c) PHOTOCRAPHIE.
Im Schuljahr 1928/29 wurde zum ersten Mal eine photographische Arbeitsgemeinschaft für Schü- lerinnen der Unterprima— diese Klasse kommt aus verschiedenen Gründen in erster Linie hier- für in Frage— eingerichtet. Es beteiligten sich 8 Schülerinnen, eine Zahl die auch nicht wesent- lich überschritten werden darf im Interesse einer gründlichen praktischen Durchbildung der einzel- nen Teilnehmerinnen. Die öbungen sollen bei den Schülerinnen Fertigkeit in Aufnahme, Ent- wicklung, Fixieren, Herstellung der Papierbilden erzielen und zugleich Verständnis für die der Photographie zugrunde liegenden physikalischen und chemischen Vorgänge wecken.
Ausgangspunkt für die öbungen in der praktischen Photographie war die Camera-obscura-Auf- nanme. Besondere Bedeutung kommt der Untersuchung des Objektivs zu. Einfache Linse mit und ohne Blende, Aplanat, Anastigmat sind hier die Entwicklungsstufen. Der Einfluß der Brennweite auf die Größe des Bildes wurde beobachtet und errechnet. Die Untersuchung der Blendensysteme führte zu interessanten Beziehungen zwischen Belichtungszeit und relativer öffnung. Bekanntlich wird bei photographischen Aufnahmen viel zu wenig mit der lrisblende gearbeitet, und doch hängt gerade die so wichtige Tiefenschärfe vom Durchmesser der Blende ab. Die Abhängigkeit der Perspektive und der Bildwirkung von der Brennweite und vom Standort des Apparates ist wohl allgemeiner bekannt. Von besonderen Anwendungsgebieten, die sich gut zu Schülerinnenübungen eignen, seien genannt: Photographie in natürlichen Far- ben, Mikro- und Fernrohrphotographie, Röntgenphotographie.
Bei den heutigen Preisen von Negativ- und Positivmaterial ist unbedingt erforderlich, daß man mit Platten, Tages- und Kunstlichtpapier so umzugehen weiß, daß keine Fehlbelichtungen mehr vorkommen. Belichtungstabellen, optische und aktinische Photometer sind unerläßlich im Gebrauch und wurden in ihren Ergebnissen miteinander verglichen. Besonderes Eingehen be- darf die Momentaufnahme im GCegensatz zur Zeitaufnahme. Bei der Untersuchung des Nega- tivmaterials sind verschiedene Plattensorten, Rollffilm und Filmpack auf Verarbeitung und Far- benwiedergabe zu prüfen, und der Einfluß von Farbfiltern, insbesondere von GCelbscheiben festzustellen. Man muß den Unterschied zwischen einem normal-, unter- und überbelichteten Negativ kennen lernen und die Fehler schon möglichst während der Entwicklung zu beseitigen wissen. Der Positivprozeß erfordert eine eingehende Behandlung der Verarbeitung der Tages- licht- und Kunstlichtpapiere, der Herstellung von Diapositiven. Es erübrigt sich, noch darauf hinzuweisen, daß die Zahl der verschiedenen Arten von Hand- und Stativkameras(Magazin- Spiegelreflex-Klappkamera mit Spreizen, Klappkamera mit Laufboden usw.), von Verschlüssen (Zentral-Blenden-Rulo und Schlitzverschluß) und von Kassetten recht beträchtlich ist.
d) MUSik.
Der Musikunterricht berücksichtigte in Ausführung der amtlichen Richtlinien die Unterrichts- gebiete der Ton- und Stimmbildung, der Rhythmik, der Gehörbildung, der musikalischen Ele- mentarlehre und des bewußten Singens nach Noten, der Formenlehre, Musikgeschichte und Einführung in das Gebiet der Instrumentalmusik.
Dabei wurde der Weckung und Entwicklung musikalischer Kräfte und Anlagen der Schüle— rianen besondere Beachtung geschenkt, Anleitung und Anregung zu Selbstbetätigung und eigener Gestaltung nach Möglichkeit gegeben.
Bei der Pflege des Rhythmischen fand die körperlich-motorische Darstellung rhythmischer Verhältnisse und Reihungen besondere Beachtung.
Für die Gehörbildung und zur Erzielung bewußten Singens nach Noten sowie Anbahnung des musikalischen Erlebens und Verstehens wurde als erfolgreiches Hilfsmittel im Unterricht namentlich der Unterklassen die Tonika-Do-Methode herangezogen.
Die Belehrungen in Formenlehre, Musikgeschichte und über Instrumentalmusik vergangener Spochen machen eine allmähliche Ausgestaltung und Erweiterung der hierfür unentbehrlichen Bibliothek erforderlich.
Unterstützt wurde die Besprechung instrumentaler und vokaler Kunstwerke durch die gelegent- liche Verwendung der Schallplatte.
Dem Bedürfnis der Schülerinnen nach freiwilliger, weitergehender Betätigung auf dem Gebiete der Musik wurde durch Bildung einer Instrumentalabteilung und einer musikalischen Arbeits- gemeinschaft Rechnung getragen.
Die Arbeit in der iInstrumentalgruppe stand im ersten Halbjahr wesentlich im Zeichen des Schubertjahres, erstreckte sich dann auf die Instrumentalmusik alter Meister. Hierbei wurde die Sammlung„Collegium musicum“ benutzt.
In der musikalischen Arbeitsgemeinschaft wurden mit Rücksicht auf die ungleiche, in den meisten Fällen unzureichende Vorbildung später in die Schule eingetretener Schülerinnen eine vertisfte musikalische Elementarlehre, Akkordlehre, Formenlehre und wichtige Epochen der Musikgeschichte, musikalischer Satz behandelt.
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