Jahrgang 
1929
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Um den Kindern minderbemittelter Eltern verbilligte Gelegenheit zur Erlernung des Instrumen- talspieles(Geige, Cello, Flöte) bei guten und leistungsfähigen Lehrkräften zu bieten und zu- gleich die Jugend auch dem gegenüber dem Klaviere bis jetzt vernachlässigten Streichinstru- menten zuzuführen, richtete die Schule im verflossenen Jahre Instrumentalunterrichtskurse ein, die sich bis jetzt gut bewährt haben und darum ausgebaut werden sollen. Das von den Schiilerinnen für den in kleinen Gruppen erhaltenen Unterricht zu zahlende Honorar ist ver- hältnismäßig gering, die Auswahl der Lehrkräfte, die nur im Auftrag der Schule und unter Verantwortung und Aufsicht der Schule in Räumen der Anstalt unterrichten, wird mit Sorg- ſalt getroffen. Eintritt und Austritt der Kinder können nur bei Beginn, bezw. Ende des Schul- halbjahres erfolgen.

e) ZEICHNEN.

Der Zeichenunterricht in den Unterklassen stellt sich die Aufgabe, der Phantasie und naiven Gestaltungskraft des Kindes gerecht zu werden und dadurch die kindliche Freude am Malen und Zeichnen zu steigern. Die Jahreszeiten mit ihren wechselnden Eindrücken und Festen, Gelesenes und Erlebtes bildeten den Unterrichtsstoff. Dazu traten Farbübungen, Flächenmuster. das Zeichnen nach Spielsachen, Blumen, Früchten, Figuren, alles in naiv unbekümmerter Auf- fassung und Wiedergabe.

Dasselbe gilt in vieler Hinsicht von den Mittelklassen. Phantasie- und Gedächtniszeichnen wurden fortgesetzt und erweitert, dazu traten als Unterrichtsstoff zZeichnen nach Gefäßen, Pflanzen und Geräten. Es wurde eine genauere Beobachtung in Form, Farbe und Schatten- fiihrung angeregt, doch im Allgemeinen in diesen Klassen immer noch ein gedächtnismäßiges Wiedergeben erstrebt.

Erst in der Oberstufe wurde versucht, die Form organisch und in ihrer Gesetzmäßigkeit zu erkennen und darzustellen. Es wurden Gruppen von Gefäßen, geometrischen Körpern in über- schneidungen und Verkürzungen gezeichnet, Figur, Kopf, Pflanzen- und Schriftstudien traten hinzu; ferner Skizzieren im Schulhaus, im Park und in der Altstadt. Die Oberprimen machten Aufnahmen in hiesigen Museen und besuchten Kunstausstellungen. HBemmend wurde in viel- facher Hinsicht der veraltete Bestand unserer Zeichensammlung empfunden, für deren zeit- gemäßen Ausbau uns aber die Wittel fehlen.

f) WERKUNTERRICHT.

Infolge der Erkrankung von Herrn Dilcher kam ein Lehrgang im Werkunterricht erst im Winter zustande. Es nahmen daran teil Schülerinnen der Quarta a, Ouarta b. UIlla, UIIIb, Ollla, Olllb. Mit der Herstellung von Schmuckpapieren wurde begonnen, welche dann an einfachen selbst- gearbeiteten Gebrauchsgegenständen Verwendung fanden, an Schreibmappen, Alben, Werk- büchern und Blöcken, Geldmäppchen u. a. An diesen Gegenständen lernten die Schülerinnen das Zuschneiden der Pappen, die Verbindungen von Papier, Pappe und Stoff mit Leim und Kleister. Einige Kinder schnitten und sägten Spielzeuge aus, Tiere, Häuser, Hampelmänner.

g) NADELARBEIT.

Die unteren Klassen fertigten kleine Kreuzsticharbeiten in feinerem Material an, nach eigenen Entwürfen und eigenem Geschmack bei Zusammenstellung der Farben. Im Winterhalbiahr ver- arbeiteten sie Wolle und Seide an größeren Gegenständen wie z. B. Fuß- und Sofakissen, Decken usw.

Kleidchen, Schürzen, Spielanzüge führten die Quinten als erste größere Näharbeit aus, später nähten sie sich eine Arbeitstasche für den eigenen Bedarf(Abformen der Schnittmuster). Die Quarten erlernten als Vorarbeit für das Stopfen das Weben kleiner Gegenstände, anschließend daran Stopfen an praktischen Gegenständen. Im Winterhalbjahr übten sie sich im Hohlsaum- nähen.

Die Untertertien flickten im Sommer und erlernten zum ersten Mal das Maschinennähen. Topf- anfasser, Kopfkissen; Hohlsaum als Wiederholung.

Die Obertertien nähten Wäsche und erlernten verschiedene Verzierungsmöglichkeiten(Abfor- men und Zeichnen von Nustern).

Die Untersekunden schneiderten Kleider und Blusen nach farbigen Schnittmustern, erlernten die Technik des Filierens in der Runde sowohl als auch im Quadrat mit Stopfen desselben, das Stricken von Decken in Seide, Häkeln von Westen und Blusen. Auch diesmal kam wieder ein wahlfreier Lehrgang für die Klassen Oll Ol zustande, der u. a. auf die Prüfung für die Pädagogische Akademie vorbereiten soll.

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