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Von der engeren Heimat aus wurde versucht, die weitere Heimat, unser deutsches Vaterland. zu erfassen. Nahezu alle Fächer konnten hierbei zusammenarbeiten. Auch die Ausflüge dienten z. T. diesem Ziel.
Im Deutschen wurde die heimatliche Mundart noch besonders in der Richtung der Vergleichung mit den Mundarten angrenzender Gebiete weiterbehandelt. Die Hochsprache machte auf dieser Klassenstufe vielen noch grofſte Schwierigkeiten im Ausdrud, in der Aussprache und in der Grammatik. Zu den üblichen mündlichen und schriftlichen UÜbungen traten kurze Vortragsübungen über selbstgewählte Stoffe, um die Schüler an das freie Sprechen zu gewöhnen.
Im Rechnen wurde besonders die Anwendung der Bruchrechnung an Beispielen aus dem täglichen Leben, dem Verkehr und der Technik unserer Umgebung geübt.
Zur Vertiefung des Geschichtsunterrichts wurden die in unserer engeren und weiteren Umgebung zahlreich vorhandenen historischen Stätten besucht und ihre Beziehungen zur deutschen Geschichte aufgezeigt.
In der Erdkunde fanden die Arbeitsmethoden der Sexta ihren weiteren Ausbau. Besonders geübt wurden Kartenlesen und Kartenzeichnen, sowie das Anstellen von Beobachtungen über unser Klima und das Wetter. Die Vertiefung des gesamten Unterrichts wurde durch Aussprachen über persönliche Reiseerlebnisse und da- bei gemachte Beobachtungen von Land und Leuten angestrebt.
In der Biologie wurde besonders die vergleichende Betrachtung einheimischer Blütenpflanzen, ferner von Vertretern der hier vorkommenden Wirbeltiere und Gliederfüßler geübt. Die Gewinnung eines tieferen Ein- blicks in das Wesen der Lebensgemeinschaft wurde durch Beobachtung unserer Wasserflora, unserer Sümpfe. Wiesen, Acker, Heide und Wälder versucht. Für die Prarbeitung der Beziehungen zwischen Pflanze und Mensch standen uns Getreidearten, Fruchtbäume, Gift- und Arzneipflanzen genügend zur Verfügung. Leider hindert uns unser dürftiger Schulgarten daran, den Unterricht der ganzen Klasse während des Sommers in diesen zu verlegen.
Im Französischen wurde das schnelle Fortschreiten in der durch den Unterricht in VI bestimmten Richtung durch die sprachliche Unbeholfenheit vieler Schüler oftmals gehemmt. Es müftte durch die Eltern viel mehr Wert auf zusammenhängendes deutsches Sprechen ihrer Kinder gelegt werden.
Im kath. Religionsunterricht wurde besonderer Wert darauf gelegt, daß in den Schülern tieferes Verständnis für die kirchlichen Feste wach wurde. Viel Freude bereiteten den Schülern die christlichen Ieldengestalten, deren Leben in persönliche Beziehung zu den Kindern gebracht wurde. Im Katechismusunterricht kam es uns beson- ders darauf an, anschaulich zu zeigen, wie die Erfüllung der Pflichten gegen Gott und den Nächsten zu sittlichem Ernst und echter Menschlichkeit erzieht.
Im Erdkundeunterricht wurden bei der Behandlung der Länder Furopas die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland besonders hervorgehoben und die Eigentümlichkeiten fremder Völker durch häufigen Vergleich mit den heimatlichen Verhältnissen veranschaulicht. Regelmäßige Ubungen gaben Anleitung zu einem sinnvollen Kartenlesen. Auf graphische Darstellung von Bodennutzung, Klima und Temperatur wurde Wert gelegt.
Im ev. Religionsunterricht wurde die Bedeutung des Alten Testaments für das Leben des einzelnen im Ver- hältnis zu seiner Umwelt, die sich allmählich aus dem Familienkreis bis zur Menschheitsfamilie erweitert. her- ausgearbeitet. Es erwuchs das Gefühl der Wichtigkeit eigenen Quellenforschens. Dabei war der Ausgangspunkt die Bibel selbst. Großer Wert wurde auf das Vorlesen gelegt; dessen Hauptziel war das Verständnis des Hörers. Auch der Katechismusstoff wurde bewuft nach der Seite der persönlichen Durchdringung und des ruhigen, siche- ren Sprechens hin fruchtbar gemacht.
Für den Zeichenunterricht stand immer noch das phantasiemäßige Darstellen aus der Umgebung und Ideen- welt der Kinder, freilich in reicheren Formen, im Vordergrund. In Verbindung mit dem Deutschunterricht wurde das bildhafte Gestalten von Gelesenem geübt. Die Parallelperspektive wurde in Verbindung mit modernen Bau- formen angewendet. Weiter wurden die Kinder mit der Groteskschrift und ihrer Anwendung bei einfachen Reklameschildern bekannt gemacht. Gelegentliches Zeichnen nach der Natur und das Betrachten leichtverständ- licher Kunstblätter wechselten mit dem übrigen Unterricht ab.
In den Leibesübungen stand auf dieser Klassenstufe die Erlernung der Schwimmfertigkeit mit im Vorder- grund. Für den im Sommer im Strandbad Mackh und im Winter im Städtischen Schwimmbad erteilten Schwimm- unterricht wurden die beiden Spielstunden genommen. Kühle Vormittage zu Anfang der Sommerzeit, die Nidda- regulierung im Spätsommer, dazu die bittere Kälte und der Umbau des Städtischen Schwimmbades zwangen zum Ausfall der Hälfte der Schwimmstunden. In diesem Jahre wurde mit Handüberhandschwimmen angefangen, nicht wie bisher mit dem Brustschwimmen. Dieser Versuch ist nicht gelungen, So haben wir die günstigen Ergebnisse. die wir im vergangenen Jahre mit der IV hatten, in diesem Jahre nicht erreicht.— Für das Geräteturnen im Winter galt als Ziel die UÜberwindung natürlicher Hindernisse, die Abhärtung beim Berühren der Geräte, die Mutbildung und das Erringen von Ausdauer.
QUARTA
Im Deutschunterricht war es notwendig, immer wieder auf die richtige Bildung der Sprachlaute hinzuweisen. In der mündlichen Ausdrucksweise wurde weiter an der Beseitigung unschöner dialektischer Eigenheiten ge- arbeitet. Beim Vortrag der selbstgewählten Gedichte erschien als die llauptsache, das Gefühl für die grund- legenden Erfordernisse künstlerischen Gestaltens zu entwickeln. Der mündliche Bericht über Selbsterlebtes gab reichlich Gelegenheit, den freien Vortrag zu üben.— Bei der Behandlung der Sprachlehre(Konjugationen, Neben- sätze, Zeichensetzung) wurde das Französische in weitem Umfang zum Vergleich herangezogen.
Im französischen Unterricht bestand das Hauptziel darin, den Abschluß der Formenlehre zu erreichen und hierin besonders eine sichere Kenntnis der„unregelmäßigen“ Verben zu erzielen. Beim Ieranziehen des Deut- schen zum Vergleich in der Satzlehre machte sich die Uneinheitlichkeit der grammatischen Fachbezeichnungen in


