Jahrgang 
1928
Einzelbild herunterladen

die mir in den Mittel- und Oberklassen zugute kam. Vor allem prägten sich mir die Lormen der Dinge so fest ein, daß ich längere Zeit danach noch das Ge- sehene annähernd richtig, d. h. mit Linzelheiten, wie- dergeben konnte. In den Mittelklassen kam hierzu der Versuch, die Farben der Natur möglichst genau wie- derzugeben. lch bemühte mich, die Farben der Schmet- terlinge, besonders die des Schillerfalters, nachzu- ahmen, was mir nach mehrstündiger Arbeit an einem Bild zuletzt ganz gut gelang. Auch diese Arbeiten waren eigentlich nur Buntphotographien. Als dann Herr Windisch an unsere Schule kam, lernte ich, daſt der Sinn des Zeichnens nicht im Nachahmen besteht. Nebensächlichkeiten vernachlässigte ich von da an. Es wurde mir klar, daft ich nur das Wesentliche, also die grofle Form, beachten müsse. Durch starke Licht- und Farbengegensätze versuchte ich, die Bilder zu beleben. Die so geschaffenen Grundlagen waren sehr wichtig für die folgende Tätigkeit. Ich las eines Tages in einer Zeitschrift die Ansicht, das Portrait sei das schwerste. lch bat einen Klassenkameraden, mir Modell zu sitzen. Das Bild gelang. Seit der Zeit habe ich mich aus- schließlich mit Porträtstudien beschäftigt und sehr viel Freude daran gefunden. Ich glaube, daf es mir im Leben oft von Nutzen sein wird, daß ich gelernt habe, mit Bewußtsein zu sehen und durch scharfes Beobachten zum Wesen und zum Kern der Dinge vor- zudringen.

Walter Herchenröder, O la.

Was mir der Zeichenunterricht bedeutete.

Es gibt drei Arten von Ausdrucsmitteln, mit denen ein Mensch seinen Mitmenschen etwas mitteilen kann. Das natürlichste von ihnen ist das Wort, die Sprache. Dichter und Schriftsteller reden durch Bühnenstücke, Romane, Erzählungen und Gedichte zu uns. In be- schränkterem Mafte kann der bildende Künstler durch Malerei und Bildhauerkunst den Menschen erzählen. Die Musik endlich ist einem weit kleineren Kreise zugänglich.

2. Musilk.

Die Umgestaltung des Musikunterrichtes im Sinne mo- derner Erziehungsgrundsätze wurde im vergangenen Schuljahr so weit als möglich durchgeführt. Dadurch jedoch, daß der Fachlehrer noch an einer anderen Anstalt beschäftigt war, war eine Zusammenlegung von Klassen notwendig. Bis zu 4 kombinierten Klassen mit 120 Schülern muftten in einer Stunde gemeinsam un- terrichtet werden. Es war daher nicht möglich, jeden einzelnen Schüler in wünschenswerter Weise zur Mit- arbeit heranzuziehen. Der Unterricht muftte sich dar- auf beschränken, die Schüler der mittleren und oberen Klassen mit geeigneten Werken der Musikliteratur bekannt zu machen. Es wurden besprochen: Instrumen-

Der sich bildlich ausdrückende Mensch fängt mit ge- nauen Naturstudien an. Auch ich machte diese Anfän- gerarbeit mit und lernte genau nach der Natur den Gegenstand zeichnen. Doch schon in den ersten Schul- jahren überwand ich diese Grundlagen lürs Zeichnen schnell. Bald lernte ich den Reiz der Landschaft ken- uen. Zuerst wurde mit Bleistift gezeichnet. Dann kam auch die Farbe hinzu, und es dauerte längere Zeit, bis ich aus den Anfängen der Farbenmalerei herauskam. In den Oberklassen wurde im Sommer hauptsächlich im Freien gezeichnet. Diese Skizzen und Zeichnungen wurden im Winterhalbjahr ausgearbeitet und gröftere

Zeichnungen angefertigt. Aufterdem beschäftigte ich mich mit der Schrift, die dann weiterhin, zusammen

mit der Zeichnung, in Reklameentwürfen zur Anwen- dung kam. Besonders machte mir der Linolschnitt, mit dem ich mich längere Zeit beschäftigte, viel Freude und veranlafte mich, eine Jahresarbeit von zehn Linolschnitten anzufertigen. Das Portraitzeichnen pflegte ich besonders in der letzten Zeit. In den Ober- klassen machte ich mich auch frei von der photogra- phiemäſtigen Wiedergabe. Die Zeichnungen wurden jetzt kein Abklatsch der Natur mehr, sondern ich ver- suchte, unter Anleitung meines Lehrers das Wesent- liche hervorzuheben und einen Gesamteindruck wiederzugeben. Auch meine innere Einstellung zum Zeichnen wurde reifer, obwohl sie jetzt noch manchen Schwankungen ausgesetzt ist. Früher sollte die Zeich- nung möglichst naturgetreu werden; jetzt suche ich meinen Bildern eine persönliche Note zu geben. Der Trieb zur geistigen Darstellung wird so bei mir immer regsamer. Erlebnisse wirken im Geiste fort und werden verarbeitet, um später vielleicht ein- mal bildlich gestaltet zu werden.

Ich möchte nicht versäumen, Herrn Windisch an dieser Stelle für seine besonderen Bemühungen zu danken. Er ist es in der Hauptsache gewesen, der mich auf meinen eigentlichen Beruf, den des zukünftigen Zei- chenlehrers, hingewiesen hat.

Bernhard Friedmann,. O la.

talwerke von Bach und Beethoven, Lieden von Schu- bert, ältere Volkslieder, Balladen von Löwe, Opern von Glud und Weber, Werke von Richard Wagner. In den unteren Klassen war ein normaler Unterrichts- betrieb möglich. Sämtlichen Disziplinen, wie Liedge- sang, Ausbildung des Gehörs, der Sprechorgane, des rhythmischen Gefühls, Verständnis der Notenschrift, Betätigung im selbständigen Gestalten musikalischer Formen konnte eine planmäſtige Behandlung zuteil werden.

Der Schulchor konnte allmählich vergröftert werden. Er lieft sich namentlich die Pflege des Volksliedes angelegen sein und betätigte sich bei Schulfeiern.

3

3

1 17 2 8