Schülerinnen ließ die Regierung in Wiesbaden schon nach dreijähriger Grundschulzeit als „Hochbegabte“ zur Prüfung zu. Wir haben in diesem Jahre versuchsweie solche Schülerinnen, die von ihrer Schule mit guten und sehr guten Zeugnissen gemeldet waren, im Unterricht mehrmals besucht, ihre Aufsätze, Diktate und Rechenhefte durchgesehen und konnten auf diese Weise eine Anzahl von der Prüfung befreien.
Herr Fraikin hielt mit jeder Klasse durchschnittlich zweimal französiche Sprechübungen ab. Im Auftrage des Provinzialschulkollegiums besucht Frau Anna Mundorff-Köln am 21. Oktober unsern Nadelarbeitsunterricht. Am 23. und 24. Oktober wohnte Miß Price, Central Welsh Board, Cardiff, dem Unterricht bei.
Seit mehr als einem Jahrzehnt besteht an der Elisabethenschule Selbstverw altung der Schülerinnen. Jede Klasse wählt ihre Vertrauensschülerinnen selber. Die Schülerinnen der Oberklassen übernehmen die Aufsicht im Schulnause. Im Herbst 1926 führten wir das„Präfek- tensystem“ der brüderlichen Musterschule auch bei uns ein; jeder Klasse von VIO UI wurden zwei Primanerinnen als Klassenfreundinnen zugeteilt. Die Untersekundanerinnen übernahmen die Führung und Beaufsichtigung der Grundschulklassen der Holzhausenschule. Den Schüle- rinnen machte die Neuerung viel Freude; sie soll helfen, die unerläßliche Ordnung im Gebäude zu fördern und das Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen Schülerinnenschaft und Lehrer- schaft zu beleben.
Die vorgeschriebenen Monatswanderungen konnten wir im allgemeinen durchführen. Auch eine Reihe mehrtägiger Wanderungen wurden unternommen. am 1. September machte die ganze Schule einen Ausflug auf dem Dampfer Aurea Noguntia von Mainz nach St. Goar und zurück.
Die beiden Untertertien waren vom 2. bis 27. Juni auf der We gscheide mit EFrl. Werth-
mann, der Frl. Dr. Hommer, Frl. Münchheimer und Herr Prof. Schwartze der Reihe nach zu Hilfe kamen.
Das Landheim in Oberhöchstadt ist wieder in unseren Besitz zurückgekehrt; aber es kommt nur für kleinere Gruppen von Schülerinnen in Betracht. In den Herbstferien war Frl. Werth- mann mit Schülerinnen aus den Klassen IV. bis UI dort. Die O. II. c war vom 22. bis 24. Ok- tober mit Herrn Prof. Ellmer im Landheim der Humboldtschule, der wir für die Gastfreund- schaft zu danken haben.
Herr San.-Rat Dr. J. Rothschild, unser bewährter Schularzt, wachte über den allgemeinen Gesundheitszustand unserer Schülerinnen. Am 13. Dezember untersuchte er die bei- den neuen Sexten, am 16. und 17. Januar die Quarten und im Laufe des Schuljahres die üb- rigen Neueingetretenen und die Erholungsbedürftigen. Sein Gutachten bildete die Grundlage von allen Befreiungen vom Turnen, Spielen und dergleichen. Herr Sanitätsrat Rothschild unter- suchte auch die Untersekunden und die Oberprima auf ihre Berufseignung. Dieschulzahn- ärztliche Ueberwachung der Schule übernahm Frl. Dr. Bauer. Der Gesundheits— zustand der Schülerinnen war im allgemeinen gut. Leider starb am 25. Juni die Sextanerin Hilde Klingelhöfer.
Wegen allzugroßer Hitze fiel der Unterricht am 17. Juni und am 6., 8. und 10. August in den letzten Stunden aus.
Die Schülerinnen waren bei der Erankf. AllIg. Unfall-Versicherungs-Gesell- schaft pflichtmäßig versichert(Prämie Wk. 1.—), die auch für eine größere Zahl von Un- fällen aufkam.
An der StädtischenSchulkinderspeisun g in der benachbarten Fürstenberger Mittel-
schule nahmen leider nur sehr wenige Schülerinnen teil; stärker war der Besuch der Speisung beim Schulhausverwalter Herrn Istel.
Das Schulgeld betrug für Einheimische RMW. 15.—, für Auswärtige RM. 18.75 und für Aus- länder RM. 30.— monatlich. 56 Schülerinnen erhielten ganze Freistellen, 44 Schülerinnen hatten Schulgeldermäßigung, 10 Erlaß als 3. oder weiteres Kind, 4 Schülerinnen eine städti- sche Erziehungsbeihilfe. Wieder gelang es einer Schülerin, die hohe Auszeichnung einer Reichserziehungsbeihilfe(gemäß Artikel 146 der Reichsverfassung) zu erringen.
Vön unserer Hilfsbücherei machten viele Schülerinnen Gebrauch, leider trotz unserer Mahnung in den letzten Jahresberichten auch solche, deren Elterneswirklichnicht nötighätten, öffentliche Wohlfahrtseinrichtungen zu benützen.
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