6. Deutsche Einheitsstenographie.
Der neue Gast, der vor zwei Jahren an die Schultür gepocht hatte und dem Einlaft gewährt wurde, ist die Junge Einheitsstenographie. Man wird von dem vollen Wert der Einheitskurzschrift überzeugt sein können, ohne die Möglichkeit zu sehen, sie vorerst in dem Lehr- plan als Pflichtfach zu bedenken, wie sie es ihres hohen Wertes wegen eigentlich verdient. Welch eine Fülle von Vorteilen die Stenographie demjenigen bietet, der sie beherrscht, ist gar nicht zu sagen. Natürlich steht es diesbezüglich mit den verschiedenen Berufsarten auffer- ordentlich verschieden. In dem einen Berufe wird sie mehr, in dem anderen weniger gebraucht. Aber insofern ist doch kein Unterschied, als sich wohl schwerlich unter den höheren Berufsständen ein einziger befindet, worin sich die Stenographie nicht von so wesentlichem Nutzen erweist, daß es sich reichlich der Mühe verlohnt, sie zu erlernen. Ganz besonders muft aber darauf hingewiesen werden, dafl die Reichs- und Länderverwaltungen, sowie die Kommu- nalverwaltungen vonihren Beamten und Angestellten den Nachweis der Beherr- schung der E. K. verlangen. Aus dieser Er- kenntnis heraus wurden auch im Schuljahr die 1927 begonnenen Lehrgänge fortgesetzt und neue Lehrgänge eröffnet.
Was die Dauer des Unterrichts anbelangt, so wurde fast in allen Klassen von UIII ab die Verkehrsschrift in dem Schuljahr erledigt, ja es konnte sogar vom Herbst ab für eine Klasse ein Wiederholungslehrgang eingerichtet werden, in welchem den Schülern Gelegenheit zur Ver- tiefung und Einübung des Gelernten durch Lese- und Schreibübungen und leichte Diktate gegeben war.
Ueber die Anteilnahme der Schüler am Unterricht kann gesagt werden, daß fast allenthalben Lernfreudigkeit und Lernbereitschaft vorhanden war. Dies zeigte sich be- sonders in den oberen Klassen, von denen sich manche durch groften Eifer auszeichneten, nur hätte gerade hier der Besuch ein stärkerer sein können.
Lobend sind besonders UIla und UIIb zu erwähnen, in welchen sich von UIla Hans Becker, Karl Hofmann, Bernhard Janson, Karl Wagner, von UIIb Alfred Funk, Rudolf Gerlicher, Paul Schubert und Karl Delcher aus- zeichneten.
Ein ganz hervorragender Schüler ist Wilhelm Kern von Olb, der leider nur der einzige ist, welcher von dieser Klasse am Unterricht teilnimmt. Es ist überhaupt auRerordentlich zu bedauern, daf ge-
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rade aus den oberen Klassen die Leil- nahme am St.-U. so gerdüng ist. Es sollten alle Schüler von diesen Klassen daran teilnehmen. Hoffent- lich wird es im neuen Schuljahr darin besser. Das kleine Honorar, welches die Schüler dafür zu entrichten haben, wird ja zehn und hundertfach aufgewogen durch den enormen Nutzen, den die Beherrschung der Steno- graphie bietet.
Wenn im vergangenen Schuljahr die Beteiligungsziffer 91 Schüler aufwies, so betrug sie im abgelaufenen Schul-
jahr 133. Diese Schüler verteilten sich auf folgende
Klassen: Ola 4 Schüler Olb 1 8 Ula 6 4 UIb 5„ Olla 8„ OIlb 5„ OIIc 4„ UIIa 13„ UIIb 2„ OIIIa 21„ OIIIb 13„ UIIIa 22„ UIIIb 11„ UIIIc 11„ Quarta 1„ zusammen 133 Schüler
Der Unterricht fand wie im Vorjahre nach Altersklassen getrennt statt.
Lehrplan für Kurzschrift-Unterricht an Schüler
I. Anfängerlehrgang: wöchentli h1 Stunde. Dauer t Jahr. Durcharbeitung des Anfängerlehrbuches. ZlEL: Sysiemrichtiges und stenographisches Lesen und Schreiben. 50— 40 Silben Fertigkeit im Schreiben in der Minute.
II. Fortbildungslehrgang: wöchentl. 1 Stunde. Dauer 1 Jahr. Durcharbeitung des Fortbildungsbuches. ZIEL: 40— 80 Silben Fertigkeit in der Minute.
III. Diktat-Lehrgang: wöchentlich 1 Stnnde. Dauer 1 Jahr. Erhöhung der Kuraschrift, Fertigkeit durch Heran- ziehung aller stenographischen Uebungsmittel. ZIEL: 100 Silben Werikgkent in der Minute.
IV. Redeschriftlehrgang: wöchentlich 1 Stunde. Dauer 1 Jahr. Theorie der Redeschrift und planmäftige Ubungen unter Anwendung der Kürzungen.
ZIEL: 150 Silben Fertigkeit in der Minute auch bei längeren Diktaten. M. Fleckenstein.


