Jahrgang 
1927
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VIII. Mitteilungen an die Eltern.

Ich bitte alle unsere verehrten Eltern, uns in unserm Bemühen, die Schüler vom Beginn des Schuljahres ab zu ernster Arbeit anzuhalten, nach besten Kräften zu unter- stützen. Was im Sommerhalbjahr versäumt wurde, ist auch bei angestrengtester Arbeit im Winterhalbjahr nicht mehr einzuholen. Das zeigt die Erfahrung immer wieder. Besondere Nufmerksambkeit bitten wir auch der Vereins- tätigkeit der Kinder zuzuwenden. Wir halten es für notwendig, dass die Eltern bei einem beabsichtigten Eintritt ihrer Kinder in einen Verein vorher mit uns Rücksprache nehmen. Das gleiche gilt im allgemeinen auch für Privat- und Musikstunden.

Ferner bitten wir sehr, uns in unserm Kampf gegen das lästige und gefährliche Fussballspielen der Schüler auf öffentlichen Plätzen, Wegen und Strassen zu helfen.

Weiter bitten wir die Eltern dringend, ihr Augenmerk auf die Sauberhaltung der Bücher und Hefte zu richten Das gilt ganz besonders noch für die aus der Hilfsbücherei entliehenen Schriftwerke. Wir müssen in Zukunft leihweise überlassene Lehrbücher, die nicht schonend behandelt worden sind, von der Wiederannahme zurückweisen und Ersatz dafür verlangen-

J.

II.

Unsere Erfahrungen geben uns Anlass zu der Bitte, die Eltern möchten den? Wert der Entschuldigungsschreiben nicht dadurcheherab- setzen, dass sie diese auch dann ausstellen, wenn sie ihren Kindern damit nur Schwierig- keiten ersparen wollen. Solches Verhalten ist erzieherisch ausserordentlich bedenklich.

Immer wieder weisen wir darauf hin, dass Alkohol und Nikotin Gifte für den jugendlichen Organismus sind. Alle unsere Verbote helfen wenig, wenn uns die Eltern mit ihrer Einsicht in unseren Erziehungsmassnahmen nicht genü- gend unterstützen.

Endlich bitten wir, die bekannt gegebenen Sprechstunden der Mitglieder unseres Kollegiums regelmässig und vom Anfang des Schul- jahres ab zu benutzen. In besonderen Fällen stehen wir unsern Eltern nach vorheriger An- meldung auch sehr gern ausserhalb der Schul- zeit zur Verfügung.

Sprechstunden des Direktors: Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags von 10 12

und nach vorheriger Benachrichtigung Montags von 78 Uhr abends.

Von der Klassengemeinschaft der Schüler und Eltern.

Unter Klasse verstehen wir im allgemeinen eine Anzahl von Schülern, die zum Zweck des gemeinsamen Unterrichts und der gemeinsamen Förderung zusammengefasst werden. Die Mög- lichkeit hierzu ist durch die geistige Höhenlage gegeben, die bei allen diesen Schülern ungefähr die gleiche ist. Die neue Schule begnügt sich aber nicht mehr mit dem blossen Unter- richten, so sehr das auch bei ihr im Vordergrund steht, sondern sie sucht bewusst nach vorhan- denen Erziehungsmöglichkeiten. Solche bieten sich dem modernen Lehrer und Erzieher u. a. in der Entwicklung eines starken Klassenbewusstseins. Ich verstehe darunter, dass der Einzelne mit seinem Ich in der Klasse aufgeht und Träger des Klassenbewusstseins wird. Da die Klasse nicht nur eine ungefähr

gleiche geistige Höhenlage hat, sondern da bei den einzelnen Schülern auch eine starke Ver- wandtschaft des Seelenlebens vorhanden ist, so lässt sich dieses Erziehungsziel sehr wohl er reichen. Die Vorbedingungen zur Entwicklung des Klassenbewusstseins bei den einzelnen Schülern der Klasse sind schon durch die äussere Zusammengehörigkeit, durch das Vorhandensein anderer Klassen, durch die Führung durch den- selben Lehrer, durch die gemeinsame Anrede Ihr und durch Stellung derselben Aufgaben gegeben. Trotzdem darf niemand glauben, dass sich daraus die höhere Form der Klasse, das Klassenbewusstsein, von selbst entwickelt. Hier hat die Arbeit des Lehrers als Erzieher einzusetzen. Sie ist im modernen Volksstaat und damit in der neuen Schule unerlässlich.