Jahrgang 
1929
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i) Werkunterricht.

Im Sommer- wie im Winterhalbjahr wurden folgende Kurse abgehalten: 1. Modellieren, 3 Kurse(Zeichen- lehrer Diehl), Teilnehmer aus VI bis UII, 2. Pappen, 2 Kurse(St.-R. Dr. Lenz), V bis IV, 3. Buchbinden(St.-R. Dr. Six). OlII bis Oll. nur im Wiater, 4. Schreinern, 2 Kurse(St.-R. Dr. Lepke), UII bis Ol, 5. Graphik(Zeichen- lehrer Windisch), Oll bis Ol, 6. Photographie(St.-R. Dr. Richters), UII bis Ol, 7. Drucken(Zeichenlehrer Diehl).

Es konnten in diesem Jahre zwei Schreinerkurse eingerichtet werden, ein Kursus für Anfänger und einer für Fortgeschrittene. Ein neuer Versuch war die Einrichtung eines Kursus im Drucken. Erwünscht wäre uns für den weitéren Ausbau unseres Werkunterrichts die Einrichtung einer Werkstatt für Metallbearbeitung. Leider ist ein dahinzielendes Gesuch abgelehnt worden. Dagegen ist die von verschiedenen Seiten immer wieder erhobene For- derung der Unentgeltlichkeit des Werkunterrichts für das kommende Schuljahr von den städtischen Behörden bewilligt worden.

Wié alljährlich wurde zu Ostern eine Ausstellung des gesamten Werkunterrichts veranstaltet.

Im Auftrag der Städtischen Schulbehörden hat der Unterzeichnete einen Kursus zur Ausbildung von Lehrern und Lehrerinnen in Pappen und Buchbinden abgehalten; ferner hat er sich im Auftrage der Reichsberatungsstelle für Werkunterricht mit einem Vortrag überWerkunterricht im Bildungsplan der höheren Schulen an einer Werbeveranstaltung in Wiesbaden beteiligt. Lenz.

1) Modellieren

Da gerade das Modellieren für die Entwicklung der Beobachtungs- und Vorstellungsgabe und für das Form- gefühl des Kindes von so groftem Nutzen ist, wurden Ostern 1928 wieder drei Kurse eingerichtet. Auch hier galt der Unterricht in engster Verbindung mit dem Zeichen- und Deutschunterricht ganz besonders dem phantasie- mäßigen Darstellen von Dingen und Vorgängen aus der Vorstellungswelt des Kindes. Der Unterricht erstreckte sich vornehmlich auf: Modellieren aus der Phantasie, nach dem Gedächtnis, aus der Erinnerung, Köpfe aus der Phantasie, Tiere. Masken und Blumen. In gemeinsamer Arbeit wurde von Schülern der Sexta bis Quarta ein Negerdorf gebaut. Diehl.

2) Pappen

Nach wie vor wurde Wert gelegt auf die Ubung des Auges neben der Ubung der Hand und auf die Bildung des Geschmadks. Für die Anfänger kamen in erster Linie Flacharbeiten in Betracht, für die Fortgeschritteneren Schalen und Kästen. Uberall wurden selbstgefertigte Uberzugspapiere verwendet. Lenz.

3) Buchbinden

Da im Sommerhalbjahr die Obertertien die Wegscheide besuchten und der Kursusleiter sich auf einer Aus- landsreise befand. konnte der Kursus im Buchbinden nur im Winterhalbjahr stattfinden. Es beteiligten sich Schüler und Schülerinnen von OIII bis Oll. Nach Besprechung des Materials, des Werkzeugs und der verschiedenen Ein- bandarten wurden im Laufe des Kursus die verschiedenen Arbeitsvorgänge erläutert, gezeigt und geübt. Die meisten Teilnehmer des Kursus stellten mehrere Halbleinenbände her, während die, die sich bereits am vor- jährigen Kursus beteiligt hatten, sich an Ganzleinenbänden oder mehrbändigen Werken versuchten. 8

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4) Schreinerei

Im Kursus für Anfänger wurde die Arbeit in gleicher Front durchgeführt und die Schüler soweit gefördert. daß sie außer den grundſegenden Fertigkeiten des Hobelns und Sägens die wichtigsten Ilolzverbindungen, also Zapfen, Graten und Zinken in verschiedener Form kennen lernten. Die Reihenfolge der Werkstücke war: 1. Blumenampel, 2. Wechselrahmen für Bilder mit auf Gehrung gezapften Edverbindungen, 5. Bücherbrett oder Wandbrett mit durch Grat eingesetzten Brettern. 4. einfacher Kasten mit gezinkter Ekverbindung. Im Kursus für Fortgeschrittene konnten die Schüler Werkstücke nach eigenem Wunsch herstellen, so u. a. 2 Sessel, 1 Boot. 2 Liertische, 2 Wandschirme, Schreibzeuge, elektrische Stehlampen, 1 kleiner Notenschrank, 2 Blumenkrippen. Aufterdem wurde ein für die physikalische Sammlung bestimmter Apparat zum Nachweis des Gesetzes von Biot- Savart angefertigt. Lepke.

5) Grapnik(Linolschnitt)

Der Kursus setzt zeichnerische Begabung und eine gewisse Reife im formalen Können voraus, sollen die Resultate des Linolschnittes sich nicht im Spielerischen und im Zufälligen äufterer dekorativer Effekte erschöpfen. Daher wird dieser Kursus auch nur von den talentierten Schülern der Oberstufe besucht. Doch wirkte in der zweiten llälfte dieses abgelaufenen Schuljahres auch ein besonders für das Figürliche begabter Obertertianer in dem graphischen Kursus erfolgreich mit. Während im vorhergehenden Schuljahre im Linolschnitt hauptsächlich landschaftliche Motive zur Darstellung gelangten, wurde in diesem Jahre neben der Landschaft vor allem die menschliche Gestalt mit dem Schnitzmesser ins Linoleum gegraben. Daßf das Figürliche stärker gepflegt wurde, ergab sich einfach aus dem Umstand, daft bei einigen der Kursusteilnehmer hierfür lebhafte Neigung und Be- gabung vorlag. Es entstanden auch in diesem Jahre wieder sehr bpeachtenswerte, schöne Blätter; darunter Arbeiten, die das Durchschnittsniveau guter Schülerleistungen deutlich überragen. Abgezogen wurden die Schnitte auf den verschiedensten, zum Teil farbigen Papieren. Windisch.

6) Photographie

Im allgemeinen war das Interesse an den gemeinsamen Arbeiten rege, wenn man auch beobachten konnte, daß die Schüler, die nicht über einen eigenen Apparat verfügten und damit das Gelernte nicht anwenden konn- ten, weniger intensiv mitgingen. Soweit es möglich war. wurde ihnen der(recht primitive) Schulapparat zur Ver- fügung gestellt. Der Ausbildungskursus umfaftte: Erklärung von Apparat und Optik, der Begriffe Lichtstärke, Brennweite, Einstellübungen, Benutzung der Belichtungstabelle, Aufnahmen mit verschieden lichtwertigem Plat-

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