Jahrgang 
1928
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Fragen allmählich beseitigte. Ich hatte den bestimmten Eindrud, dafß die jungen Menschen eine philosophische Grundlage für eine Weltanschauung mitbekommen haben und mit einem gewissen Selbstvertrauen den Kampf mit dem Leben aufnehmen können. Teilnehmer: insgesamt 87.

Dr. Oehlert.

2. Physik. Von Ostern bis Weihnachten arbeiteten die Schüler mit

demPantechno und hatten Gelegenheit, sich mit dem Inhalt und Gültigkeitsbereich der elementaren Grund-

gesetze der Statistik und Dynamik vertraut zu machen.

Nach Weihnachten wurden sie mit Arbeiten über Mag- netismus(Polstärken. Horizontalintensität), Elektrosta- tik(Bestimmung von Potentialen, Schaltung von Kon- densatoren), Galvanismus(Ohm'sche und Kirchhoff'sche Gesetze, Widerstandsmessungen) beschäftigt. Teilnehmerzahl: 10 Schüler der OIIb und Ollc. Dr. Feder.

3. Chemie und Geologie. Als Grundlage für die Arbeitsgemeinschaft diente J. Walthers Vorschule der Geologie. An der Hand die- ser Schrift wurden Anleitungen gegeben zur Beobach- tung geologischer Vorgänge in der Heimat. Zur Erläu- terung wurde weitgehendst die Sammlung von Gestei- nen, sowie das vorhandene Lichtbildermaterial heran- gezogen. Erweitert wurden die Betrachtungen durch das Lesen einschlägiger Literatur, vor allem bezüglich der Geologie der engeren Heimat. Im Anschluft an die Arbeitsgemeinschaft wurde die mineralogische Samm- lung des Senckenbergischen Museums besichtigt. Teilnehmerzahl: 11.

Dr. Richters. 4. Englisch. An der englischen Arbeitsgemeinschaft nahmen Schüler der Ober- und Unterprima teil. Im Sommer wurde die englische Erzählung behandelt. Die Schüler berichteten über Novellen von Poé, Stevenson. Conan Dovyle, Wills, Conrad usw. Dann wurden die charakteristischen Züge in der Stoffwahl, dem Aufbau der Handlung, der Cha- rakterzeichnung, der Stimmung herausgearbeitet und für die Erkenntnis englischer Kunst und Volksart ver- wertet. Besonderer Nachdruck wurde auf die Gegen- sätzlichkeit im englischen Charakter gelegt: Nüchterner Verstand neben abenteuerlicher Romantik, Zwang der Sitte neben eigenwilligem Selbstgefühl, kalvinistische Enge der sittlichen Anschauungen neben ursprünglichen Instinkten, starker Wille in der Lebensgestaltung neben schwächlicher Schwärmerei im Künstlerischen usw. Es wurde der Versuch gemacht, die Schüler durch Vergleich mit fremder Art sich auf Züge ihres eigenen Volkstums be- sinnen zu lassen: die stärkere Gefühlsbestimmt- heit aber auch Verschwommenheit, die schärfere Durch- führung einer wissenschaftlichen, politischen, persön- lichen Ueberzeugung aber auch die lebensfremdere Versteifung auf belanglose Einzelheiten, die gröſtere

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Anteilnahme am Volksgenossen, aber auch die unduld- samere Haltung ihm gegenüber, die unbefangenere Aufgeschlossenheit gegenüber fremden Dingen aber auch die haltlose Verschwendung an alles Ausländische, u. a. Bei der mangelnden Lebenserfahrung und der Jugend der Teilnehmer muftte der Lehrer hier mehr hervortreten, als ihm erwünscht sein konnte. Im Win- ter wurden, meist auf Anregung der Schüler, verschie- dene Seiten des gegenwärtigen englischen Lebens er- örtert: 2z. B. die Verfassung Englands, seine Rechtspre- chung, Schulen, religiöses Leben, Gesellschaftsklassen, Geschäftsmethoden, Presse., Theater, Familienleben, Sprachstil in Oeffentlichkeit, Wissenschaft, Unterhal- tung. Es wurde manches Wichtige von den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft beigebracht und vor allem die entsprechenden oder abweichenden Formen des deut- schen Lebens. Hinderlich war die mangelhafte Beherr- schung der englischen Sprache bei den meisten, so daf schwierigere Fragen auf Deutsch behandelt werden mnußten, und die Ermüdung der Schüler, die einen an- strengenden Vormittag und in vielen Fällen einen wei- ten Schulweg zum 2. Mal hinter sich hatten.

Teilnehmerzahl: 16. Dr. Wegner.

Londoner Gesellschaft.

Um die Schüler auf das Erlebnis einer Reise nach Lon- don vorzubereiten, wurde für die Reiseteilnehmer eine Londoner Gesellschaft gegründet. Durch Vorträge. zwanglose Besprechungen etc. sollten den Schülern Land und Leute in England nähergebracht werden. Be- sonderen Wert wurde auf das Stadtbild von London gelegt, ferner auf die Entwicklungsgeschichte des Lon- doner Gemeinwesens. Die vierzehntägige Reise fand Ende März 1928 statt.

Teilnehmerzahl: 20. Dr. Herborn.

5. Kunstgeschichte.

Die kunstgeschichtliche Arbeitsgemeinschaft zerfiel in

2 Kurse von je 21 Teilnehmern.

Im Anfängerkurs wurde behandelt:

Myron und seine Zeit; die Akropolis von Athen; das

griech. Relief, die Rundplastik; Laokoon; das Porträt;

griechisch-römische und altchristliche Malerei: Mosaik;

Sarkophage; Kirchenbauten, Besuch des Liebighauses.

Mit den Fortgeschrittenen:

Baro; Lorenzo Bernini; Schlüter; das Berliner Schloft:

vom Klassizismus zum Impressionismus; Richter;

Böcklin; Preller. Feuerbach. Thoma, Steinhausen,

Liebermann, Slevogt; der Expressionismus, Nolde.

Gemeinsam wurden besucht:

Die Ausstellung für alte mittelrheinische und moderne

Kunst in Darmstadt, im Frankfurter Kunstverein, die

Ausstellung von Slevogt, Nolde, der französischen Ma-

ler des XIX. Jahrhunderts; das Städelsche Institut.

Teilnehmerzahl 57:

Am 50. und 51. März 1⁰27 führten Schüler der Ober-

klassen die Antigone des Sophokles mit den Chorlie-

dern von Felix Mendelssohn-Bartholdy auf. 4. Dr. Scheuerpflug.