Die besonders fesselnden Erscheinungen aus dem Gebiet der Wärmelehre gingen deshalb der exakteren Be- handlung der Mechanik vorauf.— Größerer Wert wurde auf die gründliche Erarbeitung einiger weniger Pro- bleme als auf die Gewinnung einer allgemeinen Ubersicht der beiden Gebiete gelegt.— An besonderen Arbeits- formen sind hervorzuheben: 1. Schülerübun en(Messen. Wiegen, Zeitbestimmungen, Thermometer, Schwerpunkt, Hebel). 2. Schülerversuche im Unterricht. 5. Versuchsreihen, deren Auswertung, graphische Darstellung. 4. Sprach- liche und mathematische Formulierung der Gesetzmäfiigkeit. 5. Lösung physikalischer Aufgaben. 6. Anleitung zum Apparatebau. 7. Schülervorträge.
OBERTERTIA
Verbindender Obergedanke des gesamten Unterrichts war, die Entwiclung des deutschen Wesens und der deutschen Kultur in der Zeit vom Dreifiigjährigen Kriege bis zu den Befreiungskriegen aufzuzeigen. Die hohe Bedeutung sowohl der rein historischen, wie auch der religions-, sprach-, kultur- und kunstgeschichtlichen Seite des Leitgedankens bedingte enge Zusammenarbeit und gegenseitige Ergänzung der Lehrfächer Geschichte, Deutsch. Religion und Musik. Auch in der Mathematik und Physik wurde dem Obergedanken durch die Lösung von Auf- gaben aus alten Sammlungen, in der sprachlichen Form der vergangenen Jahrhunderte geboten, bzw. durch die flerausstellung bedeutungsvoller Persönlichkeiten des genannten Zeitraums, soweit Lut dieser Stufe möglich, Rechnung getragen.— Als Arbeitsformen fergaben sich auf der Grundlage des Arbeitsprinzips: selbständige Er- arbeitung der Unterrichtsaufgaben, durch die Schüler unter der richtunggebenden Führung des Lehrers, ferner vorbereitende zielgerichtete Hauslektüre, Führungen durch Kulturstätten, Bauten, Sammlungen der letzten Jahr- hunderte, Betrachtung von Kunstwerken dieser Zeitepoche, endlich Verwertung von Eigenerlebnissen, Beobach- tungsaufgaben, Messungen, Schülerversuche.— Als Arbeitsleistungen sind zu nennen: zusammenfassende YVor- träge über die Arbeitsergebnisse, schriftliche und mündliche Auswertung in Niederschriften, Gliederungen. Ver- gleichen. Tabellen, graphischen Darstellungen, Skizzen.— Bemerkenswerte Hemmungen zeigten sich bei dein Klassendurchschnitt in der mangelhaften Sprechfähigkeit der Schüler sowie in fehlenden, bzw. nicht gefestigten Unterrichtsgrundlagen als Folge zu grofer Klassenstärke in den voraufgegangenen Jahren. Die Klassen konnten erst in UIII geteilt werden. Am schwersten hatten bis in die letzte Zeit hinein die sprachlichen Fächer mit diesen die Fortschritte recht ungünstig beeinflussenden Erscheinungen zu kämpfen. Uber Vergeflichkeit und Nach- lässigkeit bei der Anfertigung der Hausarbeiten wurde öfters Klage geführt. Bei einigen Schülern fehlte hier die der ule so dringend nötige Hilfe des Elternhauses leider ganz.— Im Rahmen des Leitgedankens ergaben sich für die Einzelfächer folgende Sonderaufgaben:
Geschichte: Die Zeit von 1648 bis 1815. Besonderes Gewicht wurde auf die französische Rheinpolitik, auf das Vordringen Frankreichs zum Rhein gelegt. Gelegentliche Lektüre von Gustav Freytags Bildern aus der, deutschen Vergangenheit und der Schaffsteinschen Schriften für die Zeit Napoleons.
