Jahrgang 
1929
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h) HAUSWIRTSCHAFT.

Wie glücklich der Gedanke war, Hauswirtschaftsunterricht wahlfrei in unserer Schule einzufüh- ren, bewies wieder die zahlreiche Beteiligung an den diesjährigen Kursen. Zwei Abteilungen von je 24 Untertertianerinnen kamen abwechselnd alle 14 Tage einen Nachmittag in unserer Schulküche zusammen, um dort mit viel Eifer und Freude die verschiedenartigsten Gerichte, Süßigkeiten und Backwaren herzustellen. Außer diesen Kocharbeiten wurden die Schülerinnen noch mit den wesentlichsten Hausarbeiten vertraut gemacht.

Die Regelmäßigkeit des Unterrichts wurde gegen Ende des Jahres durch Grippe- und Kohlen- ferien gestört, und aus diesem Grunde mußte die sonst übliche kleine Abschiedsfeier leider ausfallen.

i) RElCHSKURZSCHRIFT.

Die wahlfreien Lehrgänge für Reichskurzschrift erfreuten sich einer regen Teilnahme. Diesmal war auch eine Übungsstunde für Fortgeschrittene eingerichtet, die bereits ein Jahr stenogra- phiert hatten. Im Wettschreiben war die Höchstleistung ungefähr 100 Silben. Bei genügender Teilnehmerzahl läßt sich vielleicht im nächsten Schuljahr ein Verein gründen, der die Aufgabe hat, das Gelernte weiter zu üben und so dem Gedächtnis noch besser einzuprägen.

K) LEIBESOBUNGEN, SCHWIMMEN UND WETTKAMPEFE.

Unserer Arbeit im Unterricht für Leibesübungen lag der Lehrplan vom Herbst 1927 zugrunde. im Sommerhalbjahr wurde vorzugsweise Leichtathletik betrieben, nach Möglichkeit auf der Bertramswiese, während im Winter Gymnastik und Geräteturnen in dem Vordergrund standen. Iim August 1928 beteiligten sich unsere Quarten an den Schulwettkämpfen im Stadion. Es wurde ein Dreikampf zur Ausführung gebracht(Dauerlauf, Ballweitwurf und gymnastische Obungen). Der strenge Winter war günstig für das Schlittschuhlaufen. Wir gingen häufig in den Turnstunden auf den zugefrorenen Holzhausenweiher. Am 28. Januar 1929 hielt die Schule einen allgemeinen Wintersporttag, bei dem sich freie Gruppen von Schlitt- und Schneeschuh- läuferinnen und Rodlerinnen zusammenschlossen.

Der Betrieb des Pflichtschwimmens unserer Quinten war in diesem Winter ungünstig beeinflußt, einmal durch die erforderlichen Ausbesserungsarbeiten im Städtischen Schwimmbad, die nur ein vierzehntägiges Schwimmen zuließen, so dann aber vor allem durch die stark anhaltende Kälte und die damit verbundenen Gefahren von Erkrankungen. Unter diesen Umständen wurde die Zahl der Freischwimmer naturgemäß nicht so groß wie in den vorhergehenden Jahren.

Auch in diesem Jahre war das freiwillige Schwimmen wieder stark besucht. Etwa 80 Schüle- rinnen nahmen während des Sommerhalbjahres wöchentlich zweimal am Schwimmunterricht in der Moslerschen Badeanstalt teil, auch während der Sommerferien. Eine große Anzahl der Nichtschwimmer konnte die Freiprobe ablegen. Den Freischwimmern war Gelegenheit gegeben, sich im Schnell- und Dauerschwimmen auch im Tauchen, Springen und Rettungsschwimmen zu üben.

Im Winterhalbjahr mußte das freiwillige Schwimmen wegen der Erneuerungsarbeiten im Städtischen Schwimmbad bis Weihnachten ausfallen. Die Beteiligungwar nachher wegen der all- zugroßen Kälte verhältnismäßig gering. Aber trotzdem ließen es sich einige Unentwegte nicht nehmen, das Schwimmen auch bei der starken Kälte von fast 30 fortzusetzen.

VII. Der Kindergarten.(Städt. Kindergarten XXII).

Leiterin: Frl. Wilhelmine Schneider, Jugendleiterin, 1. Cehilfin: Frl. Maria Josephs. 2. Gehilfin: Frl. Hilde Staudt, Kindergärtnerin(halbe Kraft), Kindermädchen: Frl. Maria Müller, Freiwillige Praktikantin: Frl. IIse FEreitag.

Es schieden im Laufe des Jahres aus: Frl. Hilde Staudt, die für das Sommerhalbjahr beurlaubt, Gruppen Erholungssuchender Jugendlicher vom Fürsorgeamt übernahm und in verschiedenen Heimen betreute. Frl. Maria Müller, Kindermädchen, mußte nach dreijähriger Arbeit ihre Tätig- keit leider aufgeben; die Stadt kündigte ihr die Stellung, weil sie die zulässige Altersgrenze überschritten hatte.

Nach Abgang der schulpflichtigen Kinder Ostern 1928 füllte sich der Kindergarten nur langsam und erreichte im Laufe des Jahres nicht die sonst übliche Höhe, eine Tatsache, die sich in anderen Kindergärten ebenso bemerkbar machte.

zur Erholung kamen drei Kinder nach Bodenrod, ein Kind nach Neustadt i. Th., ein Kind nach Bad Soden, zwei Kinder nach Sodenthal, ein Kind nach Weilmünster.

Die Bestimmungen über die Höhe des Pflege- und Trankgeldes blieben dieselben; doch wurde die Einkommensgrenze von 160 M. monatlich auf 170, bezw. 185, bei fünf Kindern auf 200 M. festgesetzt.

Der Gesundheitszustand der Kinder war recht befriedigend; sogar während der Grippewochen erfolgten nur wenig Krankmeldungen, häufiger war die große Kälte der Fehlgrund. Der Kinder-

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