Jahrgang 
1927
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i) Bericht über die Schulgemeinde im Schuljahr 1020/27.

Im März 1927.

Die Ziehen-Oberrealschule ist eine der wenigen höheren Schulen in Frankfurt a. M., die Gebrauch macht von dem ministeriellen Erlass, der den Schülern der Oberklassen das Recht gibt, regelmässige Versammlungen einzuberufen. In diesen Sitzungen werden ausser Fragen, die die Schülerselbstverwaltung angehen, auchsolche besprochen, deren Inhalt mit der Schule nicht unmittelber in Beziehung steht(z. B. Anträge an die Stadt um Preisermässigungen für Theater und Strassenbahn.

An den diesjährigen Sitzungen der Schul- gemeinde nahmen nur die Klassen Obersekunda bis Oberprima teil. Die beiden Untersekunden hielten Versammlungen der Klassengemeinden ab.

Die Schulgemeinde wählte sich in diesem Jahre den Oberprimaner Hubert Weiss zum I. und den Unterprimaner Oito Scheller zum 2. Vorsitzenden, die beiden Unterprimaner Hans Munk und Wolfgang Seidel zum I. bezw. 2. Schriftführer. Der Vorsitzende hat die Aufgabe, die Sitzungen zu leiten und u. U. Wünsche und Anträge dem Herrn Direktor und dem Lehrer- kollegium mitzuteilen. Der Schriftführer fasst die in einer Sitzung behandelten Fragen in einem Bericht zusammen, der zu Beginn der nächsten Sitzung vorgelesen wird. Das Amt des Beraters bekleidete auch in diesem Jahre wieder Herr Studienrat Lohmann; diese nun schon zur festen Ueberlieferung gewordene Wahl zeigt, wie sehr die Schulgemeinde die Mitarbeit dieses Herrn des Lehrerkollegiums schätzt.

Die Schulgemeinde hielt im verflossenen Jahre 9 Sitzungen ab. In einer Sondersitzung hielt Nietzsche einen Lichtbildervortrag über seine Englandreise im Sommer 1926. Im An- schluss hieran berichteie Herr Dr. Herborn über interessante Eigenarten des englischen Schul- und Universitätslebens.

Die meisten Sitzungen wurden mit einem Musikvortrag eingeleitet. Diese musikalischen Darbietungen wurden von Harth, Kemp, Schei- derer(Klavier), Wagner, Hetzer(Violine) und Martin(Gesang) ausgeführt.

Striebich Ol hielt einen Vortrag über das Thema:Die Schüllerselbstverwaltung. Er sagte hierin u. a., dass eine Schülerselbstver- waltung sehr viel zur Selbsterziehung jedes Einzelnen beitragen könne. Die Schulgemeinde stellte auf Vorschlag von Weiss Ol einen An-

trag an die Stadt, auch den älteren Schülern Fahrpreisermässigung auf der Strassenbahn zu gewähren, wie sie etwa die Studenten geniessen- Die Siadt erklärte sich einige Wochen später bereit, den Schülern, die die Schwimmstunden und die physikalischen und chemischen Vor- lesungen der Universität besuchen, Schülerkarten zu geben. Die Schulgemeinde gibt sich mit dieser Antwort nicht zufrieden, und Herr Direktor Dr. Oehlert will diese Angelegenheit zur weiteren Bearbeitung dem Bürgerausschuss und dem Elternbeirat übergeben. Dem Wunsch nach billigeren Theaterkarten für Schüler kommt die Stadt insofern nach, als sie dem Leiter der Anstalt zu diesem Zweck eine gewisse Summe Geldes zur Verfügung stellt. Herr Direktor weist bei dieser Gelegenheit darauf hin, dass Frankfurt a. M. eine von den wenigen deutschen Städten ist, die ihren Schülern in allen Bildungs- bestrebungen weitgehende Unterstützung zuteil werden lässt Zum Schluss dieser Sitzung wird der Gedanke angeregt, Unterhaltungs-, Lese- und Wanderklubs zu gründen. Als Aufenthalts- raum wird ein grösseres Zimmer im Neubau freigegeben, für dessen innere Ausschmückung uns Herr Professor Elsässer freundlich einen Fach- mann zur Verfügung stellte. Ferner beschliesst die Schulgemeinde, ein Preisausschreiben für Entwürfe zu einer Schulfahne zu veranstalten. Zu diesem Zweck wird eine Kommission gewählt, der Schubert Olvorsteht. Auf2 Preisausschreiben hin gehen 8 Entwürfe bei der Kommission ein. Die Schulgemeinde bespricht sie in einer Sitzung. Später beschliesst die Kommission und die Schulgemeinde, den Vorschlag von HerrnZeichen- lehrer Windisch anzunehmen. Mit diesem Be- schluss ist auch Herr Direktor und das Lehrer- kollegium einverstanden, nur soll bis zur Aus- führung desVorschlagessolange gewartet werden, bis ein von der Stadt Frankfurt a. M. gewählter Nusschuss, in welchem auch Herr Windisch tätig ist, die Form des neuen städt. Adlers bestimmt hat. Darauf soll sofort mit der Aus- führung der Schulfahne begonnen werden. Burkhard UI gibt in einer Sitzung Bericht über den von ihm eingerichteten Kursus im Karten- lesen; er sagt, dass er im kommenden Frühjahr und Sommer Wandergruppen gründen wolle, die unter Nufsicht von älteren Schülern wandern sollen. In einer von Scheller einberufenen Sitzung beschliesst die Schulgemeinde, die Erträge, die aus Klassenaufführungen entstehen, in eine allgemeine Schulkasse fliessen zu lassen,