Jahrgang 
1929
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Für die Obertertia fordert der Lehrplan eine weitere Vertiefung in das Maschinennähen und die Einführung in die Weifstickerei. Im ersten halben Jahr wurde in dieser Klasse ein Nachthemd gearbeitet nach einem nadh eigenen Maften gezeichneten Schnitt. Gemeinsame Besprechungen über Verzierungsmöglichkeiten, veranschaulicht durch Tafelzeichnungen, gaben den Schülerinnen vielseitige Anregungen zur Ausführung einer geschmackvollen Verzierung. Im letzten halben Jahr arbeiteten die Mädchen Taschentücher und kleine Deckchen in Weißstickerei.

Wie aus dem für die einzelnen Klassen aufgestellten Stoffplan ersichtlich ist, liegt der Hauptwert des moder- nen Nadelarbeitsunterrichtes in der zweckmäftigen und geschmackvollen Durcharbeitung jedes Gegenstandes und nicht wie früher in der vielseitigen Erlernung und dem stumpfsinnigen Üben von Techniken. Der Nadelarbeits- unterricht soll also nicht nur die technischen Fähigkeiten entwickeln. sondern die Mädchen vor allem an durch- dachte Arbeit gewöhnen und ihr Geschmacksurteil bilden. Merkel.

h) Arbeitsgemeinschaften. Philosophie

In den philosophischen Arbeitsgemeinschaften wurden behandelt: in den Oberprimen die Hauptschriften von Descartes. Aus ihnen wurden die Grundlagen der französischen Aufklärung herausgestellt. Diese wurde dann in ihren philosophischen und politischen Auswirkungen weiter behandelt. Die Verhältnisse, wie sie sich durch die Aufklärung in den angelsächsischen und germanischen Ländern herausgebildet hatten, gaben wertvolles Material zum Verständnis unserer heutigen Zeit. In den Unterprimen wurden Fichtes Reden an die deutsche Nation durchgenommen. Daran liefien sich ohne grofte Schwierigkeiten die Grundbegriffe für Staat und Nation entwickeln. Zur Vertiefung dieser Begriffe wurden die Schriften von Oppenheimer(Der Staat). Otto Bauer(Die Natio- nalitätenfrage und die Sozialdemokratie) und Vierkandt(Gesellschaftslehre) herangezogen. Mit diesem Material war es nicht mehr schwer, den Teilnehmern einen Uberblick über die Entstehung deutscher Art im 18. Jahr- hundert zu geben und ihnen vor allem zu zeigen, was uns heute noch zu tun übrig bleibt, um für die Entwick-

lung vom Volksstaat zum Staatsvolk die rechten Wege einzuschlagen. Oehlert. Physik

Eingehende Versuche über die elektrischen Gesetze von Biot-Savart, Kirchhoff. joule und Ampèére: die letz- teren für Gleich- und Wechselstrom. Wattmeter. Bestimmung der Temperaturkoeffizienten von Metallen

mittels der Wheatstoneschen Brücke. Magnetische Felder von Solenoiden: Bestimmung der Permeabilität von Stahldrähten. Leistung und Wirkungsgrad eines Elektromotors mittels des Prony'schen Zaumes. Versuche über IIysteresis:; Erzeugung von magnetischen Drehfeldern. Erzeugung der letzteren mittels Stromverzweigung und Selbstinduktion. Bestimmung von Selbstinduktionskoeffizienten und Phasenverschiebungen nach der Methode der Abzweigung und mit der Wheatstone'schen Brücke. Messung der Leistung eines Wechselstroms nach der Drei- Voltmeter-Methode. Bestimmung der Periodenzahl des städtischen Netzstromes nach der Resonanz- und der stro- boskopischen Methode.

Aus der Mechanik: Kreiselversuche, Coriolis-Beschleunigung. Zusammensetzung von Drehungen, Foucault'scher Pendelversuch. Feder.

Chemie und Geologie

An der chemischen Arbeitsgemeinschaft nahmen 15 Schüler aus den Klassen UI und Ol teil. Um die Schüler zu eigenen Beobachtungen in der Heimat anzuregen, wurde dem Kurs dieVorschule der Geologie von Johannes Walther zugrunde gelegt, unter ständiger Benutzung der Sammlung der Schule. Gleichzeitig wurden über Haupt- fragen der Geologie Vorträge gehalten unter Zugrundelegung der einschlägigen Fachliteratur. Besonderer Wert wurde auf die geologischen Verhältnisse des Frankfurter Stadtgebiets gelegt. Größere Wanderungen in die wei- tere Umgebung konnten nicht durchgeführt werden, zumal der größtte Teil der Schüler von auswärts kam. Als Ersatz hierfür, wenn auch notgedrungen, fanden die Exkursionsberichte der Sendkenberg. Naturw. Gesellschaft eine Besprechung. Das Senckenbergische Museum wurde gemeinsam besucht.. Richters.

Biologische Wanderungen

Die biologischen Wanderungen wurden in diesem Jahre mit 12 Schülern der Ola durchgeführt mit dem haupt- sächlichsten Ziel, die Biologie unseres Waldes kennen zu lernen. Besucht wurden hauptsächlich der Frankfurter Stadtwald und der Taunus. Den Abschluß bildete ein Vortragsabend im Rahmen des Vereins der Freunde und Förderer der Ziehen-Oberrealschule am 5. Dezember, an dem durch ca. 70 Lichtbilder von dem Leiter der Wan- derungen der Elternschaft gezeigt werden konnte, was auf solchen Wanderungen beobachtet wurde. Die Licht- bilder für den Vortragsabend stammten zu 70 Prozent aus Aufnahmen., die auf den Wanderungen von den Schü- lern aufgenommen wurden, und waren von Achenbach Ola hergestellt. Lepke.

Kunstgeschichte

Für Obersekunda war die Aufgabe entsprechend dem übrigen Pensum der Klasse Altertumskunde. Charak- teristische Einzelwerke gaben einen Uberblick von der archaischen bis zur hellenistisch-römischen Kunst und Vergleiche mit Werken späterer Zeit weckten Verständnis für das Fortleben der Antike. Die Ubungen fanden zum Teil in der Sammlung des archäologischen Instituts der Universität und im Liebighaus statt.

In Prima zeigte uns die Kunst des Nittelalters das Aufsteigen deutscher Art. Unser Besuch galt außer der AusstellungAus altfrankfurter Bürgerhäusern besonders dem Frankfurter Kaiserdom. Die Werke Albrecht Dürers und Matthias Grünewalds gaben ein Bild vom Ringen des deutschen Menschen.

. Scheuerpflug. Englische Arbeitsgemeinschaft

Das Thema der Arbeitsgemeinschaft war: Einführung in das englische Leben der Gegenwart. Benutzt wurde hierbei Sander-Cliffe: Grofbritannien. Vorträge der Schüler wechselten ab mit Diskussionen über aktuelle poli- tische oder kulturpolitische Stoffe. Herborn.

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