach: Allgemeine Menschenbildung im Rahmen spezieller Berufsbildung. Dem praktischen Sinn, der leicht in Egoismus ausartet und dann das Höchste in der Wahrung persönlicher Vorteile erblickt, muß die Begeisterung für ideale Güter, für große Männer und Zeiten an die Seite gesetzt werden. Vor allem dürfte hier die Lektüre das Mittel sein, für das Ideale zu begeistern, zu ästhetischem Genuß zu erziehen, dem erwachenden geschichtlichen Sinn durch Schilderungen großer Männer und Zeiten veredelnde Nahrung zu geben. Der Lektüre liegt dasFrankfurter Lesebuch für Fortbildungsschulen zu Grunde.

In den kaufmännischen Klassen sind die Versuche noch nicht ab- geschlossen, um zu einem endgültigen Urteil darüber zu gelangen, ob es mit Erfolg durchführbar ist, den gesamten ÜUnterrichtsstoff um einen

Unterrichts- gegenstände.

a. Gewerbekunde.

b. Deutsch.