Jahrgang 
1928
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Drankfurter Stadtgeschichte und14 Tage Weltge- schichte. Aufterdem wurden natürlich auch Schulfragen eingehend behandelt. Hieber O IIa sprach z. B. über Die Ausgestaltung des Schülerheims und gab dabei eine Reihe von praktischen Anregungen. Der darauf- bin von mir vorgeschlagene kleine Ausschuft konnte schon S Tage später unter Leitung des Herrn Oberstu- dienrats Dr. Gerlach auf Antrag das Schülerheim nach- mittags freigeben. Gerade beim Schülerheim kann nicht alles von heute auf morgen den Wünschen gemäß ge- regelt werden, um auch nur das Notwendigste herbeizu- schaffen. Ein Vortrag von Becker O IIb beschäftigte sich auch mit der Haus- und Hofaufsicht. Ein Teil seiner wertvollen Vorschläge konnte bereits inzwischen ver- wirklicht werden.

Mitte Februar hielten im Rahmen der Schulgemeinde unsere vorjährigen Kameraden Weiß und Rosalino Vorträge über die von ihnen gegründete freie Burschen- schaftMoeno-Frankonia. Wir sahen in diesem Vor- trag weniger die Absicht einer Werbung. Vielmehr freute es uns, feststellen zu können, daß der Kamerad- schaftsgeist der Schulgemeinde auch über die Schule hinaus lebendig bleibt. Solche Vorträge sind gerade des- halb für uns bedeutungsvoll, weil sie uns über die Zeit unmittelbar nach Verlassen der Schule wertvollen Auf- schluß geben. Deshalb sehe ich auch dem noch aus- stehenden Vortrag unseres früheren Kameraden Schmitt über dieAkademie mit besonderer Spannung entge- gen, der bisher leider wegen Unpäßlichkeit des Ge- nannten zurückgestellt werden mufite. Möge dieser kameradschaftliche Geist in unserer Schulgemeinde er- halten bleiben und mögen sich die Kameraden immer gern bereit finden, um unseren jüngeren Kameraden mit ihrem Rat zur Seite zu stehen. Gerade in dieser Hinsicht eröffnet sich meines Erachtens für die Schulgemeinde ein Arbeitsgebiet, das für die Kameraden der kommen- den Jahre von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit werden kann.

Zum Schluß muft auch noch die Fahnenfrage erwähnt werden. Leider konnte erst kurz vor Weihnachten mit der Ausführung der Schulfahne nach dem Ent- wurf des Herrn Windisch begonnen werden. Ihre end- gültige Fertigstellung ist deshalb wohl nicht mehr vor Ostern zu erwarten. Gern hätten wir den Frank- furter Adler auf unserer Fahne gesehen. Da aber nach einem Beschlufß des Magistrats in den nächsten Jahren keine Aenderung des allzu stilisierten Frank- furter Stadtadlers zu erwarten ist, wird unser Wunsch unerfüllt bleiben müssen. Auf jeden Fall hoffen wir aber, daſt unsere liebe Ziehen-Oberrealschule im Schuljahr 1928/29 eine schöne Schulfahne erhält.

Aus diesem jJahresbericht der Schulgemeinde dürfte hervorgehen, daft wir auch im verflossenen Schuljahre mit Erfolg bemüht gewesen sind, unsere Aufgaben als Selbstverwaltungsorgan nach Kräften zu lösen. Selbstverständlich kann hier nicht über jede in den Sitzungen erörterte Frage berichtet werden. Vor allen Dingen hat die Schulgemeinde durch ihre Sitzungen

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erreicht, daſt sich die Kameraden gegenseitig im staatsbürgerlichen Sinne heranbilden und an parla- mentarisches Benehmen und Reden gewöhnen konn- ten. Wenn die Schulgemeinde neben ihren sonstigen Aufgaben diesen Zwed gefördert und erreicht hat, dann kann sie ein Grundstein für unser späteres Leben werden.

Der 1. Vorsitzende. Werner Schäfer Ola.

Wie können die noch bestehenden Mängel der Hausaufsicht behoben werden? Liebe Kameraden!

Wir stehen hier vor einer Frage, die dringend einer Lösung bedarf. Wie Ihr wiſtt, ist die Aufsicht während der Pausen im Schulhaus und auf den Höfen schon seit längerer Zeit auf die Schüler übertragen worden. Kameraden der oberen Klassen haben sich bereit er- klärt, das Aufsichtsamt zu übernehmen. Ihre Aufgabe ist es, für möglichst schnelle Räumung des Schul- hauses in den Pausen, sowie für Sauberkeit und Ord- nung auf den Höfen zu sorgen. Damit sie ihre Auf- gaben durchführen können, ist es unbedingte Pflicht eines jeden Mitschülers, sie in dieser Hinsicht zu unterstützen. Ich möchte nun einige Punkte angeben, die für die Durchführung einer geordneten Aufsicht besonders wichtig sind.

1. Schnelle Räumung des Klassenraumes er- leichtert die Aufsicht..

Wir müssen von jedem Mitschüler verlangen, daft er das Klassenzimmer so schnell wie möglich verläſtt, sobald der unterrichtende Lehrer die Stunde beendet hat. Aber es gibt immer wieder einige, die sich unter irgend einem Vorwand zu drücken versuchen. Gegen solche Widerspenstige sollte in Zukunft ganz ener- gisch vorgegangen werden. Was das Lehrerkollegium betrifft, so möchten wir es bitten, uns die Arbeit zu erleichtern, indem es auf das Pausenschellen achtet.

2. Achtung vor den Aufsichtsschülern.

Dieser Punkt läßt noch viel zu wünschen übrig. Viele sehen in dem aufsichtsführenden Schüler den guten Freund, mit dem man wie beliebt umspringen kann. Das ist falsch. Sobald der Aufsichtsmann durch den Flur geht, ist er nicht mehr der alte Freund, dessen Anordnungen man in den Wind schlägt. andern seinen Anweisungen ist jetzt unbedingter Gehorsam zu leisten. Es wäre verfehlt, wenn wir hier die Be- strafung durch die Lehrer eintreten lieften. Jeder sollte soviel Pflichtgefühl haben, daft er so handelt, wie es zum Gelingen des Ganzen notwendig ist.

3. Das Klassenzimmer darf während der Pausen nicht geöffnet werden.

Es herrscht allgemein die Unsitte, daft die Kameraden. die vom Physik-, Chemie-, Zeichen- und Turnunter- richt kommen, die Klassenzimmer wieder aufsuchen, sei es, um Bücher abzulegen, oder um das Frühstüc