Deutsch: Ausgewählte Schriftsteller, die über geschichtliche Erlebnisse und kennzeichnende Merkmale des deutschen Wesens im 7eitabschnitt von 1618 bis 1815 Aufschluß geben(vgl. Lektürplan). Uber Volkskunde und geschichtliche Entwicklung deutschen Wesens gaben auch Kapitel aus der Sprachgeschichte dieses Zeitraums Ansldunft. die Lehnwörter und Fremdwörter, die deutschen Familiennamen, Bildersprache, Werden und Vergehen von Wörtern.
Ev. Religion: 1. In kirchengeschichtlicher Beziehung: Grundlegung der Uberzeugungstreue gegen die von den Eltern übernommene Form des evangelischen Christentums. Zum tieferen Verständnis wurde auf die Eigenart des Mittelalters zurückgegriffen. 2. Das Jubiläum des Katechismus bedingte ein tieferes Eingehen auf seine Be- deutung als Grundlage unseres Gemeinschaftslebens. 5. Bei der Lektüre des„Christlichen Adels deutscher Nation“ wurden die politischen Bedingtheiten betont, bei Luthers Lebensbild dagegen der gewissensgetriebene Glaubens- drang des Reformators. 4. Orthodoxismus, Pietismus und Aufklärung nach der geschichtsphilosophischen Seite hin. 5. Baustile als Ausdrud der Lebensstile der entsprechenden Epochen.
Kath. Religion. Für das kath. Stoffpensum war die Devise aufgestellt:„Wahrheitserkenntnis führt zum Wahrheitsbekenntnis“. Die Glaubenslehre, die Sittengesetze und die Gnadenlehre— ein kirchlicher Dreiklang— wurden vertieft unter dem einheitlichen Gesichtspunkte, daß das Dogma eine Hochschule geistiger Fernblicke. das Sittengesetz ein Höhenweg sittlicher Größe, die Gnade ein Iochaltar übermenschlicher Heldenkraft für den reifenden Flenschen wird. Wie bei der neuesten Reform des Geschichtsunterrichtes die„Staatsbürgerkunde! sehr stark betont wird, weil sie von gröftter Bedeutung für die Ausbildung der Schüler ist, so wurde im Religions- unterricht dem neuzeitlichen Rufe„Mehr Kirchenkunde“ volles Verständnis entgegengebracht. Da die Schüler gerade für die Kirche der Gegenwart ein lebhaftes Interesse zeigen, das in seiner Bedeutung für die Religion nicht unterschätzt werden darf, so wurden besonders besprochen: Bistümer, die wichtigsten Orden, die innere und äuftere Mission, die bedeutendsten karitativ-sozialen Vereine und Verbände. Auch die Lösung der römischen Frage wurde eingehend gewürdigt.
Musik: 1. Formenlehre: Xltere Tanz- und Marschlieder. Die Suite. Präludium und Fuge. Der ÜUbergangsstil bei Em. Bach. 2. Musikgeschichte: Das historische Lied. Der Choral in seiner ursprünglichen Form. Das Kunst- lied im 17. Jahrhundert. 3. Gesangstoff: Tanz- und Reigenlieder, Landsknechtslieder, Pavierlieder. Lieder aus dem Siebenjährigen Krieg. Rhythmische Choräle. Sololieder aus der Kklassischen und romantischen Periode, Lieder von Krieger. Albert. Bach.— Die übrigen Unterrichtsfächer konnten wegen ihrer besonderen, andersgerichteten Ziele dem Obergedanken nur in geringerem Mafe dienen.
Englisch: Das Fach knüpft auf dieser Stufe nur lose an die geschichtlichen und inhaltlichen Gesichtspunkte anderer Fächer der Klasse an. Das Hauptgewicht muf auf die fortschreitende Fähigkeit im Gebrauch der Sprache gelegt werden. Dauernder Gebrauch der Fremdsprache in Frage und Antwort, sowie die mündliche und schrift- ſiche Wiedergabe von Gelesenem in zusammenhängender Rede dienten der Erreichung dieses Zieles. Sorgfältige Auswahl der Lektüre ermöglichte Ubersetzungen ohne Vorbereitung und führte zu dem Erfolg, daß mündliche Inhaltsangaben wie auch kleine Aufsätze über den so bearbeiteten Text befriedigend gelangen.


